So gelingt gute Ausbildung

Anka Habel sitzt am Laptop an einem Tisch, Florian Könecke steht an ihrer linken Seite ebenfalls mit einem Laptop.
Foto: Andreas Tamme/Tonwert21.de
Florian Könecke, Ausbildungsleiter bei der Celle-Uelzen Netz GmbH, ist ebenso wie seine Kolleginnen und Kollegen in den Fachabteilungen jederzeit für Azubis wie Anika Habel ansprechbar.

Als Anika Habel in ihrem Vorstellungsgespräch einer Runde junger Menschen gegenüber saß, war die Abiturientin erst verwundert – und dann begeistert. „Ich habe mich so wohlgefühlt, dass ich mich sehr schnell für diesen Betrieb entschieden habe“, erzählt die 21-Jährige. Im dritten Lehrjahr angekommen, erweist sich die Wahl der Auszubildenden heute einmal mehr als richtig: Ihr Arbeitgeber, die Celle-Uelzen Netz GmbH, trägt seit kurzem das Siegel „TOP AUSBILDUNG“.

IHK-Siegel bescheinigt Top-Ausbildung

Das landesweit einheitliche Qualitätssiegel vergeben die Industrie- und Handelskammern in Niedersachsen an Unternehmen, die wichtige Kriterien rund um Ausbildungsmarketing und Recruiting, Start der Ausbildung, Organisation, Prüfung sowie Ausbildungsabschluss und Personalentwicklung erfüllen. In einem Audit müssen sie der Überprüfung durch unabhängige Juroren standhalten. Die Belohnung ist die Auszeichnung mit dem Siegel, mit dem die Unternehmen für sich als Ausbildungsbetrieb werben können.

Anika Habel stht mut der Schulter an die Metallwand des Firmengebäudes gelehnt, hinter ihr Paul Agergaard an ein Auto gelehnt. Sie sind rundum zufrieden mit ihrer Ausbildung bei der Celle-Uelzen Netz GmbH – auch in Corona-Zeiten: Anika Habel und Paul Agergaard.

Foto: Andreas Tamme/tonwert21.de

Anika Habel lernt bei der Celle-Uelzen Netz GmbH aus der SVO-Gruppe den Beruf der Industriekauffrau. „Es gibt einen Ablaufplan für die Azubis. Ich lerne sämtliche Abteilungen kennen, von der Buchhaltung über das Marketing bis zur Besichtigung von Baustellen und Beobachtung von Montagearbeiten“, sagt sie. „Ich kann immer jemanden ansprechen, es werden immer Lösungen gesucht und gefunden.“ Und wenn sie nach der Ausbildung berufsbegleitend studieren möchte, wird auch das möglich sein. Schließlich hat es ihr Vorgesetzter genauso gemacht. Florian Könecke hat bei Celle-Uelzen Netz erst Industriekaufmann gelernt und danach berufsbegleitend Betriebswirtschaftslehre studiert. Er ist der, der für Anika Habel immer ansprechbar ist. Er ist auch derjenige, der Anika Habel beim Vorstellungsgespräch mit seinem Alter so überraschte: Florian Könecke ist 30 Jahre jung und bei der Celle-Uelzen Netz seit mehr als drei Jahren verantwortlich für den Bereich Ausbildung.

„Wir begegnen unseren Auszubildenden auf Augenhöhe.“

Auf der Internetseite der Firma gibt es einen eigenen Bereich zu Ausbildung und Dualem Studium, Absolventinnen und Absolventen erzählen in Interviews von ihrer Ausbildung und geben Schülerinnen und Schülern Tipps. „Wir stecken dort viel Energie hinein“, sagt Könecke. „Das gilt auch für die sozialen Medien, wo wir zum Beispiel Interviews mit Azubis führen. Wir müssen uns schließlich gegenüber unseren Mitbewerbern beweisen.“ Im menschlichen Kontakt wichtig seien Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und Transparenz – gerade was die Perspektiven im Betrieb und nach der Ausbildung angeht. „Wir begegnen unseren Auszubildenden auf Augenhöhe“, sagt der Betriebswirt. „Sie gucken uns nicht über die Schulter, sondern gehen früh in die Verantwortung und Projektarbeit. Sie arbeiten mit echten Kunden und an echten Systemen.“ Ob angehende Industriekaufleute, Elektronikerinnen und Elektroniker oder Duale Studierende: In jedem Team, jeder Abteilung stehen den jungen Nachwuchskräften Ausbildungsbeauftragte zur Seite. „Alle machen das mit Herzblut“, sagt Könecke.

Azubis brauchen Perspektiven

Wie wichtig die weiteren Wege für die jungen Leute sind, macht auch Heidrun von Wieding deutlich. Sie ist bei unserer IHK Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) für das Siegel „TOP AUSBILDUNG“ verantwortlich. „Perspektiven zu bieten, ist für die Fachkräftebindung elementar. Gute Zukunftschancen und die Aussicht auf Übernahme gehören zu den Hauptgründen, nach denen Azubis Betriebe und Berufe auswählen“, sagt die Ausbildungsexpertin. „Während der Ausbildung ist es wichtig, immer wieder auf den Ausbildungsplan zu blicken: Die Auszubildenden wollen wissen, wo sie inhaltlich stehen. Auch die Beziehungsebene zählt: Die jungen Leute möchten feste Ansprechpartner haben und regelmäßig Feedback bekommen. Das gilt insbesondere auch für die Arbeit, die aufgrund von Corona zu Hause erledigt wird.“

Die jungen Leute möchten feste Ansprechpartner haben und regelmäßig Feedback bekommen.

Bei der Celle-Uelzen Netz GmbH wird seit der Corona-Krise jede und jeder Auszubildende technisch für die Arbeit zu Hause ausgestattet. Bei den Kaufleuten läuft vieles über Videokonferenzen, die Elektroniker lernen mit Trainingssoftware. Paul Agergaard, 21, zum Beispiel wird Elektroniker für Betriebstechnik und erzählt: „Wir können derzeit kaum auf Baustellen fahren und arbeiten daher viel in den Lehrwerkstätten und am Laptop.“ Schon vor der Pandemie hat der Betrieb den jungen Leuten sämtliches Material zur Verfügung gestellt oder erstattet, was für die Schule nötig ist. Jetzt gibt es für alle zusätzlich einen Laptop mit Zugang zum Firmennetzwerk.

Wie wichtig das ist, zeigt die aktuelle Azubi-Zufriedenheitsumfrage unserer IHKLW: Zwar ist die überwiegende Mehrheit der Auszubildenden mit dem Umgang ihrer Betriebe in der Corona-Krise insgesamt zufrieden, mehr als 60 Prozent der 2.600 Befragten gaben ihrem Betrieb die Note 1 oder 2. Aber: Jeder Fünfte besitzt keinen eigenen Laptop oder PC. Die nötigen Voraussetzungen für eine störungsfreie und zügige Kommunikation mit Betrieb und Schule sind also nicht überall gegeben.

Digitales Ausbildungsmarketing immer wichtiger

Gleichzeitig sind neue, digitale Wege der Kommunikation auch im Bereich Berufsorientierung und Ausbildungsmarketing immer wichtiger. Denn um sich beim Nachwuchs als guter Ausbildungsbetrieb zu positionieren, müssen Betriebe ohne die bekannten und bewährten Präsenzveranstaltungen den Kontakt zu Schülern und Schülerinnen suchen.

Unsere IHKLW setzt daher die Projekte zur Berufsorientierung online um, sagt Sönke Feldhusen, der als Leiter des IHKLW-Bereichs Menschen bilden auch das Thema Ausbildung verantwortet: „Ganz neu haben wir im vergangenen Jahr in Kooperation mit der Lüneburger DBL Marwitz GmbH ein Projekt für Online-Betriebsbesichtigungen gestartet, das wir in diesem Jahr mit weiteren Unternehmen ausbauen wollen.“

Zwei junge Menschen stehen vor einer Gruppe Eltern, im Hintergrund ist eiine Präsentation auf einer Leinwand zu sehen. IHKLW-Karrierebotschafter sind ausgelernte junge Fachkräfte, die Eltern als wichtige Zielgruppe der Berufsorientierung adressieren. Normalerweise bei Veranstaltungen in den Klassenzimmern, aber auch online.

Foto: ihklw/tonwert21.de

Viele IHKLW-Projekte, die bisher vor Ort in Schulen umgesetzt wurden, laufen dank der kreativen Ideen der teilnehmenden Unternehmen sehr gut digital – ganz gleich, ob Azubis als Ausbildungsbotschafter Schülerinnen und Schülern ihre Berufe vorstellen oder ausgelernte Fachkräfte als Praxisbotschafter vermitteln, wie ihnen der Schulstoff im späteren Berufsleben hilft. „Dazu schalten wir die Schülerinnen und Schüler jetzt beispielsweise über Zoom live ins Labor des Unternehmens und der Ausbilder erklärt anhand eines Experiments, wie die chemischen Eigenschaften einer Farbe das Ergebnis auf unterschiedlichen Materialien beeinflussen“, so Feldhusen.

Auch Eltern werden als wichtige Zielgruppe in der Berufsorientierung digital angesprochen: Bei Online-Elternabenden erzählen ausgelernte junge Fachkräfte als IHKLW-Karrierebotschafter über ihren beruflichen Werdegang und die weiteren Karrieremöglichkeiten. Feldhusen: „Gerade für Eltern bietet sich das digitale Format an, da die Teilnahme vom heimischen Rechner aus möglich ist und zudem viel Zeit spart.“

Nachdem voriges Jahr im Frühsommer zahlreiche Ausbildungsplätze nicht besetzt waren, hatte unsere IHKLW in enger Kooperation mit den regionalen Agenturen für Arbeit und der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade kurzfristig Online-Azubi-Speed-Datings entwickelt. Die nächsten Runden laufen vom 8. bis zum 17. Februar im gesamten IHKLW-Bezirk, mehr als 250 Unternehmen sind dabei. Die Gewinnung der Schüler über Arbeitsagenturen und Kammern läuft aktuell noch. Die Reaktionen auf die neuen Formate? Insgesamt sehr positiv, so Feldhusen: „Sowohl Unternehmen als auch Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler sind begeistert, was alles möglich ist. Ein Engpass ist aktuell manchmal noch die technische Umsetzung in den Schulen. Aber die gemeinsame Lernkurve ist steil.“