Ausflugsziel Autokauf

Porträt Alexander Thieme, der zwischen Autos steht.
Foto: Autohaus Thieme
Geschäftsführer Alexander Thieme führt heute das Autohaus, das sein Großvater vor 76 Jahren gegründet hat.

Was macht ein Mechaniker für Flugzeugmotoren, den der Krieg auf das platte Land verschlägt? In der Familie Thieme war die Antwort immer klar: Man eröffnet ein Geschäft. So hatten es die Vorfahren mit einer Brauerei in Ostpreußen gemacht, so machte es Theodor Thieme nach seiner Flucht in Suhlendorf bei Uelzen.

Historische Ansicht zeigt ein Gebäude auf sandiger Fläche. So sah der Firmenstandort in Suhlendorf in den 50er-Jahren aus.

Während das Deutsche Reich unterging, eröffnete Thieme im Mai 1945 seine eigene Werkstatt in einem Dorf, in dem er kaum jemanden kannte. Sehr schnell aber kannten alle ihn. „Mein Großvater war ein Riesen-Kommunikator“, sagt Geschäftsführer Alexander Thieme voller Respekt, „er konnte einfach gut mit Menschen umgehen.“ Aus der Werkstatt, in der Thieme zuerst notdürftig Fahrräder zusammenschraubte, später Mopeds reparierte und bei Bedarf auch Schuhe besohlte, ist ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitern geworden: Das Autohaus Thieme ist heute einer der führenden Händler für EU-Neufahrzeuge im norddeutschen Raum.

Autos der Marken VW und Skoda

Wer heute ahnungslos nach Suhlendorf kommt, dürfte sich wundern: Dicht an dicht stehen nagelneue VW, Skoda und Fahrzeuge weiterer Marken auf dem Firmengelände. Die meisten Besucher aber kommen nicht ahnungslos. Sie reisen aus der ganzen Republik an, um ihr neues Auto abzuholen. Bestellt haben sie es über eines der gängigen Internetportale für den Autokauf. Die individuell konfigurierten Fahrzeuge importiert Thieme aus Südosteuropa und den baltischen Staaten. Vorteil für die Kunden: Gegenüber dem Listenpreis sind die Import-Autos deutlich günstiger.

Dass der Kauf eines fabrikneuen Autos für die meisten Menschen immer noch ein besonderer Moment ist, weiß Thieme: „Deshalb zelebrieren wir die Übergabe ein bisschen.“ Wer mit dem Taxi vom Bahnhof abgeholt wird, dann beim Kaffee auf der Terrasse ins Grüne guckt und schließlich den Autoschlüssel mit einer Flasche Sekt überreicht bekommt, der genießt den Autokauf als schönen Ausflug. „Das erwarten die Leute in der Regel nicht. Wir sind eben kein steriler Glaspalast, in dem man nur eine Nummer ist. Wir waren schon immer authentisch, familiär und ehrlich.“

Gute Bewertungen von Kunden im Netz

Wie sehr Kunden neben der Seriosität und Verlässlichkeit den Service schätzen, spiegelt sich nicht nur in der hohen Zahl positiver Bewertungen im Netz, sondern auch an der Referenzbereitschaft zufriedener Kunden. „Das hat sich verselbständigt“, sagt Thieme und schmunzelt: „Es gibt mittlerweile Orte, wo ganze Straßenzüge mit Thieme-Autos bestückt sind. Da muss man gar nicht die Werbetrommel rühren.“ Heute werden rund 2.000 Fahrzeuge jährlich an Endkunden übergeben.

Das Team des Autohauses Thieme steht auf dem Gelände des Autohauses. Verschiedene Autos und ein gebäude sind auch auf dem Bild. Das Autohaus Thieme hat im Mai 2021 seinen 76 Geburtstag gefeiert.

Foto: Autohaus Thieme

Entwickelt wurde das Geschäftsmodell von Seniorchef Ulrich Thieme. Der Kfz-Meister und sein Bruder Christian hatten die Werkstatt um eine Tankstelle, ein Lackierzentrum und einen Gebrauchtwagenhandel erweitert. 1998 startete das Import-Geschäft mit Fahrzeugen aus Tschechien. „Das war wegen des Zolls und der Wechselkurse damals noch hochkompliziert“, sagt Alexander Thieme, mit dem nun die dritte Generation am Ruder ist.

Das Autohaus Thieme ist ein Familienunternehmen

Seit der Autohandel sich stärker ins Internet verlagert hat, muss sich Thieme hier zwar der Konkurrenz vieler freier Händler stellen, kann aber neben dem guten Preis auch mit seinen über viele Jahre gewachsenen Geschäftsbeziehungen punkten.  „Die extreme Zuverlässigkeit, was Logistik und Abnahme angeht, war und ist unser Erfolgskonzept. Wir können uns auf funktionierende Prozesse mit unseren Geschäftspartnern im Ausland verlassen“, sagt der studierte Diplom-Kaufmann. Er selbst hatte lange gezögert, bevor er 2005 in das Familienunternehmen einstieg. Schuld sei wohl das „Unternehmer-Gen“, sagt der 43-Jährige: „Im Angestellten-Dasein habe ich das freie Entscheiden vermisst.“

Während Ulrich Thieme weiter für den Verkauf zuständig ist, verantwortet Sohn Alexander den Bereich Einkauf. Werkstatt und Vertrieb sind mittlerweile am zweiten Standort in Uelzen ansässig. Hier blickt Thieme trotz Krise zuversichtlich nach vorn: „Die Branche wird sich dramatisch verändern“, sagt er und fügt an: „Wir werden also unser Geschäftsmodell immer wieder anpassen und damit auch die Zukunft unserer Mitarbeiter absichern.“ Ganz der Großvater also.