Erfolgskonzept Container

Thomas Treude
Foto: Andreas Tamme

Wie alles anfing, daran kann sich Thomas Treude noch genau erinnern: „Im Gästezimmer wurde meine Eisenbahn zur Seite geschoben und durch einen Schreibtisch mit mechanischer Rechenmaschine ersetzt.“ Dass Berthold Treude im Heimbüro 1971 den Grundstein für ein erfolgreiches Familienunternehmen legen würde, ahnte der Sohn mit seinen zarten fünf Jahren natürlich noch nicht. Heute ist er selbst der Chef, beschäftigt 15 Mitarbeiter, ist seit 2009 Vizepräsident unserer IHKLW und sagt: „Ich hatte nie geplant, die Firma zu übernehmen, aber mittlerweile ist die Treude GmbH ein Teil von mir. Und das kriege ich nicht mehr raus.“

Quaderförmig, praktisch, gut: Container für alle denkbaren Einsatzgebiete sind heute allgegenwärtig. Berthold Treude war einer der ersten, der erkannte, dass in den aus Amerika kommenden Seecontainern mehr als nur Platz für Ware steckte. Als Bürokaufmann bei einer Holzfirma kannte er sich auf Baustellen aus. Die Idee: Mit einer Handelsvertretung für einen deutschen Hersteller wollte er Container als Büros für Baustellen anbieten. Die kostengünstige, weil flexible Lösung für Räume auf Zeit fand schnell Abnehmer. Die konnten sich die stabilen Stahlboxen bald nach Wunsch als Schlaf-, Arbeits- oder Sanitärraum ausstatten lassen. Seine guten Kontakte zu großen Baufirmen halfen dem Unternehmer: In den 70er- und 80er-Jahren sprudelten die Aufträge aus der deutschen Bauindustrie. Treude stattete nicht nur Baustellen in Deutschland aus, sondern baute ganze Arbeitercamps im Irak, in Saudi-Arabien und Algerien auf.

Thomas Treude hatte bereits eine Bankausbildung absolviert und steckte mitten im Wirtschafts-Studium, als der Vater ihm 1992 die Übernahme anbot: „Ich habe mich mit meinem Professor in Lüneburg beraten. Der meinte: Bänker werden viele, aber eine Firma bekommen nur wenige im Leben angeboten.“ Der Wechsel von der Uni ins Unternehmen erfolgte allerdings in einer schwierigen Phase. „Die Startbedingungen für mich waren grausig“, sagt Thomas Treude ganz offen. Als er 1995 die Geschäftsführung übernahm, lag die Bauwirtschaft am Boden, Aufträge für Großbaustellen griffen größere Wettbewerber ab. Treude musste sich neue Standbeine suchen und fand sie in den Kommunen. Die entschieden sich nun vermehrt für die Raumkonzepte des Spezialisten, wenn Schulen und Kitas mehr Platz benötigten oder Menschen untergebracht werden mussten. Neben Containeranlagen errichtet das Unternehmen heute auch Gebäude im Modul- und Systembau. „Das ist ein bisschen wie Lego und hat mich schon immer fasziniert“, sagt Thomas Treude. „Wir können eine ganze Schule mit zehn Klassenräumen in nur vier Monaten komplett aufbauen.“ Und: Er schaffte 1.700 Mietcontainer an. Die Investition hat sich längst ausgezahlt. „Das war goldrichtig, denn Übergangslösungen werden immer gebraucht.“

Die Palette der Aufträge ist heute entsprechend breit gefächert: Dem Kinderhort in Schwerin mit der farbigen Putzfassade sieht man nicht an, dass das Gebäude aus Stahlrahmen aufgebaut wurde. Ob Kassenhäuschen für ein Stadion, eine Strandbar mit kompletter Küche, eine Schulmensa oder Gefahrstoffbehälter für die Bundeswehr – Container- und Modulbauten können eben fast alles: „Der Vorteil ist die ganz schnelle Liefer- und Reaktionszeit, der Festpreis und die gleichbleibend hohe Qualität“, fasst Treude zusammen.

Trotzdem: Corona hat auch einen krisenerprobten Mann wie den 54-Jährigen kurz aus der Bahn geworfen. Genau ein Jahr ist es her, dass die ersten Kündigungen für Mietverträge ins Haus flatterten und Aufträge platzten. Nach bangen Monaten kann er inzwischen wieder aufatmen: „Meine große Angst war, dass ich die Arbeitsplätze nicht halten kann.“ Inzwischen laufen die Geschäfte wieder. „Wir mussten keinen Tag Kurzarbeit anmelden, Umsatz und Ertragslage sind zufriedenstellend. Das macht mich zuversichtlich.“

Seine Spielzeugeisenbahn hat Thomas Treude längst vergessen. Um sich abzulenken, zieht es ihn heute auf sein Segelboot an der Ostsee. „Sonst sehe ich ja überall meine Container“, sagt er schmunzelnd. „Nur auf dem Wasser, da bin ich ganz weg.“