Die Öko-Unternehmerin

Porträt Eva Danneberg
Foto: tonwert21.de
Eva Danneberg, Geschäftsführerin der Werkhaus GmbH, wirtschaftet aus tiefster Überzeugung nachhaltig. Die Rolle der Unternehmensführung ist für ein glaubhaftes und konsequentes Management entscheidend, sagt Nachhaltigkeitsexperte Professor Stefan Schaltegger von der Leuphana Universität Lüneburg.

„Ja, seid ihr denn verrückt geworden? Wollt ihr Geld verdienen oder die Welt retten?“ Die Fragen schreien dem Besucher der Werkhaus-Website schwarz auf weiß entgegen. Verrückt aber wirkt Geschäftsführerin Eva Danneberg ganz und gar nicht. Die zierliche, blonde Frau antwortet klar und mit einem freundlichen Lächeln, wenn man sie fragt, warum sie und ihr Mann Holger Danneberg ihr Unternehmen seit der Gründung 1992 konsequent nachhaltig ausgerichtet haben: „Weil wir einfach so gestrickt sind. Jeden treibt ja etwas anderes an, bei uns war es immer die Zukunft.“

Jeden treibt ja etwas anderes an, bei uns war es immer die Zukunft.

Die Werkhaus GmbH produziert in Bad Bodenteich Ablagesysteme, Displays, Möbel und ein großes Outdoorsortiment inklusive Tiny-House und Sauna – alles im urheberrechtlich geschützten Stecksystem, einer Erfindung von Holger Danneberg. „Die Materialien, aus denen unsere Produkte entstehen – Holz, Papier, Textilien und Gummiringe – sind leicht voneinander zu trennen und wiederzuverwenden, defekte Teile können einfach ersetzt werden“, sagt Eva Danneberg.

Werkhaus trägt das Gütesiegel „Green Brand“

Nicht ohne Grund wurde Werkhaus im März 2019 zum dritten Mal als „Green Brand“ ausgezeichnet, ein Gütesiegel für Marken, die einen maßgeblichen Beitrag für Umwelt und Natur leisten und neue Wege in der ökologischen und nachhaltigen Unternehmensführung gehen: Der Anteil an Recyclingmaterial in der Werkhaus-Produktion liegt bei über 80 Prozent, alle Rohstoffe kommen aus zertifiziert nachhaltiger Produktion, überwiegend aus Deutschland und sind gift-, schadstoff- und Lösungsmittelfrei. Ein Beispiel sind die wasserlöslichen Spielzeugfarben, mit denen die MDF-Platten für Fotohocker und Ablagen auf großen Walzmaschinen eingefärbt werden. Überflüssige Farbe wird aufgefangen und wiederverwendet, sodass nahezu nichts verloren geht.

30 Prozent des Stroms aus eigener Photovoltaikanlage

Der Strom für die gesamte Produktion kommt zu 30 Prozent von der eigenen Photovoltaiganlage, den Rest kauft das Unternehmen beim Öko-Strom-Anbieter Greenpeace Energie dazu. In Bad Bodenteich sorgen außerdem ein zentrales Absaugsystem mit Wärmerückgewinnung in der Laserabteilung und das Heizen mit Holzabfällen aus der Produktion dafür, dass die Gasheizung nur noch an ganz kalten Tagen zum Einsatz komme, sagt Danneberg. Allerdings werde in der Lager- und Versandabteilung in Wittingen mit Öl geheizt und die Alte Post in Lüchow, in der die Innovationsabteilung für die Werkhaus-Marke Destinature sitzt, mit Erdgas. „Das hat negative Auswirkungen auf unsere CO2-Bilanz.“

Der Wert berechnet sich aus den direkten Emissionen (Scope 1), und den Emissionen aus bezogener Energie (Scope 2) und weiteren indirekten Emissionen (Scope 3). Erstmals hat Werkhaus 2015 eine CO2-Bilanz erstellen lassen damals aber noch nicht alle Werte erfasst. Inzwischen wurden die entsprechenden Programme dafür angeschafft. „Wir können die Daten erheben, auswerten lassen und mit vorangegangenen Zeiträumen vergleichen, suchen zurzeit aber noch nach einem Nachhaltigkeitsmanager“, sagt die Werkhaus-Geschäftsführerin und räumt ein, dass es nicht ganz einfach sei, neue Mitarbeiter für den Standort auf dem Lande zu gewinnen. Erst kürzlich sei eine Bewerberin aus Berlin kurzfristig vom Vertrag zurück getreten. „Das hatte persönliche Gründe, aber wir spüren den Fachkräftemangel natürlich auch bei uns.“

Die Mitarbeiter mit körperlichen oder psychischen Einschränkungen sind ein echter Gewinn für unser Unternehmen

Integration wird gelebt

Aktuell beschäftigt Werkhaus rund 180 Mitarbeiter, 19 davon sind Menschen mit körperlichen oder psychischen Einschränkungen. Erforderliche Umbauarbeiten an den Ein- und Ausgängen sowie Sanitäranlagen konnte das Unternehmen vollständig mit staatlichen Mitteln finanzieren, Zuschüsse hat Werkhaus auch für Maschinen erhalten, an denen Mitarbeiter mit Behinderung arbeiten. Danneberg möchte andere Arbeitgeber ermutigen, Menschen mit Behinderung eine Chance zu geben. Das stehe überhaupt nicht im Widerspruch zu einem wirtschaftlichen Betrieb – im Gegenteil: „Diese Menschen sind ein echter Gewinn für unser Unternehmen, denn sie tragen wesentlich dazu bei, dass unser Betriebsklima von gegenseitiger Verantwortung, Unterstützung und Rücksichtnahme geprägt ist.“

Summiert man Werkhaus’ Engagement für Umwelt und Menschen, darunter die Unterstützung für zahlreiche ökologische Initiativen, die sich für die Renaturierung von Agrarflächen, Bienen oder Geflüchtete einsetzen, scheint die Frage berechtigt: Wollen die Dannebergs die Welt retten? Eva Danneberg lächelt. „Ein bisschen vielleicht. Man muss dabei ja nicht dogmatisch sein, aber den Beitrag, den wir leisten können, leisten wir gern.“