Bücher bieten Orientierung

Porträt Jessica Schultka
Foto: wege/tonwert21.de
Jessica Schultka leitet den Advent-Verlag, der am 1. September sein 125-jähriges Bestehen feiert. Als Saatkorn-Verlag der Adventisten 1895 in Hamburg gegründet, zog der Verlag 1994 nach Lüneburg.

Ihre Liebe zu Büchern ist fast so alt wie sie selbst. „Ich habe mir mit vier Jahren das Lesen selbst beigebracht“, sagt Jessica Schultka und lacht. „Das war für meine Eltern eine Herausforderung. Sie mussten mir ständig neuen Lesestoff besorgen.“ Es passt also, dass die 35-Jährige heute einen Buch- und Zeitschriftenverlag leitet – den Advent-Verlag in Lüneburg. Allerdings kommt die Buchliebhaberin beruflich aus einer anderen Ecke: Sie ist Pastorin in der evangelischen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Das erklärt auch den Namen des Verlags. Er verlegt geistlich-theologische Literatur in Form von Büchern und Zeitschriften. Schultka umschreibt das so: „Wir wollen Menschen Orientierung in Sinn- und Lebensfragen geben, sie im Glauben ermutigen und begleiten.“

Aus Saatkorn-Verlag wird Advent-Verlag

Gruppenfoto des Teams mit zwei Frauen und drei Männern. Das Team des Advent-Verlags (v.l.): Jessica Schultka, Andre Trofimov, Sabine Resch,
Dieter Neef und Johannes Naether.

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Die Freikirche, zu der in Deutschland rund 30.000 Mitglieder zählen, hat ihre Wurzeln in der christlichen Erweckungsbewegung und wurde 1863 in den USA gegründet. Missionare brachten die Botschaft nach Europa, wo 1895 in Hamburg der Saatkorn-Verlag der Adventisten gegründet wurde. Besonders erfolgreich auch außerhalb der Kirche waren dessen Gesundheitsratgeber und Kinderbücher, die im Direktvertrieb über Buchberater an die Kundschaft gelangten. Das Konzept Haustürverkauf funktionierte aber mit den Jahren immer schlechter und wurde schließlich aufgegeben. Als der Verlag 1994 nach Lüneburg umzog, firmierte er hier unter dem neuen Namen Advent-Verlag und konzentrierte sich hauptsächlich auf die kirchliche Leserschaft.

Der Verlag setzt auf seinen Leserkreis und digitale Wege

Doch auch die gilt es zu halten, zumal sich das Unternehmen finanziell selbst tragen muss, also keine Spendengelder erhält. Ein bewährtes System ist der „Leserkreis“, eine Art Buchclub, dessen rund 1.000 Mitglieder für einen festen Jahresbeitrag neu erschienene Bücher beziehen. „Das sind unsere treuesten Unterstützer“, sagt Schultka. Eine Mindestauflage werde so für Werke garantiert, deren Druck sonst unwirtschaftlich wäre.

Als sie vor vier Jahren die Leitung übernahm und dazu weitere Mitarbeiter das 16-köpfige Team verjüngten, sei das ein Einschnitt in der Verlagsgeschichte gewesen. „Es war eine strategische Entscheidung unserer Kirchenleitung, die in puncto jüngere Menschen und Frauen in Führungspositionen noch viel unausgeschöpftes Potenzial hat. Als junges Team wollen wir wieder jüngere Leser gewinnen und den Verlag zeitgemäß aufstellen.“

Kein leichtes Unterfangen für einen Sparten-Verlag im Digitalzeitalter. Erste Schritte waren ein Relaunch des Internet-Auftritts und die Überarbeitung des Online-Shops. Seither steigen hier die Verkäufe, auch wenn die meisten Kunden immer noch telefonisch bestellen.

Besondere Bibel zählen zu den Bestsellern

Und die Inhalte? Mit monatlich 20.000 Exemplaren bildet die Zeitschrift „Adventisten heute“ traditionell ein wichtiges Standbein. Dazu kommen jährlich 15 bis 20 Neuerscheinungen. Zu den Bestsellern zählt das jährliche Andachtsbuch. Und natürlich gehört die Bibel zum Portfolio: „Die besonderen Bibel-Ausgaben sind beliebt“, so Schultka, „etwa unsere robuste Pfadfinderbibel.“    

Seit Kurzem ist der Verlag auch beim Internet-Händler Amazon mit einigen Titeln präsent, sagt die Verlagsleiterin: „Das steigert unsere Bekanntheit, denn langfristig möchten wir andere Zielgruppen erschließen.“

Lesestoff auch für Kinder

Auch wenn es etliche Verlagstitel bereits zum Download aus dem Internet gibt, glaubt die Leiterin fest an die Zukunft des gedruckten Buchs. „Wer das Erlebnis Lesen haben will, der kauft sich ein Buch.“ Und ganz so wie damals ihre Eltern kümmert sich die Verlagsleiterin heute um neuen Lesestoff für Kinder: Erstmals gibt der Advent-Verlag wieder ein Kinderbuch heraus – „mein Herzensprojekt“ nennt Schultka es. Der Titel: „Lieber Gott, ich muss dir was erzählen.“