Ausbildung und Integration in Krisenzeiten

Ein junger und ein älterer Mann stehen in einer Werkstatt, der Jüngere schleift estwas an einem großen Metallstück ab, der Ältere blickt ihm dabei über die Schulter.
NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge / Markus Braumann
Die niedersächsische Nordluft Wärme- und Lüftungstechnik GmbH & Co. KG, hat bereits zwei Geflüchtete zur Fachkraft für Metalltechnik ausgebildet.

„Wir schaffen das!“ – Fünf Jahre ist es her, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel mit diesem Satz die deutsche Bevölkerung positiv auf die Integration von Geflüchteten einstimmte. Seitdem ist viel passiert. Integrations- und Sprachkurse sowie angepasste bürokratischen und rechtlichen Strukturen haben dazu geführt, dass die Zahlen zur Arbeitsmarktintegration positiv ausfielen: Rund die Hälfte der Geflüchteten, die seit 2013 nach Deutschland kamen, gingen fünf Jahre nach dem Zuzug einer Erwerbstätigkeit nach. Dieser positive Trend könnten sich durch die Ausbreitung der Corona-Pandemie ändern.

Die coronabedingten Einschränkungen treffen Geflüchtete am Arbeitsmarkt besonders hart, wie die Zahlen des Zuwanderungsmonitors des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für den Monat Juni belegen: Demnach entspricht die Veränderung der Arbeitslosigkeit seit März 2020 bei Personen mit einem ausländischen Pass 4,0 Prozent, bei Personen aus Kriegs- und Krisenländern sogar 13,5 Prozent und ist damit gut 5,2-mal so hoch im Vergleich zu Personen mit einer europäischen Staatsangehörigkeit, wo sie bei 2,6 Prozent liegt.

Auch mit Blick auf den Herbst stehen Geflüchtete und Unternehmen vor großen Herausforderungen. Weite Teile der Wirtschaft erwarten Umsatzeinbrüche, viele Betriebe kämpfen weiter um ihre Existenz. Diese Faktoren könnten auch die Bereitschaft der Unternehmen beeinflussen, Geflüchtete zu beschäftigen.

Tipps zur Ausbildung (von Geflüchteten) in Krisenzeiten

Das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge möchte gerade jetzt Unternehmen motivieren, die Zielgruppe Geflüchtete nicht aus den Augen zu verlieren. Denn wer sich schon heute für eine internationale Arbeits- und Fachkräfte öffnet, gewinnt Kenntnisse und Fähigkeiten, die in unserer globalisierten Welt immer bedeutender werden. Wir stellen Ideen vor, wie Betriebe auch in Krisenzeiten ihr Engagement für Vielfalt (und die Ausbildung im Allgemeinen) aufrechterhalten können.

IHK-Willkommenslotse berät

IHKLW-Willkommenslotse Kamel Muhammad berät Unternehmen zur erfolgreichen Integration von Flüchtlingen. Er gibt Hilfestellung beim Übergang in Praktikum, Einstiegsqualifizierung, Ausbildung und Beschäftigung und begleitet Betriebe und Geflüchtete auch während des Beschäftigungsverhältnisses. Zu erreichen ist er unter Tel. 04131 742-199, ausführliche Informationen für Unternehmen zur Integration von Geflüchteten bündelt unsere IHKLW unter ihk-lueneburg.de/fluechtlinge.

Digitale Angebote nutzen

Die Kontaktbeschränkungen schlagen sich in der Bewerbersuche und der Möglichkeit, Auswahlgespräche zu führen, nieder. Wie viele IHKs bietet auch unsere IHK Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) Online-Azubi-Speed-Datings an. An den ersten Terminen im Juli in Kooperation mit den regionalen Arbeitsagenturen haben 74 Unternehmen und 63 junge Menschen teilgenommen, weitere Termine sind im Herbst geplant. Auch die Ausbildungskampagne Moin Future wirbt unter anderem über Instagram für eine Ausbildung in der Region und informiert über Berufsbilder, freie Ausbildungsplätze und bietet auch regionalen Arbeitgebern Möglichkeiten, sich als guter Ausbildungsbetrieb zu positionieren

Azubi-Sharing als Chance 

Die Verbundausbildung oder das Azubi-Sharing sind weitere Möglichkeiten, die Ausbildung trotz mangelnder Auftragslage fortzusetzen. Dabei geben Ausbildungsbetriebe ihre Auszubildenden vorübergehend an einen anderen Betrieb ab oder bilden gemeinsam im Wechsel aus. Eine weitere Möglichkeit zur Reduzierung der finanziellen Belastung für Ausbildungsbetriebe und zum Erhalt des Ausbildungsplatzes kann die Teilzeitberufsausbildung sein. Hierbei kann die Arbeitszeit um bis zu 50 Prozent verkürzt werden. Für Unternehmen, die die Auswirkungen der Krise noch nicht absehen können, bietet dieses Modell die Chance, mit zunehmender Stabilisierung der Auftragslage die Stunden wieder zu erhöhen. Die IHKLW-Ausbildungsberater und IHKLW-Willkommenslotse Kamel Muhammad informieren Unternehmen über alle Möglichkeiten der Ausbildung auch in Krisenzeiten

Weiterbildung & Sprache

Für den Fall, dass Unternehmen ihre Mitarbeitenden mit Migrations- oder Fluchthintergrund in Kurzarbeit schicken müssen oder Berufsschulen geschlossen werden, kann die zusätzliche freie Zeit auch für den Spracherwerb genutzt werden. Volkshochschulen, das Goethe-Institut oder die Deutsche Welle bieten etwa kostenlose Online-Sprachangebote an. Hilfreich wäre es, wenn Unternehmen auch mit der technischen Ausstattung unterstützen, denn oftmals fehlt Geflüchteten das technische Equipment, um diese Angebote nutzen zu können. Darüber hinaus hat das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge mit verschiedenen Partnern kostenlose Vokabelflyer entwickelt, die wichtige deutsche Begriffe in die Sprachen Englisch, Arabisch, Farsi und Tigrinya übersetzen. Verfügbar für die Branchen Lager/LogistikGastronomie, Hotellerie und TouristikPflegeHandel und allgemeine Gefahrenzeichen.

Ausbildungsprämie sichern

Insgesamt 500 Millionen Euro stellt der Bund mit dem Programm „Ausbildungsplätze sichern“ bereit, davon können 410 Millionen Euro für die Maßnahmen der ersten Förderrichtlinie eingesetzt werden. Die Ausbildungsprämie unterstützt Betriebe mit bis zu 249 Mitarbeitern, die als Folge der Corona-Krise Kurzarbeit oder erhebliche Umsatzrückgänge verzeichnet haben. Für jeden Ausbildungsplatz, den diese Unternehmen zum Ausbildungsstart 2020 besetzen, erhalten sie 2.000 Euro, für neu geschaffene Ausbildungsplätze sogar 3.000 Euro. Außerdem gibt es Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung, wenn der Ausbildungsbetrieb Auszubildende und Ausbilder nicht mit in Kurzarbeit schickt. Ebenfalls gefördert werden Unternehmen, die Auszubildende aus insolventen Betrieben übernehmen, und Verbundlösungen, in denen Ausbildungsdienstleister oder Ausbildungsbetriebe temporär die Ausbildung für notleidende Betriebe übernehmen.

Anträge können Unternehmen ab sofort über die Arbeitsagenturen stellen. Die Antragsunterlagen sind ab sofort unter www.arbeitsagentur.de zu finden, Fragen beantwortet der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagenturen vor Ort unter der Rufnummer 0800 4 5555 20.

Der „Aktionsplan Ausbildung“ des Landes Niedersachsen ergänzt die Förderungen mit weiteren 18 Millionen Euro und berücksichtigt neben den Unternehmen mit einer Mobilitätsprämie auch die Auszubildenden. Darüber hinaus soll eine Vermittlungsoffensive helfen, noch freie Plätze zu besetzen. Der Start des Programms ist für September geplant.

Kostenfreies Webinar für Unternehmen am 26. August

Für wen welche Förderung infrage kommt und was Unternehmen bei der Antragstellung beachten müssen, erklären die Experten der IHKLW und der regionalen Arbeitsagenturen beim digitalen IHKLW-Expertentipp „Schutzschirm für Ausbildung – Prämien sichern“ am Mittwoch, 26. August, 14 bis 15.30 Uhr. Die Teilnahme an dem Zoom-Webinar ist kostenfrei, eine Anmeldung ist erforderlich unter ihklw.de/schutzschirm.

Ansprechpartnerin rund um organisatorische Fragen ist Wiebke Wenzel, Tel. 04131 742-139. Weitere Informationen zu den Ausbildungs-Förderprogrammen bündelt unsere IHKLW unter ihk-lueneburg.de/schutzschirm.