3D-Druck in Serie

Ein 3D-Drucker druckt die Schrift 3D in grün (Zahl) und rot (Buchstabe).
Foto: shutterstock.com
3D-Druck ist heute bereits für die Serienproduktion geeignet. Das Verfahren ist schnell und freier mit Blick auf die Konstruktion.

Herr Folkert, in welchen Bereichen wird 3D-Druck bereits heute eingesetzt?
Während noch vor einigen Jahren vor allem Prototypen und Modelle über 3D-Druck hergestellt wurden, entwickeln wir mit der Bionic Production GmbH heute bereits industriefähige Serien. Das heißt: Additive Fertigungsverfahren sind längst in der industriellen Produktion angekommen. Für die Schweitzer Firma Franke Industries  produzieren wir beispielsweise 1.800 Einspritzdüsen im Jahr und die Stückzahl wird sich 2020 verdoppeln. Und für die Firma Bugatti fertigen wir 160 Bremssättel für den Bugatti Chiron im 3D-Druck-Verfahren – das zeigt, das 3D-Druck auch den hohen Qualitätsansprüchen im Luxussegment gerecht wird.

Porträt Patrick Folkert Patrick Folkert ist kaufmännischer Leiter Produktion und Technik bei der Bionic Production GmbH.

Foto: Möllenhoff

Also lohnt sich der Einsatz von 3D-Druckern schon?
Auf jeden Fall lohnt sich der Einsatz, allerdings heißt das nicht, das jeder gleich in einen 3D-Drucker investieren sollte. Ein Metall-3D-Drucker kostet rund 800.000 Euro und das nötige Know-how aufzubauen,  Ein kleiner Betrieb kann sich so eine Investition meist nicht leisten. Und eben da kommen 3D-Druck-Dienstleister wie wir ins Spiel. Wir drucken Produkte nach den Plänen der Kundenmit 3D-Technik aus: So profitieren unsere Auftraggeber von der schnellen Fertigung, sparen aber Anschaffungskosten. Und: Wir können in jeder Branche Teile identifizieren, bei denen es sich lohnt, sich über 3D-Druck Gedanken zu machen.

Warum sollte ein Industrie- oder Handwerksbetrieb auf 3D-Druck setzen?
Mit 3D-Druck sind die Betriebe freier in der Konstruktion. Wir müssen uns an deutlich weniger Vorgaben halten und können Teile schneller fertigen, als es im konventionellen Verfahren möglich ist. Ein weiterer Aspekt ist die Nachhaltigkeit: Additive Verfahren verursachen deutlich weniger Material-Ausschuss. Wir drucken nur das Material, was wir auch wirklich benötigen.

Soweit zu den Vorteilen. Und welche Nachteile gibt es?
Einen Nachteil gibt es eigentlich nur bei großen Teilen, die im konventionellen Verfahren einfach herzustellen sind. In diesen Fällen sind die Kosten eines 3D-Drucks vergleichsweise höher.

Blicken wir mal in die Zukunft: Inwiefern wird der 3D-Druck Produktionsprozesse und Berufe verändern?
3D-Druck wird Produktionsprozesse erweitern, ich gehe aber nicht davon aus, dass Verfahren oder Berufe ersetzt werden. Wir sind nach wie vor angewiesen auf Fräsarbeiten bei Funktionsflächen. 3D-Druck wird die industrielle Fertigung verändern. Darin liegt eine große Chance, Potenziale zu erweitern und voll abschöpfen zu können. Für Techniker und Werker wird sich nicht viel verändern: Die Bedienung der Drucker ist deutlich einfacher als bei einem Fräswerkzeug, die Vorarbeit ist der Prozess, in dem beispielsweise Konstrukteure neue Möglichkeiten haben.

Wo sehen Sie Potenziale für die Entwicklung in den nächsten Jahren?
Die Maschinen werden leistungsfähiger und die Akzeptanz wird steigen. Beim sogenannten SLM-Verfahren, auch Metallcusing genannt, wird Metall verschmolzen, die Basis hierzu stellen feinste Metallpulver dar. Diese Technik wird sich weiter entwickeln und neue Verfahren werden hinzu kommen. Ein Beispiel ist das sogenannte Binder Jetting, bei dem flüssiges Bindemittel Schicht für Schicht auf Metallpulver aufgebracht wird. Das ist effizienter und kostengünstiger als ein SLM-Prozess. Außerdem wird das Drahtauftragschweißen sich weiter entwickeln und die Produktion vor allem großer und komplexer Bauteile bestimmen.