Die Spitzenfrau im Rohrleitungsbau

Johanna Köllner, schwarzes Top, leuchtend roter Blaser und passender Lippenstift, steht in einem Festsaal und hält einen Aufkleber mit einem Stern und ihrem Namen drauf neben ihren Kopf.
Foto: tonwert21.de
Glücklich über ihren Erfolg: Johanna Köllner bei des Landesbestenehrung in der Stadthalle Gifhorn.

Sie ist die Beste: Johanna Köllner hat ihre Ausbildung zur Rohrleitungsbauerin bei der Wiesensee GmbH & Co. KG in Wittingen als bundesweit Beste ihres Berufs abgeschlossen. Der Abschluss ist für die 22-Jährige allerdings nur ein erster Karriereschritt: „Ich möchte Bauingenieurin werden und habe mich ganz bewusst für ein duales Studium entschieden“, sagt Köllner. „Als Frau ist man in diesem Beruf noch immer die Ausnahme, mancher Kollege auf dem Bau begegnet einem da mit Skepsis. Dem will ich entgegensteuern, indem ich mit Fachkompetenz überzeuge. Die Ausbildung ist die Basis dafür, dass ich das Handwerk von der Pike auf lerne.“

Als Rohrleitungsbauerin sorgt Köllner dafür, dass Wasser und Gas dorthin geleitet werden können, wo sie gebraucht werden. „Beim Verlegen der Leitungen ist Präzision gefragt“, sagt Köllner: „Wenn man die einzelnen Teile verbindet, muss man alle Schrauben gleichmäßig anziehen, damit die Rohre dicht halten.“ Auch Schweißen gehört zu ihrem Job, der Schein dafür ist Teil der Ausbildung. Und was hat ihr am besten gefallen? „Alles. Weil die Mischung die Arbeit total spannend und abwechslungsreich macht.“

Zu ihrer Berufswahl kam Köllner über ein Praktikum bei Wiesensee – und fiel ihren männlichen Kollegen sofort durch ihr besonderes Engagement auf, sagt Geschäftsführer Markus Wiesensee-Bammel: „Es kam sofort die Rückmeldung, dass sie gerne wiederkommen könne, weil sie erkennt, wo sie mit anpacken kann.“ Das gefiel auch dem Chef, der ihr ein duales Studium anbot.

„Im Bereich des Führungspersonal-Nachwuchses hat sich das für uns bewährt, weil die Absolventen durch die integrierte handwerkliche Ausbildung einen großen Wissensvorsprung gegenüber Absolventen mit nur geringer Baustellenerfahrung haben“, sagt Wiesensee-Bammel, der den Wert des eigens ausgebildeten Nachwuchses hoch schätzt und entsprechend in die jungen Menschen investiert: „Unseren Auszubildenden zahlen wir zusätzlich zur Ausbildungsvergütung während der Lehrzeit ein monatliches Stipendium während des Studiums und binden sie auch während des Studiums an die Firma.“ So lerne auch Köllner bereits in ihren Semesterferien die Aufgaben einer Bauingenieurin kennen, sagt Wiesensee-Bammel: „Und  in den höheren Semestern wird sie auch schon kleinere Projekte selbständig bearbeiten, um sie an ihre späteren Aufgaben heranzuführen.“

Schief angeguckt, weil sie eine Frau ist, wurde Johanna Köllner übrigens nie. „Aber es war schon witzig, dass ich auch in der Berufsschule quasi allein unter Männern war“, sagt sie. Das Klassenzimmer hat Köllner inzwischen gegen den Hörsaal getauscht. Aktuell ist sie im dritten Semester, wird im Frühjahr 2021 ihren Bachelor-Abschluss machen und strebt danach einen Master-Abschluss an: „Ich werde dann eine Fachrichtung vertiefen, vielleicht Management oder Logistik.“