Corona als Digitalisierungsschub

Thomas Fischer am Stand für seine digitale Messe
Foto: Agentur Blauzweig
Thomas Fischer ist Experte für Grünanlagen. Als im Frühjahr eine große Branchen-Messe coronabedingt abgesagt wurde, organisierte er kurzerhand selbst eine.

Porträt Thomas Fischer Bei Thomas Fischer, Inhaber der iNova Green GmbH, sorgte die Corona-Pandemie für einen Digitalisierungsschub.

Foto: iNova Green

Thomas Fischer ist der Mann für`s Grün. Mit seinem Unternehmen iNova Green GmbH in Dannenberg (Elbe) verkauft er seit 2012 Saatgut und Dünger und bietet Beratung zur Pflege von Golfplätzen, Sportanlagen, im Garten- und Landschaftsbau und für öffentliche Grünflächen. Normalerweise ist er in ganz Deutschland unterwegs, um Kunden, Händler und Lieferanten vor Ort zu treffen. Doch seit März ist auch bei ihm nichts mehr wie vorher: „Drei Monate lang habe ich im Homeoffice gearbeitet und telefonisch Kontakt gehalten“, erzählt er. Weil sein Geschäft einen vergleichsweise langen Vorlauf hat und die Bestellungen für das laufende Jahr bereits vor den Kontaktbeschränkungen gemacht wurden, sei sein Unternehmen zwar „mit einem blauen Auge davon gekommen“. Doch Fischer machte aus der Not eine Tugend und nutzte die Zeit, um über neue Vertriebs- und Kontaktwege im Internet nachzudenken und in Digitalisierung zu investieren.

Bei unserer Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) fand er passende Seminare, um sich fortzubilden. Er engagierte die Werbeagentur Blauzweig in Lüchow (Wendland), um eine neue Webseite für sein Unternehmen gestalten zu lassen. „Außerdem haben wir unseren Facebook-Auftritt verbessert und sind jetzt zusätzlich auch auf Instagram aktiv“, berichtet Fischer nicht ohne Stolz. Digitale Tools und Social Networks hatten für ihn vorher kaum eine Rolle gespielt.

Innerhalb kurzer Zeit festgestellt, wie wichtig das Internet ist

Wie Fischers iNova Green GmbH geht es vielen Unternehmen in der Region. Laut einer Umfrage unserer IHKLW sehen sie die großen Chancen der Digitalisierung vor allem in der vielfältigen Kundenansprache, einer höheren Flexibilität des Arbeitens sowie der Effizienzsteigerung in Betriebsprozessen. Lediglich 17 Prozent der befragten Unternehmen sind der Meinung, dass ihre Mitarbeiter sehr gut vorbereitet sind auf den digitalen Wandel, mehr als 75 Prozent sahen hingegen Weiterbildungsbedarf. Eine der drei größten Herausforderungen der Digitalisierung sind der Umfrage zufolge notwendige betriebliche Prozessveränderungen.

Im Geschäftsalltag erscheinen oft andere Dinge dringlicher. Den Leerlauf in der Krise nutzten daher viele Unternehmen, um sich endlich umfassend mit dem Thema zu beschäftigen – und Expertise einzuholen. Und so war bei der Agentur Blauzweig „eine deutlich erhöhte Nachfrage in der Zeit“ zu spüren, berichtet Inhaberin Eva Hett. „Neuen und auch bestehenden Kunden haben wir die Internetpräsenzen weiter ausgebaut. Viele haben innerhalb kurzer Zeit festgestellt, wie wichtig das Internet auch in ihrem Bereich für Vertrieb, Kommunikation und anderes ist.“ Sie und ihr Mann, Agenturleiter Michael Hett, haben in ihrem Newsblog „Fünf Quick-Tipps für Unternehmer während und nach der Krise“ zusammengestellt. Unter anderem raten sie, verstärkt Social Media-Kanäle zur Kundenkommunikation zu nutzen.

Virtuelles Experten-Treffen statt Fachmesse

Auch Fischer nutzte die vergangenen Monate und digitalisierte nicht nur interne Abläufe. Sein wichtigstes Projekt befindet sich derzeit in den letzten Zügen der Vorbereitung: Da wichtige Messen in diesem Jahr ausfallen, will er eine eigene – virtuelle – Messe auf die Beine stellen. „Auf die Idee bin ich gekommen, nachdem ich einen Bericht über eine virtuelle Messeplattform gelesen habe. Das fand ich so spannend, dass ich es einfach mal ausprobieren möchte.“ Am 27. und 28. Oktober 2020 soll es soweit sein, dann sollen Aussteller, Experten und Interessierte in einem virtuellen Raum auf der Plattform myexpo360.de zusammenkommen.

Veranstalter ist der Golfverband Schleswig-Holstein e.V., Ausrichter der Verein Greenkeeper Nord. Zielgruppe seien unter anderen die Träger von öffentlichem Grün, Vereine, Golfanlagen. Für das Programm suchte Fischer in der Region und engagierte als Keynote-Speaker den Umweltexperten Dr. Olaf Anderßon vom Landkreis Lüneburg. „Er wird Tipps zur nachhaltigen ökologischen Anlage und Pflege von Blumenwiesen geben, das vor allem im innerstädtischen Bereich und auf Golfanlagen immer mehr Bedeutung gewinnt.“ Weitere Referenten kommen unter anderem von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Bislang hat er vier weitere Aussteller gewonnen, darunter Saatgut-Züchter und Experten für Spezial-Dünger. Außerdem sollen Webinare angeboten werden. Der Eintritt zur Messe soll kostenlos sein. Aktuell wird noch an der Webseite für die Messe gearbeitet, über die dann ab Anfang Oktober die Anmeldung laufen soll.

Fördermittel mit Hilfe des Digitalbonus Niedersachsen

Finanziert hat Fischer das alles mit Hilfe des Digitalbonus Niedersachsen der NBank, der Investitions- und Förderbank des Landes Niedersachsen. Für die Fördersummen zwischen 2.500 und 10.000 Euro, die als Zuschüsse nicht zurückgezahlt werden müssen, können sich kleine und mittlere Unternehmen sowie freiberufliche Planungsbüros im Bereich des digitalen Bauens bewerben.

Fischer erhofft sich von seiner virtuellen Messe weitere Vernetzung und einen Marketingeffekt. „Wenn sich 100 Teilnehmer anmelden, bin ich zufrieden.“ Dafür macht er nun Werbung in Fachzeitschriften, auf Golfplätzen und seinen überarbeiteten Social Media-Kanälen. Scheu davor, sich auf unbekanntes Terrain zu wagen und sich den digitalen Herausforderungen zu stellen, hat er nicht mehr. „Im Gegenteil: Mir macht es Spaß, Neues zu entdecken.“