Baggern für Landschaft und Natur

Geschäftsführerin Kirsten Schulze mit ihrer Mutter vor de Firmengebäude
Foto: tonwert21.de
Inhaberin und Geschäftsführerin Kirsten Schulze und ihre Mutter Inge feiern gemeinsam das 125-jährige Firmenjubiläum.

Das kleine Flüsschen Erse hat sein Bett zurück. Längst nicht mehr benötigte Wehre wurden zurückgebaut, Findlinge ins Wasser gesetzt und Kies am Ufer verteilt. „Wir haben die alte Bachstruktur wiederhergestellt“, sagt Kirsten Schulze. „Die Fische nehmen das gerne an. In kurzer Zeit entsteht ein ganz neuer Artenreichtum, das ist immer wieder erstaunlich.“

Seit vier Generationen in Familienhand

Auf Renaturierungsmaßnahmen wie diese ist das Unternehmen Otto Schulze  spezialisiert. Außerdem gehören Aushub und Pflege von wasserführenden Gräben zu den Schwerpunkten. Und auch mit Bodenarbeiten in der Forstwirtschaft ist der Betrieb vertraut. „Wir sind eben die mit den Baggern“, fasst Schulze scherzhaft zusammen. Die 50-Jährige Ingenieurin führt in vierter Generation ein Familienunternehmen, zu dem heute zehn Mitarbeiter und ein moderner Maschinenpark gehören.

Was die Familie Schulze von jeher auszeichnete, ist tatsächlich ein Faible für Maschinen. Die Wurzeln liegen in der Landwirtschaft. Firmengründer Friedrich Schulze hatte sich 1896 eine Getreidemühle gekauft. Dazu fuhr er mit einer der ersten Dreschmaschinen über Land und drosch Getreide. Sein Sohn legte sich noch ein Sägewerk zu und begann mit Holzrückearbeiten. Und Otto Schulze kaufte den ersten Mähdrescher weit und breit: „Die Bauern waren anfangs sicher, dass so eine Maschine nicht funktionieren kann“, sagt Kirstin Schulze lachend. Doch ihr Vater hat die Landwirte schnell überzeugt – und bekam Aufträge für Lohnarbeiten, die er neben dem Betrieb des eigenen Hofes erledigte. Als Otto Schulze 1976 plötzlich verstarb, erbte Kirsten Schulze mit sieben Jahren Hof und Betrieb. „Es war immer klar, dass ich hier einsteigen würde“, sagt sie, „ich fand das auch nie schlimm.“ Zum Glück war Mutter Inge Schulze zur Stelle und managte das Unternehmen, bis die Tochter nach dem Studium der Gewässerwirtschaft im Jahr 2000 das Ruder übernahm.

Naturschutz gehört zum Geschäft

Feucht war der Boden in der Region schon immer. Um das Land urbar zu machen, wurden einst Moore trockengelegt und Gräben wie mit dem Lineal durch die flache Landschaft gezogen. Es passt, dass Otto Schulze auch der erste war, der einen Bagger anschaffte und der mühsamen Schaufelei per Hand ein Ende setzte. Die Gräben sind auch heute noch unverzichtbar, aber die Sicht auf die Natur eine andere, sagt Schulze: „Es wird sehr genau zwischen Zweckmäßigkeit und Naturschutz abgewogen. Früher wurden die Gräben ganz sauber geputzt, heute gibt es strenge Vorgaben.“ Wie tief gebaggert, welche Seite gemäht und welche Zonen tabu sind – die Eingriffe in die Natur werden auf ein Minimum beschränkt.

Gute Aussichten nach schwierigem Start

Zu Schulzes Kunden zählen vor allem Wasser- und Bodenverbände sowie Kommunen. Das hat nicht nur Vorteile. Als während der Wirtschaftskrise die öffentlichen Kassen leer waren, spürte die frisch eingestiegene Firmenchefin das sofort: „Bei Naturschutzmaßnahmen wird zuerst gespart. Meine ersten Jahre waren wirklich hart, aber dadurch habe ich auch viel gelernt.“ Heute bescheren Förderprogramme und neue gesetzliche Vorgaben dem Unternehmen Aufträge. Als Beispiel nennt Schulze die EU-Wasserrahmenrichtlinie: „Sie fordert einen bestimmten Qualitätsstandard für alle Fließgewässer. Damit sind wir in Deutschland noch lange nicht durch.“

Zudem ist die Ingenieurin überzeugt, dass mit dem Klimawandel nahezu alle Gewässer noch viel stärker in den Fokus rücken werden. „Der Umgang mit Starkregen, die Verhinderung von Überschwemmungen – das sind die wichtigen Projekte.“ Ihre Bagger werden weiter gebraucht, ist Schulze sicher: „Da wird noch viel passieren – einfach, weil´s nötig ist.“