Die Wohnexperten

Rolf Behn steht im Verkaufraum und hat den Ellenbogen auf einen Teppichfächer gestützt, dahinter steht Kay-Christian Glander.
Foto: Tonwert21.de
Am 1. Februar feiert die Behn GmbH ihren 100. Geburtstag. Rolf Behn (l.) hat den Bereich Raumausstattung und Malerbetrieb 2019 an Kay-Christian Glander verkauft. Aber auch die neue Firma B und G Raumausstatter setzt zusammen mit "Behn Tischler und Glaser" auf den altbewährten Rundherum-Service.

Das hatten sie sich anders vorgestellt: Nachdem Rolf Behn 2019 den Teilbereich für Raumausstattung der Behn GmbH an Kay-Christian Glander abgegeben hatte, wurden die Räume komplett modernisiert. Nur: Geöffnet hatte das Ladengeschäft der neuen B+G Raumgestalter GmbH seither erst wenige Monate. Die als großes Fest geplante Geschäftsübergabe im Sommer 2020 musste ausfallen, die Beratung für Privatkunden im Lockdown auf das Telefon reduziert werden. „Wir werden die Eröffnungsfeier sicher nachholen“, sagt der Lüneburger Unternehmer Glander. „Aber im Moment bleibt uns nur, abzuwarten.“

Ein Nachfolger für die Behn GmbH

Abwarten passt so gar nicht zu Glander, der mit seinem „Wohnstore“-Konzept in nur acht Jahren von null auf vier Filialen gewachsen ist. Zweifeln aber auch nicht, schon gar nicht am Namen Behn und dem Standort Bad Bevensen. „Die Konstellation passt optimal zusammen“, sagt Glander. „Behn ist eine Marke in der Region, steht wie wir für hochwertige Produkte und Dienstleistungen aus einer Hand. Warum soll man also nicht Kompetenzen zusammenlegen?“ Rolf Behn sieht das ähnlich: „Ich bin froh, dass mein Geschäft in guten Händen ist“, sagt der 67-Jährige. „Wenn einem so eine Gelegenheit vor die Füße fällt, dann sollte man sie auch nutzen.“

Behn GmbH wurde am 1. Februar 1921 gegründet

Drei Männer stehen in einem Musterhauszimmer an Türen Hinter „Behn Tischler und Glaser“ stehen Tischlermeister Volker Barenschee, Glasermeister Karl-Heinz Tute und Malermeister Rolf Behn (v.l.). 

Foto: tonwert21.de

Gelegenheiten nutzen – das könnte auch ein Behnsches Familienmotto sein. Denn der Name steht nicht nur seit 100 Jahren für gutes Handwerk, sondern auch für unternehmerischen Mut und Weitsicht. Während Malermeister Emil Behn 1921 den Grundstein legte, erweiterte dessen Sohn Willi Behn den Betrieb um eine Glaserei.

Rolf Behn sammelte nach der Malerlehre erst Erfahrungen im Großhandel, bevor er den Meistertitel anhängte. Nachdem er den elterlichen Betrieb 1982 übernommen hatte, setzte er stark auf Wachstum: Die Glaserei zog in einen Neubau im Gewerbegebiet Fliegenberg, 1996 kam eine Tischlerei dazu und 2005 ein weiterer Neubau, in dem der Malereibetrieb und das Fachgeschäft für Wohnideen einzogen. Mit Glasermeister Karl-Heinz Tute und Tischlermeister Volker Barenschee praktizierte Behn also das Alles-aus-einer-Hand-Prinzip in seiner Heimatstadt schon vor Jahrzehnten.

Alles rund ums Wohnen aus einer Hand

Was der Antrieb war? „Ich habe mich immer gefragt, wie man in einer ländlichen Region den Betrieb mit seinen Arbeitsplätzen sichern und verhindern kann, dass die Aufträge in die Region abwandern“, sagt Behn. Nicht Spezialisierung, sondern Breite war seine Antwort: Das habe damit angefangen, dass zum frisch tapezierten Wohnzimmer auch ein neuer Boden, neue Türen oder ein Wintergarten angefragt wurden. „Für die Kunden ist es von Vorteil, häufig nur einen Ansprechpartner zu haben, der alles organsiert.“ In allen Gewerken setzen die Meister dabei durchweg auf Qualität: „Zu einer hochwertigen Handwerksleistung passt schließlich kein Billigteppich“, sagt Behn.

Hier knüpft der neue Inhaber nahtlos an: „Unser Erfolg beruht auf maximalem Service und Qualität – bei der Arbeit wie bei den Materialien“, sagt Glander. Der Name Behn bleibt also, die Kooperation mit Glasern und Tischlern auch. Neben Farben, Tapeten und Bodenbelägen gehören nun Gardinen und Sonnenschutz zum Sortiment.

Neues Herzensprojekt: Das Hotel Sonnenhügel

Rolf Behn hat sich unterdessen nicht aufs Altenteil zurückgezogen. Schließlich hat er sich immer schon vielfältig engagiert – etwa als Innungsobermeister oder in der Bevensen Marketinggesellschaft. „Man kann sich überall entfalten, wenn man mit Herzblut dabei ist“, sagt der Malermeister. Sein Herz schlägt jetzt für das Hotel Sonnenhügel, das er gemeinsam mit seiner Ehefrau führt. Die erste Maßnahme überrascht nicht: „Wir haben alles in zwei Monaten komplett umgekrempelt und modernisiert.“