Auf Umwegen zum eigenen Café

Foto: Philipp Schulze
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Mit Liebe gemacht, mit Freude serviert: Olga Goldnik ist Konditorin und Gastgeberin mit Leib und Seele.

„Schon als Kind habe ich es geliebt, zu backen.“ Olga Goldnik zieht ein Blech mit Apfelkuchen aus dem Ofen. Der Duft von Frischgebackenem wabert durch die Küche ihres Cafés, während sie ihr Werk mit prüfendem Blick begutachtet. Fast so, als könnte sie direkt unter die zartbraune Oberfläche gucken. Sie lächelt. „Fertig.“ Dann verschwindet sie durch die Tür in den Gastraum. Ein eigenes Café, das sei schon immer ihr Traum gewesen, verrät Goldnik. Inzwischen hat sie sich diesen Traum mit dem Café am Reiterhof in dem kleinen Ort Süttorf bei Lüneburg verwirklicht – im zweiten Anlauf.

Sollte sie die feste Anstellung aufgeben?

Es ist ein turbulentes Jahr, auf das die 45-Jährige zurück blicken kann: In ihrem Wohnort Neetze hatte sich herumgesprochen, dass sie ein Händchen für Torten und Kuchen hat, sodass der Bürgermeister ihr Anfang 2017 vorschlug, das leer stehende Café im Nachbarort zu übernehmen. „Ich war von der Idee begeistert, hatte aber auch Bedenken“, sagt Goldnik. Ihr Job im Verkauf  bei einem örtlichen Landwirtschaftsbetrieb machte ihr schließlich auch Spaß. Das Team war nett, das feste Gehalt attraktiv. Außerdem: Würde sich ein eigenes Café mit ihren Familienleben vereinbaren lassen? Immerhin war ihre jüngste Tochter erst elf Jahre alt. Goldnik kam zu dem Schluss: „Das ist zu groß für mich alleine.“

Gründung mit Geschäftspartnerin

Sie wollte die Sache schon abhaken, als ihr Mann einen Bekannten traf. Der wiederum hatte die Idee, seine Frau könne mit in das Geschäft einsteigen. „Zu zweit teilt man sich das Risiko und kann sich im Urlaub oder wenn man krank wird vertreten“, sagt Olga Goldnik. Die ideale Lösung schien gefunden. So unterschrieben die beiden Frauen kurz darauf den Mietvertrag und Olga Goldniks Mann, von Beruf Tischler, machte sich an die Modernisierung der Räume: neue Tische, neue Stühle mit weichen Polstern – die Gäste sollten es gemütlich haben. Er verkleidete den Küchentresen neu, baute eine neue Vitrine für die Backkunst seiner Frau ein. Alles schien perfekt, die ersten Kunden ließen nicht lange auf sich warten – als sich herausstellte: Die Chemie zwischen den Gründerinnen stimmt nicht.

Zurück in den alten Job

„Wir kannten uns vorher einfach nicht gut genug und stellten dann fest, dass es persönlich nicht so passt“, sagt Goldnik, der die Situation schnell an die Substanz ging. „Ich bin mit Bauchschmerzen zur Arbeit gegangen. Traum hin oder her, es war es nicht wert, dass ich meine Gesundheit dafür opfere.“ Als dann ihr ehemaliger Arbeitgeber signalisierte, sie mit offenen Armen wieder aufzunehmen, beschloss Goldnik drei Monate nach der Gründung, das Café aufzugeben. Das war im Mai 2017. Doch kaum war sie in ihrem alten Job wieder angekommen, gestand ihre ehemalige Geschäftspartnerin ihr, dass sie den Cafébetrieb alleine nicht bewältigen könnte. Ob Olga Goldnik das Café nicht allein weiter führen wolle?

Neustart im eigenen Café

„Das war eine schwierige Entscheidung“, sagt Olga Goldnik. „Ich fühlte mich meinem Arbeitgeber verbunden, wollte ihn nicht enttäuschen, nachdem sie mich so nett wieder aufgenommen haben.“ Anderseits hatte sie den Traum vom eigenen Café trotz der Erfahrung nicht aus den Augen verloren. Zwar habe sie noch immer Bedenken gehabt, ob sie alles allein stemmen könnte: „Aber ich wusste, ich würde es immer bereuen, wenn ich es jetzt nicht riskiere.“

Glück mit Kunden und Kuchen

Seit August 2017 bietet die Inhaberin es Cafés am Reiterhof ihren Gästen donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr ein Auswahl selbstgebackener Kuchen und Torten. Samstags und sonntags gibt es bereits ab 9.30 Uhr Frühstück.  Auch eine Tagessuppe und Flammkuchen mit regionalen Zutaten will Olga Goldnik demnächst auf die Karte setzen.

„Ich habe viele Ideen und mir macht es unglaublich viel Spaß, mit meinen Gästen ins Gespräch zu kommen und ihnen eine schöne Zeit zu bereiten“, sagt die Café-Betreiberin. Klingt so, als hätte sie sich richtig entschieden? „Auf jeden Fall. Und ich bin darauf auch ein bisschen stolz, denn ich habe oft selbst nicht daran geglaubt, dass ich so mutig bin.  Aber jetzt habe ich mein eigenes Café und es macht mich glücklich.“