Butter bei die Fische, Wendelin Göbel!

Porträt von Wendelin Göbel
Foto: Matthias Leitzke
Wendelin Goebel ist seit Dezember 2020 Vizepräsident unserer IHK Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW).

Herr Göbel, Sie vertreten als Nachfolger von Julius von Ingelheim die Volkswagen AG im Präsidium unserer IHKLW. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Was ich an der IHK sehr spannend finde ist, dass sich Unternehmen unterschiedlichster Größen und Branchen austauschen, vonein­ander lernen und die Wirtschafts- und Lebensregion mitgestalten können. Ich freue mich darauf, als Vertreter der Volkswagen AG in der IHKLW und in der Region Wolfsburg-Lüneburg Verantwortung zu übernehmen. Was mir ganz, ganz wichtig ist: das Thema Zusammenarbeit. Elementar dafür ist, dass man nicht übereinander redet, sondern miteinander. Dass man sich Zeit nimmt, sich in die Situation des anderen hineinzudenken, um zu verstehen und dann gemeinsam Dinge voranzutreiben. Das gilt auch für das Zusammenwirken von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung. Hier darf es keine Berührungsängste geben.

Sie sind in Bayern geboren, sind seit fast 35 Jahren im Volkswagen-Konzern beschäftigt und haben von 2007 bis 2017 schon einmal in Wolfsburg gearbeitet, sind dann wieder nach Ingolstadt gewechselt und seit November vergangenen Jahres wieder in Wolfsburg tätig. Mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit: Welche Region schneidet besser ab?
Ich bin überzeugt, dass beide Regionen unheimlich stark und ausgesprochen zukunftsfähig sind. Gemeinsam ist beiden, dass sehr viel Technologie und sehr viel Wissenschaft vorhanden ist. Beide Regionen verfügen über eine starke Automobilwirtschaft, gleichzeitig haben sie aber auch erkannt, dass es gilt, über diesen Wirtschaftszweig hinaus zu denken und auch Public-Private-Partnership-Aktivitäten zu initiieren. Ein Beispiel dafür ist der Antrag der Allianz für die Region GmbH für ein Technologie- und Innovationszentrum Wasserstoff. An der Konzeptskizze wirkten zwölf Partner und 80 Unterstützer mit.

Apropos Public-Private-Partnership: Sie sind Vorstandssprecher der Wolfsburg AG, einem Gemeinschaftsunternehmen der Stadt Wolfsburg und der Volkswagen AG, das mit Partnern wie unserer IHKLW zukunftsweisende Projekte für eine attraktive Lebens- und Wirtschaftsregion Wolfsburg entwickelt. An welchen Stellschrauben sollten wir hier noch gemeinsam drehen?
Mir persönlich war es schon immer wichtig, nicht nur im Werk tätig zu sein oder im Unternehmen, sondern darüber hinaus auch das Umfeld, in dem die Mitarbeiter arbeiten und in dem sie leben, im Blick zu behalten. Es geht mir also auch um Themen wie Schule, Kindertagesstätten oder Gesundheitsversorgung. Die sogenannten soften Faktoren sind oftmals die eigentlich entscheidenden Faktoren, wenn es darum geht, Fachkräfte für die Region zu begeistern. Um das Angebot an diesen soften Faktoren nachhaltig vorhalten zu können, müssen wir vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten anbieten. Es wäre falsch, sich beim Thema Ausbildung als Region zu stark auf den Automobilbereich zu fokussieren. Wir müssen beispielsweise auch Gesundheits- und Bildungsberufe ausreichend berücksichtigen, um die Kompetenzen langfristig in der Region zu halten. Auch werden die Themen Klimawandel und Kreislaufwirtschaft sehr intensiv unser Handeln bestimmen, ebenso die Energiewende und im automobilen Bereich die Transformation der Branche. Da geht es um Ladeinfrastruktur, aber auch um den Wandel zum Mobilitäts-Anbieter mit vielen Diensten, die sich Kunden zukünftig ins Auto holen können. Ganz so, wie sie es heute bereits auf ihrem Smartphone tun. In all diesen Technologie-Themen werden wir noch viele Innovationen erleben, die hoffentlich nicht irgendwo stattfinden – sondern in Deutschland und vor allem in dieser Region.

Haben Sie eigentlich einen Lieblingsplatz in Wolfsburg?
Ich habe sogar zwei. Ich wohne im Süden von Wolfsburg und da gibt‘s einen ganz tollen Stadtwald mit dem Brunnen- und Quellenwanderweg – wunderschön. Und dann gibt‘s noch eine ganz besondere Route, wenn man am Klinikum parkt und den Klieversberg hi­naufgeht, erreicht man den höchsten Punkt Wolfsburgs und kann bei der Porsche-Hütte auf Wolfsburg und das Volkswagen-Werk blicken. Eine toller Ausblick und eine schöne Wanderung
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