Bad Bevensen blickt in die Zukunft

Gerhard Kreutz (l.) und Gabriele Meyer gehen zusammen durch die Fußgängerzone in Bad Bevensen.
Foto: tonwert21.de
Arbeiten gemeinsam an ihrer Vision eines nachhaltigen, kreativen und vielseitigen Lebens-, Wirtschafts-, und Tourismusstandort Bad Bevensen: Marketing-Chef Gerhard Kreutz und Bürgermeisterin Gabriele Meyer.

Die Zukunftsperspektive Bad Bevensens umfasst 48 Seiten. Leben, Wirtschaft und Tourismus – jeden Bereich hat die Bad Bevensen Marketing GmbH (BBM) im Auftrag der Stadt genau analysiert und Entwicklungsziele bis 2030 formuliert. Ebenso wie eine Vision: Bad Bevensen ist ein nachhaltiger, kreativer und vielseitiger Lebens-, Wirtschafts-, und Tourismusstandort für alle Altersgruppen in der Metropolregion Hamburg.

Bad Bevensen boomt

Das Plaket mit der Aufschrift "We love Bad Bevensen" zeigt die Heide-Kartoffelkönigin. Die junge Frau ist königlich gekleidet und trägt eine Scherpe. Die Kampagne „We love Bad Bevensen“soll Image des Kurorts als Tourismusstandort und die Identifikation der Menschen mit ihrer Heimat stärken.

Plakat: Bad Bevensen Marketing GmbH

„Wir sind auf einem sehr guten Weg, Bad Bevensen boomt“, sagt Gerhard Kreutz, Geschäftsführer der Bad Bevensen Marketing GmbH. „Der Dreiklang Gesundheit, Wellness und Natur zieht jährlich mehr als 600.000 Tagesgäste an, wir zählen inklusive der Kurkliniken mehr als 500.000 Übernachtungen pro Jahr.“ Insgesamt führt die Bad Bevensen Marketing GmbH knapp 80 Millionen Euro Bruttoumsatz in dem Kurort auf den Tourismus zurück. Davon wiederum profitieren das Gastgewerbe mit rund 41, 2 Millionen Euro, der Einzelhandel mit einem Anteil von 13,5 Millionen Euro und die Dienstleistungsbranche mit etwa 24,7 Millionen Euro. „Für einen Ort der Größe Bad Bevensens ist das der Wahnsinn“, sagt Kreutz. Der Tourismus sei ein entscheidender Wirtschaftsfaktor: „Deshalb gehen Stadtentwicklung und Tourismus bei uns Hand in Hand – so wie bei der aktuellen Kampagne ,We love Bad Bevensen‘.“

Weil die Touristen und Kurgäste ihnen Arbeitsplätze sichern und über die Gewerbesteuern der Unternehmen auch Investitionen in die Infrastruktur ermöglichen, profitieren schließlich auch die Einwohner. Auch das jährliche Veranstaltungsprogramm mit Führungen, Gesundheitsangeboten, Festen, Märkten, Konzerten und Vorträgen steigere die Lebensqualität für Gäste wie für Einheimische. „Wir nutzen unsere überregionale bekannte Kompetenz als Gesundheitsstandort, um auch als Wohn- und Arbeitsort an Attraktivität zu gewinnen“, sagt Kreutz.

Maskottchen und Botschafter: das Eichhörnchen Hans-Hermann

Ein Beispiel dafür ist die Kunst-Aktion rund um das Eichhörnchen Hans-Hermann. Um noch mehr Gäste zu gewinnen und auch für Hingucker beim Einkaufen und Verweilen zu sorgen, hat die Bad Bevensen Marketing im vergangenen Jahr Eichhörnchen-Skulpturen aus Holz anfertigen lassen. Geschäftsleute, Künstler und Kinder haben die Eichhörnchen bemalt, unter dem Motto „Bad Bevensen: Tierisch gut!“ waren von Frühjahr bis Herbst mehr als 90 dieser Botschafter im ganzen Ort zu finden. Die Aktion wurde von einer Reihe von Veranstaltungen begleitet: Vom Naturmarkt über Skulpturensägen und Malwettbewerbe für Kinder bis hin zur Geocachingtour und einem Einkaufspass der teilnehmenden Geschäfte.

Christine Lohmann mit einer Holzfigut des Eichhörnchens Hans-Hermann. Das Eichhörnchen Hans-Hermann aus dem Bad Bevenser Kurpark gibt es nicht nur als Holzfigur, Christine Lohmann verkauft in der Tourist-Info auch viele Hans-Hermann-Souvenirs.

Foto: tonwert21.de

„Hans-Hermann hat bis heute eine eigene Facebook-Seite und preist bei als Maskottchen Bad Bevensens seinen knapp 4.000 Fans regelmäßig die schönsten Seiten seines Heimatortes an“ sagt Gerhard Kreutz schmunzelnd. Und wer so beliebt ist wie Hans-Hermann, braucht auch seine eigenen Souvenirs: „Ob Tasse, Regenschirm, Fahrradklingel oder kuscheliges Plüschtier – unser Eichhörnchen ziert die unterschiedlichsten Produkte. Auch Handel und Gastronomie nutzen die Figuren zur eigenen Vermarktung. So gibt es zum Beispiel Hans-Hermann Pralinen.“

Überzeugt hat das Konzept auch die Jury IHK-Wettbewerb „Gemeinsam aktiv – Handel(n) vor Ort“, die Bad Bevensen 2019 mit einem dritten Platz auszeichnete. Begründung: der stationäre Einzelhandel wurde gestärkt, der Zusammenhalt in der Gemeinde gefördert und die Versorgung im ländlichen Raum gesichert.

Vielleicht sind all das auch Gründe für die positive Entwicklung der Einwohnerzahlen: Während die Menschen aus vielen anderen Kleinstädten abwandern, zählt Bad Bevensen heute mit 9.692 Einwohnern rund zehn Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Allerdings fällt das Durchschnittsalter mit rund 52 Jahren im Vergleich zum Bundesdurchschnitt mit 44 Jahren leicht erhöht aus, die 60- bis 80-Jährigen machen den größten Teil der Einwohner aus, Zuzüge kommen hauptsächlich aus der Altersgruppe der 45- 70-Jährigen.

Die Stadt will gegensteuern und Bad Bevensen als idealen Lebensort für junge Familien positionieren. „Wie lebenswert unsere kleine Stadt mit bezahlbarem Wohnraum innerhalb der Metropolregion Hamburg heute bereits ist, lässt die riesengroße Nachfrage nach Bauplätzen und Wohnungen auch jetzt schon erkennen“, sagt Bürgermeisterin Gabriele Meyer. Für die Zukunft skizziert sie das Bild einer „barrierefreien, florierenden Innenstadt mit inhabergeführten kleinen und feinen Geschäften, Cafés und Wochenmarkt, die unsere Gäste und Bürgerinnen jeden Alters zum Bummeln und shoppen einlädt.“

Potenzial für moderne, regionale Gastronomie

Gabriele Meyer, Bürgermeisterin in Bad Bevensen, und Gerhard Kreutz auf dem Wochenmarkt. Gabriele Meyer, Bürgermeisterin in Bad Bevensen, und Gerhard Kreutz auf dem Wochenmarkt, für den aktuell ein neues Konzept ausgearbeitet wird.

Foto: tonwert21.de

Schon heute pendeln mehr Menschen zum Einkaufen nach Bad Bevensen hinein als hinaus, es gibt nur wenig Leerstände. Die Analyse für das Stadtentwicklungskonzept erkennt allerdings im gastronomischen Angebot noch Potenzial für eine moderne, regionale Ausrichtung und innovative Konzepte.

Genau in diese Lücke passt die Konditorei und Patisserie von Sven Dobosi. Im Tortenbakker verwöhnen er und Konditormeisterin Neele Lüchow seit März 2020 ihre Gäste mit handgemachten Torten und anderen süßen Versuchungen. Dobosi, der zuvor bereits 15 Jahre ein eigenes Café in Lüneburg betrieben hat, begründet den Standortwechsel: „Ich hatte keine Lust mehr auf die teuren Mieten in Lüneburg und habe daher nach einer Alternative gesucht – die ich in Bad Bevensen gefunden habe.“

Die moderaten Gewerbemieten sind auch ein Punkt, den die Stadtverwaltung in ihrer Analyse als Stärke erkannt hat. Um noch mehr individuelle Geschäfte anzulocken plant die Stadt unter anderem ein Unternehmensnetzwerk zu schaffen, den Innenstadtbereich zu verschönern und die Schlüsselbranchen Tourismus und Gesundheit noch besser zu vermarkten. So zufrieden Gerhard Kreutz mit der Entwicklung der letzten Jahre auch ist, er weiß ebenso: „Wir haben noch einiges zu tun – zum Glück aber auch jede Menge Ideen.“