Mehr als Medikamente

Anna-Marie Gustafsson steht mit einem historischen Bild des Gebäudes vor ihrer Apotheke
Foto: Matthias Leitzke
Der Standort der Apotheke am Hoffmannhaus ist zwar geschichtsträchtig, aber Inhaberin Anna-Marie Gustafsson führt einen modernen Betrieb: Kunden können nicht nur telefonisch und per Mail Bestellungen aufgeben, sondern auch direkt im eigenen Onlineshop einkaufen.

Der Standort atmet Geschichte. Zwar ist die Apotheke am Hoffmannhaus im Wolfsburger Stadtteil Fallersleben erst fünfzig Jahre jung, doch untergebracht ist sie in einem jahrhundertealten Haus, das gleich neben dem Geburtshaus des großen Dichters Hoffmann von Fallersleben liegt. „Die Lage mittendrin in einer superschönen Altstadt, dazu die gewachsene Gemeinschaft von Ladeninhabern, das findet man in deutschen Fußgängerzonen eher selten“, sagt Anna-Marie Gustafsson.

Erst vor zwei Jahren hat sie die gut eingeführte Apotheke als Inhaberin übernommen. Mit der Entscheidung ist die 36-Jährige glücklich – nicht nur wegen der hübschen Fachwerkkulisse: „Mir liegt die persönliche Beratung und ein umfassender Service sehr am Herzen. Beides kann ich an diesem Standort ausbauen.“

Sich irgendwann selbständig zu machen, das war schon während des Pharmaziestudiums in Braunschweig das Ziel von Anna-Marie Gustafsson. Zehn Jahre arbeitete sie nach dem Examen als angestellte Apothekerin, zuletzt in Leitungsverantwortung. Gezielt nach „ihrer“ Apotheke gesucht habe sie nicht, sagt die Braunschweigerin: „Eigentlich war es mehr Zufall. Der Kontakt ist über Bekannte entstanden.“ Dann ging alles recht schnell: Die junge Apothekerin stieg Anfang 2018 erst für ein paar Monate als Angestellte bei Birgit Jesse-Maaßen ein, die ihre Apotheke aus Altersgründen abgeben wollte. „In der Zeit haben wir zusammen überlegt, was man verändern und ausbauen kann“, sagt Anna Marie Gustafsson: „Es hat einfach gepasst. Schon allein deswegen, weil meine Vorgängerin so gern an eine Frau weitergeben wollte.“

Mit dem Wechsel bekam die Apotheke im historischen Altbau eine Frischekur: Das Reformhaus, das die Vorgänger auf einem Teil der Ladenfläche eingerichtet hatten, wurde aufgegeben. Das bot Platz für Neues: Der Kundenraum wurde vergrößert und dazu ein separater Beratungsraum eingerichtet. Den hatte sich Anna-Marie Gustafsson schon immer gewünscht: „Die häusliche Pflege ist einer unserer Schwerpunkte. Angehörige haben viele Fragen, etwa zu Hilfsmitteln oder zu Hygieneprodukten. Hier kann man sich diskret zurückziehen, um auch über sensible Themen zu sprechen und individuell auf die Kunden einzugehen.“ Überdies finden Beratungstage zu Themen wie Venenmessung, Naturkosmetik oder Herzgesundheit statt.

„Apotheken sind Dienstleister“, sagt Anna-Marie Gustafsson. Mit der Einstellung: „Wir haben geöffnet, also kommt alle her!“, könne man heute keine Apotheke betreiben. „Freundlichkeit, Service und ein besonderes Sortiment – das kommt an. Zum Glück kann ich mich auf ein tolles Team verlassen, das dabei mit mir an einem Strang zieht.“

Zum Service gehört die Erreichbarkeit über alle Kommunikationskanäle. Kunden können nicht nur telefonisch oder per mail Bestellungen aufgeben, sondern auch direkt über die Webseite und den eigenen Onlineshop einkaufen. Das werde aktuell häufiger genutzt, genauso wie der kostenlose Lieferservice, über den man sich Medikamente nach Hause oder an den Arbeitsplatz bringen lassen kann.

Von den zwei Jahren ihrer Selbstständigkeit steht bereits eines ganz im Zeichen von Corona. Während die Apothekerin im Frühjahr mit Lieferanten um Masken und Desinfektionsmittel rang, kann sie nun ihre offenen Beratungstage erst einmal wieder streichen. „Im Moment sind wir leider mehr von außen bestimmt.“ Was sie ermutigt: „Wir haben eine gewachsene Kundschaft, die uns treu bleibt.“ Besonders freut sich die Inhaberin über einen Besucher, der auch mit seinen mehr als neunzig Jahren regelmäßig vorbeischaut: Apotheker Karl-Heinz Jesse ist bis heute Stammkunde in der Apotheke, die er 1970 selbst gegründet hat.