Azubis werben Azubis

Ein 22-Jähriger schreibt das Wort Ausbildungsbotschafter auf eine Metaplanwand, wendet sich dabei dem Betrachter zu und lächelt in die Kamera.
Foto: tonwert21.de
Jan-Ole Deimling macht eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann und ist als IHK-Ausbildungsbotschafter in Schulen unterwegs.

Für zwei Ausbildungsbotschafter war der Einsatz an der Oberschule Celle I quasi ein Heimspiel: Michelle Höflich, die beim Fairkauf-Center in Celle Kauffrau im Einzelhandel lernt, und Jonas Pachnike, Azubi zum Zerspanungsmechaniker bei Rheinmetall, haben hier erst vor wenigen Jahren ihren Abschluss gemacht. Diese Nähe zu den Schülern sei bezeichnend für die IHK-Initiative Ausbildungsbotschafter, sagt Stefan Nees, IHK-Berater Berufsorientierung: „Die Azubis schildern ihre persönlichen Erfahrungen während der Ausbildung und geben so authentische Einblicke in den Berufsalltag.“

Die Berufsorientierung auf Augenhöhe sei besonders spannend für die Schülerinnen und Schüler, sagt Lehrer Sebastian Schrenk. „Die Schüler erfahren so auf glaubwürdige Weise, was während der Ausbildung auf sie zukommt.“

Lehrer und Unternehmensvertreter haben sich auf einer Treppe für ein Gruppenfoto ausgestellt. Berufsorientierung ist Teamarbeit an der Oberschule Celle I.

Foto: OBS Celle I

Schrenk ist Beauftragter für Berufsorientierung an der Oberschule Celle I, die zahlreiche Angebote umsetzt: Neben den IHK-Ausbildungsbotschaftern gibt es etwa einen Ausbildungstag, an dem sich mehr als 50 Betriebe in der Schule vorstellen, alle vier Wochen bietet eine Beraterin der Arbeitsagentur Gespräche zur Berufsberatung an und zusätzlich zu den regulären Praktika in den Jahrgängen acht und neun können die Zehntklässler ein freiwilliges Praktikum absolvieren – beispielsweise, wenn die Schüler bereits einen Ausbildungsvertrag in Aussicht haben, aber nochmal zum Probearbeiten eingeladen werden. 

Die Schüler wünschen sich eine sichere Zukunftsperspektive.

Viele Maßnahmen also, die Schule und Wirtschaft ergreifen, um jungen Menschen eine Perspektive zu bieten. Und um der Tatsache entgegen zu steuern, dass es Betrieben an qualifiziertem Nachwuchs fehlt. Allein ein Drittel der Mitgliedsbetriebe unserer IHK Lüneburg-Wolfsburg können nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. „Die Botschaft, dass die Schüler in den Unternehmen gebraucht werden, kommt noch nicht deutlich genug an“, vermutet Schrenk. „Die Schüler wünschen sich eine sichere Zukunftsperspektive.“ Und statt den unsicheren, weil unbekannten Weg einer beruflichen Ausbildung einzuschlagen, ziehe es viele Absolventen zunächst an weiterführenden Schulen. 

Der Leitgedanke von modernem Ausbildungsmarketing sollte daher Transparenz sein, sagt IHK-Berufsorientierungsexperte Nees: „Unternehmen sollten den Schülern ein möglichst klares Bild dessen vermitteln, was sie während der Ausbildung erwartet. Und mit ein bisschen Vorbereitung gelingt das den jungen Ausbildungsbotschaftern besonders gut.“ Obendrein seien die Präsentationen vor den Schülern auch für die Azubis eine tolle Gelegenheit, sich weiter zu entwickeln, sagt Nees: „Dafür schult unsere IHK sie in Sachen Kommunikation und Präsentationstechniken.“

Der Leitgedanke von modernem Ausbildungsmarketing sollte daher Transparenz sein.

Die IHK-Initiative Ausbildungsbotschafter hat im vergangenen Jahr rund 3.500 Schülerinnen und Schüler bei der Berufswahl unterstützt und ihnen die Ausbildungsbetriebe der Region vorgestellt. „Ein toller Erfolg ist, dass uns viele teilnehmenden Betriebe berichten, dass sich Schüler nach den Ausbildungsbotschafter-Einsätzen wegen eines Praktikums oder einer Ausbildung bei Ihnen gemeldet haben“, sagt Stefan Nees. „Wir haben aktuell sogar mehrere Ausbildungsbotschafter im Einsatz, denen selbst ein Ausbildungsbotschafter den entscheidenden Impuls bei der Berufswahl gegeben hat.“

Aktuell setzen in unserem IHK-Bezirk 72 Unternehmen an 29 Kooperationsschulen Azubis als Ausbildungsbotschafter ein. Im Frühjahr 2019 können sich weitere Betriebe beteiligen.

Weitere Informationen zur IHK-Initiative Ausbildungsbotschafter und zur Teilnahme gibt es bei Nele Uhl, 04131 742-164, uhl@lueneburg.ihk.de, und Stefan Nees, 05141 9196-16, nees@lueneburg.ihk.de.