Das bringt das Handelsabkommen mit Japan

Eine Illustration zweigt zwei Arme, die sich die Hände schütteln. Auf einem Arm ist die europäische Flagge zu sehen, auf dem anderen die japanische.
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Die EU und Japan vereinen ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung und handeln schon jetzt Waren im Wert von rund 130 Milliarden Euro pro Jahr.

„Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan sendet ein starkes Signal: Globalen Herausforderungen ist nicht mit Protektionismus zu begegnen – sondern mit Zusammenhalt“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert. Die EU und Japan vereinen ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung und handeln schon jetzt Waren im Wert von rund 130 Milliarden Euro pro Jahr. Zwei starke Partner also, die sich mit dem Economic Partnership Agreement – so heißt das Abkommen offiziell –  jetzt darauf verständigt haben, schrittweise fast alle Zölle zwischen beiden Seiten abzuschaffen. Für die EU-Unternehmen bedeutet das eine Ersparnis von einer Milliarde Euro im Jahr. „Profitieren werden davon auch Unternehmen aus dem IHK-Bezirk Lüneburg-Wolfsburg“, ist Zeinert sicher: „Und zwar nicht nur die etwa 100 Unternehmen der Region, die bereits Handel mit Japan treiben – sondern vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die als Zulieferbetriebe für die Exportwirtschaft tätig sind.“ 

74.000

EU-Unternehmen exportieren nach Japan. 78 Prozent davon sind KMU.

Die deutsche Expertise ist in Japan gefragt, besonders in den Bereichen Energie und erneuerbaren Energieformen, bei der Infrastruktur und Gebäudeeffizienz, bei Gesundheits- und Medizintechnik, bei der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie im Bereich Umweltschutz. Neue Geschäftsmöglichkeiten in Japan werden sich auch für die Pharmabranche, für Finanzdienstleistungen, Telekommunikation und Verkehr öffnen. Darüber hinaus können europäische Unternehmen durch das Abkommen gleichberechtigt mit japanischen Unternehmen an Ausschreibungen in 48 Großstädten Japans teilnehmen.

Vorteile für Automobilzulieferer
Ebenso bringt Jefta für die Automobilzulieferer der Region Vorteile: Mit dem Abkommen wird sichergesellt, dass sowohl Japan und die EU ihre Bestimmungen für Kraftfahrzeuge an dieselben internationalen Standards für Produktsicherheit und Umweltschutz angleichen. Für Ausfuhren nach Japan sind dann keine erneuten Tests und Zertifizierungen mehr erforderlich. So dürfen beispielsweise in der EU genehmigte wasserstoffbetriebene Autos ohne weitere Änderungen nach Japan ausgeführt werden. Darüber hinaus sieht das Abkommen eigens für den Bereich Kraftfahrzeuge ein beschleunigtes Verfahren zur Beilegung von Streitigkeiten vor.

Japan öffnet Eisenbahn-Beschaffungsmarkt
Japan wird seinen nationalen Eisenbahn-Beschaffungsmarkt öffnen. Explizit miteinbezogen sind die Hokkaido Railway Company, Japan Freight Railway Company, Japan Railway Construction Transport and Technology Agency, Shikoku Railway Company and Tokyo Metro Co., Ltd. Außerdem wird Japans Sicherheitsvorbehalt bei der Beschaffung von Ausrüstungsteilen (“Operational Safety Clause“) künftig aufgehoben.

19,5

Euro Warenwert betrugen die deutschen Exporte nach Japan 2017, andersherum waren es Waren im Wert von 22,9 Milliarden Euro.

Bei Inkrafttreten des EU-Japan-Abkommens werden die Zölle in Japan für mehr als 90 Prozent der EU-Ausfuhren wegfallen. Bei vollständiger Umsetzung des Abkommens wird Japan die Zölle für 97 Prozent der EU-Waren nach Zolltariflinien abgeschafft haben. Bei den übrigen Zolltariflinien ist eine teilweise Liberalisierung in Form von Zollkontingenten oder Zollsenkungen vorgesehen. Im Gegenzug sollen die europäischen Zölle für japanische Autos fallen.

Die EU-Kommission erwartet durch Jefta eine Steigerung der EU-Ausfuhren um 16 bis 24 Prozent. So soll der japanische Markt für Lebensmittel aus der EU wie Käse geöffnet werden, die bislang mit hohen Zöllen belegt waren. Die Ausfuhren für verarbeitende Lebensmittelerzeugnisse werden somit voraussichtlich um 170 bis 180 Prozent steigen – zusätzliche 10 Milliarden Euro Umsatz. Für Chemikalien rechnet die EU mit zusätzlichen drei Milliarden Euro, das Plus für elektrische Maschinen werde 650 Millionen Euro betragen.

Schutz geistigen Eigentums
Das Abkommen enthält Bestimmungen zum Schutz von Betriebsgeheimnissen, Marken, Urheberrecht und Patenten sowie gemeinsame Mindestvorschriften für den Schutz von Daten zu vorgeschriebenen Prüfungen für Arzneimittel und Bestimmungen über die zivilrechtliche Durchsetzung. Darüber hinaus wird durch Jefta den mehr als 200 landwirtschaftlichen EU-Erzeugnissen mit besonderer geografischer Herkunft, wie beispielsweise Heide-Kartoffeln, besonderer Schutz auf dem japanischen Markt eingeräumt.

Jefta ist ein sogenanntes „EU-only“-Abkommen, es kann also vom Rat der Europäischen Union und vom Europäischen Parlament vollständig ratifiziert werden. Laut aktuellem Zeitplan soll Jefta 2019 in Kraft treten.