Ein Leben für die Blumen

Bärbel Blum steht in ihrem Geschäft hinter einer organgenen Orchidee und begutachtet lächelnd die Blüten.
Foto: Philipp Schulze
Bärbel Blum führt das Blumenhaus Paatsch in Uelzen in vierter Generation. Ihr Urgroßvater hat den Betrieb am 1. November 1870 gegründet.

Wenn eine Frau Blum einen Blumenladen betreibt, dann ist die Sache doch wohl klar: Hier hat jemand den Namen zum Beruf gemacht. Bärbel Blum weiß nicht, wie oft sie im Laufe der Jahre schon auf ihren so hübsch passenden Nachnamen angesprochen wurde. Die Antwort ist jedoch stets die gleiche: „Es ist andersherum“, sagt die 73-Jährige mit einem Augenzwinkern, „ich habe mir meinen Mann passend zum Beruf ausgesucht.“

Urgroßvater gründete den Garten-Betrieb 1870

Nicht nur der Beruf war zuerst da, auch die Liebe zu Blumen gehört für Bärbel Blum geborene Paatsch zum Leben, seit sie denken kann. Denn schon ihre Eltern und davor die Großeltern führten den Gartenbaubetrieb weiter, den Urgroßvater Wilhelm Paatsch 1870 in Uelzen gegründet hatte. Zu Gewächshäusern und Anbauflächen am Ortsrand kam als zweites Standbein das Blumengeschäft in der Innenstadt hinzu.

Ich wollte unbedingt selbst ausbilden und diesen tollen und kreativen Beruf weitertragen.

„Als Kind hat es mir Spaß gemacht, meiner Mutter im Laden zu helfen oder Sträuße mit dem Fahrrad zu den Kunden zu bringen. Die Arbeit in der Gärtnerei mochte ich nicht, aber die Arbeit mit Blumen habe ich geliebt.“ Also startet sie wie damals üblich mit 14 Jahren in Lüneburg die Ausbildung zur Floristin, um danach in den Familienbetrieb einzusteigen. Zielstrebig folgt nach der Hochzeit mit Herrn Blum und der Geburt des ersten von drei Söhnen 1969 direkt die Meisterprüfung – für die damalige Zeit eher ungewöhnlich. „Ich wollte unbedingt selbst ausbilden und diesen tollen und kreativen Beruf weitertragen“, sagt Bärbel Blum. Das habe allerdings nur funktioniert, weil ihre Familie sie darin immer unterstützt habe.

Bärbel Blum gibt ihr Wissen gern weiter

Der Aufwand trug Früchte: Während Vater Walter Paatsch zunächst die Gärtnerei noch bis zum Ruhestand weiterbetrieb, konnte sich die Tochter ganz auf das Ladengeschäft konzentrieren. Knapp 30 Auszubildende hat sie über die Jahre an die Kunst der Floristik herangeführt: „Ich bin ein bisschen stolz, dass fast alle im Beruf geblieben sind“, sagt die Floristmeisterin, die sich überdies 25 Jahre im Prüfungsausschuss unserer IHKLW engagierte und nebenberuflich an der Berufsschule unterrichtete.

Blumen sind etwas Lebendiges und müssen mit Respekt behandelt werden.

Was macht das Arbeiten mit Pflanzen so besonders? „Blumen sind etwas Lebendiges und müssen mit Respekt behandelt werden.“ Und auch der Umgang mit den Kunden erfordere Fingerspitzengefühl. „Männer denken oft, rote Rosen sind als Geschenk für eine Frau nicht zu übertreffen“, nennt sie ein Beispiel, „dabei mögen viele Frauen gar keine roten Rosen.“ Den Blumengeschmack ihrer Kundschaft kennt Bärbel Blum jedenfalls sehr genau, denn sie bindet ihre Sträuße fast ausschließlich für Stammkunden, die ihren individuellen Stil und ihren Sinn für stimmige Kompositionen schätzen. „Bei mir ist kein Strauß wie der andere.“

Das galt auch schon früher, als der Laden mit bis zu sechs Angestellten ordentlich brummte und das Blumenhaus Paatsch Hochzeiten und Empfänge mit dem passenden Blumenschmuck ausstattete. Mittlerweile ist es deutlich ruhiger geworden. Weil Bärbel Blum alleine arbeitet, nimmt sie nur noch kleinere Aufträge an, etwa für Trauerfloristik. Die Zeiten seien sehr viel schwieriger geworden: „Es ist ein hartes Brot, denn heute bekommt man Blumen in jedem Supermarkt und an jeder Tankstelle.“

Noch hat es mit der Nachfolge nicht geklappt

Dass es mit einer Nachfolge für ihr Geschäft nicht geklappt hat, bedauert sie zwar, blickt aber gelassen nach vorne: „Alles hat seine Zeit“, das sei ihr Lebensmotto. „Ich mache weiter, solange ich Freude daran habe.“ Ist Frau Blum ohne Blumen denn überhaupt vorstellbar? „Ein Leben ohne Blumen auf keinen Fall, ohne Geschäft aber schon“, sagt sie und fügt noch eine Berufsweisheit an: „Blumen sind schließlich das Lächeln der Erde.“