„Das schaffen wir nur gemeinsam“

Andreas Kirschenmann
Foto: privat

Herr Kirschenmann, die Corona-Krise stellt eine wirtschaftlich unvergleichbare Situation dar, wie geht es Ihnen als Unternehmer in diesen Zeiten?
Als Unternehmer bin ich in dieser Zeit besonders gefordert. Unsere Branche ist zum Glück bisher nicht so hart von der Krise getroffen worden. Meine erste Sorge galt und gilt jedoch den Mitarbeitern meines Unternehmens. Wir haben deshalb frühzeitig ein umfassendes Programm zum Infektionsschutz eingeführt. So haben wir ein Zwei-Schicht-Modell eingeführt und bei uns tragen alle Mitarbeiter seit sechs Wochen einen Mundschutz. So konnten wir Infektionen bisher verhindern.

Was bedeutet diese Pandemie für die IHKLW-Arbeit?
Wir haben relativ schnell in allen IHKLW-Geschäftsstellen die telefonischen und digitalen Kapazitäten hochgefahren. Unsere Beraterservices sind vor allem seit dem Start der finanziellen Soforthilfen sehr gefragt. Unser Jahresthema „Digitalisierung meistern“ setzen wir gerade in einem enormen Tempo um – zum ersten Mal überhaupt findet im Juni eine digitale Vollversammlung statt. In diesen Zeiten lernen wir alle voneinander, werden digitaler und sind gefordert wie noch nie, um unsere Mitgliedsunternehmen zu unterstützen.

Wie kann die IHKLW hier ganz konkret helfen?
Wo wir können und es uns möglich ist, unterstützen unsere Mitarbeiter die NBank. Für unsere Unternehmen ist finanzielle, aber auch rechtliche Beratung noch immer ein großes Thema – hierfür haben wir nicht nur eine Beratungsoffensive gestartet, sondern auch zahlreiche neue digitale Formate geschaffen. Mit unseren IHKLW-Expertentipps bieten wir kostenlose Webinare rund um die Themen an, die die Unternehmen in der Krise besonders betreffen. In unserer Serie „Brennpunkt digital“, die über Facebook und unsere Internetseite gestreamt wurde, haben wir Antworten auf Fragen rund um Finanzierung und Recht gegeben. Und wir arbeiten an weiteren Formaten, denn noch immer ändert sich täglich so viel. Über das Wichtigste informieren wir kurz und knapp in unserem Corona-Newsletter, auf unseren Social-Media-Kanälen und natürlich auf unserer Website ihk-lueneburg.de/corona.

Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf den IHKLW-Bezirk?
Die regionale Wirtschaft ist trotz erster Lockerungen stark von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen: Fast 23 Prozent der befragten Unternehmen erwarten einen Umsatzrückgang um mehr als 25 Prozent, ein Drittel davon sogar einen Rückgang um mehr als 50 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Blitzumfrage unserer IHKLW, an der sich 1.100 Unternehmen beteiligten. Rund 83 Prozent der befragten Unternehmen beschäftigen 1 bis 19 Mitarbeiter. Trotz der Lockerungen der Corona-Auflagen ist bei mehr als 50 Prozent der Befragten die Kundenfrequenz um mindestens die Hälfte gesunken. Und das bei gleichbleibenden Kosten. Das ist ein lauter Schrei nach mehr Hilfen. Hier muss es von Seiten der Politik weitere Unterstützung geben – zum Beispiel durch eine Umschichtung der aktuell sehr hoch dotierten Soforthilfen in ein Sonderprogramm für besonders stark betroffene Branchen.

Auch die IHKLW-Prüfungen wurden verschoben, sie starten jetzt im Juni. Gleichzeitig steht das neue Ausbildungsjahr in den Startlöchern. Was raten Sie Azubis und Unternehmen?
Auch rund um das Thema „Ausbildung in Corona-Zeiten“ sind unsere Mitarbeiter Ansprechpartner auf allen Kanälen. Mein persönlicher Wunsch als Unternehmer und Ausbilder ist es, dass wir jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern dort, wo es geht, den jungen Leuten eine Perspektive bieten. Nur wer Fachkräfte ausbildet, hat beim Wiederdurchstarten auch genügend davon. Das schaffen wir nur gemeinsam und niemals war es wichtiger als jetzt, an einem Strang zu ziehen, zu kooperieren. Chancen zu nutzen, wo es möglich ist, sie aber gleichzeitig auch zu bieten. Mit unserer digitalen Ausbildungskampagne „Moin Future – eine Ausbildung machen. Alles werden“ geben wir dem Erfolgsmodell duale Ausbildung gleich mehrere regionale Gesichter. Viele junge Schulabgänger sind verunsichert, gleichzeitig sind – trotz Corona – auch viele engagierte Unternehmen auf der Suche. Als IHKLW möchten wir diese Parteien zusammenbringen.

Gibt es etwas, das Ihnen in der aktuellen Lage Mut macht?
Vieles. Es gibt viele kreative Unternehmen, Konzepte und Ideen, auch digitaler Art, die unglaublich viel Mut machen. Gleichzeitig spüre ich bei meinen Mitarbeitern, aber auch im Haus der IHKLW eine enorme Motivation, Dinge auszuprobieren und gemeinsam voranzukommen. Bei aller unternehmerischer Unsicherheit: Die Fähigkeit, Kompetenzen, Synergien und auch Kreativität zu bündeln, ist bei uns gerade sehr stark ausgeprägt. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle.