„Es stehen noch ausreichend Mittel bereit“

Interview mit Stephen Struwe-Ramoth, Leiter NBank-Beratungsstelle
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Stephen Struwe-Ramoth, Leiter der Lüneburger NBank-Beratungsstelle, im Interview mit UW-Redakteurin Sandra Bengsch.

Herr Struwe-Ramoth, die NBank hat im Jahr 2018 rund 30 Prozent mehr Fördermittel vergeben als 2017, insgesamt 818 Millionen Euro. Woher kommt das Geld und wohin fließt es?
Das sind europäische Fördergelder aus zwei Fonds, dem Efre, also dem Europäische Fonds für regionale Entwicklung, und dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Der Efre deckt regionalwirtschaftliche Themen ab – Infrastruktur, Innovation und einzelbetriebliche Förderung. Beim ESF geht es um Förderungen für Ausbildung, Qualifizierung und Fachkräftesicherung. Das Land Niedersachsen kofinanziert beide Fonds, das heißt für jeden Euro aus der EU gibt das Land einen Euro dazu.

Sprechen Sie mit uns, damit wir schauen können, welche Unterstützungsmöglichkeiten infrage kommen.

Die Mittel stehen für eine festgelegte Förderperiode bereit – und die aktuelle endet im kommenden Jahr. In welchen Bereichen haben Unternehmen noch gute Chancen auf eine Förderung?
Mein Appell an die Unternehmen lautet: Sprechen Sie mit uns, damit wir schauen können, welche Unterstützungsmöglichkeiten infrage kommen. In der sogenannten Übergangsregion Lüneburg, die im IHK-Bezirk Lüneburg-Wolfsburg die Landkreise Harburg, Heidekreis, Lüneburg, Uelzen, Lüchow-Dannenberg und Celle umfasst, können wir in allen Bereichen noch Förderungen vergeben. In der stärkeren Region, also außerhalb des ehemaligen Regierungsbezirks Lüneburg, haben wir im Bereich Innovationsförderung für Forschung und Entwicklung keine Gelder mehr zur Verfügung. In der niedrigschwelligen Innovationsförderung hingegen schon noch. In allen anderen Bereichen stehen noch ausreichend Mittel bereit – ob für Gründung, Wachstum, Krise oder Nachfolge.

Wie unterstützt die NBank bei Anträgen?
Wir wollen die Scheu nehmen und dazu ermutigen, Anträge zu stellen. Es gibt mehrere Wege uns direkt anzusprechen: Wir bieten in den NBank-Beratungsstellen in Braunschweig, Hannover, Lüneburg, Oldenburg und Osnabrück intensive Beratungen an und schauen, was zu der jeweiligen Situation des Unternehmens passt und wie bringen wir es in den Antrag einbringen. Außerdem setzen wir auch zusammen mit der IHK Finanzierungssprechtage um, die die Unternehmen kostenfrei nutzen können. Hier in der Region haben wir zusammen mit dem TZEW, dem Transferzentrum Elbe Weser, zusätzlich sogenannte Antragswerkstätten eingerichtet, in denen wir nicht nur bis zur Bewilligung des Innovations-Antrags beraten, sondern auch mit Blick darauf, was auf die Unternehmen nach der Bewilligung zukommt.

Was passiert, wenn das Geld aus einem Fördertopf der NBank nicht abgerufen wird?
Dann gehen die Mittel zurück nach Brüssel. Das wollen wir auf jeden Fall verhindern, deshalb versuchen wir – auch in Zusammenarbeit mit unseren Partnern wie Kammern und dem Amt für regionale Landesentwicklung – alles, um das Geld hier in der Region zu binden. Unser Ziel ist, dass das Geld dort ankommt, wo es gebraucht wird: in den Unternehmen.

Eine Kritik, die unsere IHK aus Unternehmerkreisen immer wieder erreicht ist, dass die Antragsverfahren aufwendig seien: Das Online-Formular weise im Bereich Usability Verbesserungspotenzial auf, bei geförderten Projekten sorgen minutengenaue Abrechnungen für einen enormen Aufwand. Geht das nicht einfacher?
Wir nehmen die Kritik der Unternehmen sehr ernst und entwickeln unsere Online-Angebote stetig weiter. Das Kundenportal wurde vor vielen Jahren in einer Förderbankenkooperation entwickelt, dabei mussten Vorgaben der EU zum Beispiel mit Blick auf Datenschutz berücksichtigt werden, was zu Lasten der Anwenderfreundlichkeit geht. Im Rahmen der stetigen Weiterentwicklung haben wir aber zum Beispiel bereits für viele Anträge Online-Formulare eingeführt, sodass der Kunde schon beim Ausfüllen sieht, ob seine Einträge plausibel sind. Aktuell arbeiten wir gerade an der Neuaufstellung der neuen Förderperiode ab 2021 und beschäftigen uns dabei auch damit, wie man die Antragsverfahren vereinfachen kann. Trotz der Kritik haben wir sehr viele erfolgreiche Projekte begleitet.

Die neue Förderperiode ab 2021 wird so ausgerichtet werden, dass man mehr auf die Zielerreichung schaut und nicht so sehr auf den Weg dorthin.

Und wird es auch eine Vereinfachung in den Abrechnungsverfahren für Förderprojekte geben?
Ich weiß, der bürokratische Aufwand ist hoch. Hintergrund sind  EU-Vorgaben, die wir als NBank  umsetzen müssen. Sie können sicher sein, dass wir in allen Bereichen nichts schlimmer machen als es sein muss und auch hier an Verbesserungen arbeiten. So wird die neue Förderperiode ab 2021 so ausgerichtet werden, dass man mehr auf die Zielerreichung schaut und nicht so sehr auf den Weg dorthin.

Das Niedersächsische Wirtschaftsministerium Anfang September den Digitalbonus gestartet. Worum geht es da genau?
Der Digitalbonus fördert niedrigschwellige Digitalisierung in Unternehmen mit einer sehr interessanten Förderquote und mit geringen Aufwand für die Antragssteller. Unternehmen können bis zu 10.000 Euro für Investitionen in Hardware, Software oder IT-Sicherheit erhalten, dafür stehen insgesamt 15 Millionen Euro zur Verfügung. Es liegen schon viele Anträge vor – also sollten Unternehmer schnell handeln.

Im Jahr 2018 gab es einen deutlichen Anstieg beim Niedersachsen-Gründerkredit. Gleichzeitig ist immer wieder zu lesen, dass die Zahl der Gründer sinkt. Wie passt das zusammen?
Das Gründungsaktivitäten in Zeiten einer fast vorhandenen Vollbeschäftigung abnehmen, ist nicht überraschend. Erfreulich ist, dass es in Niedersachsen gegen den Trend geht – das ist zumindest unsere Wahrnehmung. Im Jahr 2018 wurden 158 Kredite über eine Summe von 31,2 Millionen Euro vergeben. Dies ist eine deutliche Steigerung gegenüber 2017 mit 21,8 Millionen Euro und 111 bewilligten Krediten. Der Niedersachsen-Gründerkredit gilt für alle Gründungsaktivitäten in den ersten fünf Jahren. Unternehmen können bis zu 500.000 Euro erhalten – zum Beispiel für den Kauf eines von Stilllegung bedrohten Betriebs, für eine Nachfolge oder die Gründung auf der grünen Wiese. Das Produkt kombiniert eine Bürgschaft über die Niedersächsische Bürgschaftsbank mit einem zinsgünstigen Förderdarlehen.

Mit dem Programm NSeed stellt die NBank im Auftrag des Niedersächsischen Wirtschaftsministeriums seit 2017 Beteiligungskapital für Start-ups und junge Unternehmen zur Verfügung. Wie groß ist der Bedarf?
Extrem hoch. Die Nachfrage steigt kontinuierlich. Das überrascht mich nicht, denn das Programm NSeed ist ein interessantes, gut planbares Produkt für Gründer, das eine Frühphasenfinanzierung bis 600.000 Euro ohne Sicherheit ermöglicht. Das ist also ein echtes Wagniskapital, dass das Land vergibt, um Gründungsaktivität im innovativen und sehr skalierbaren Bereich in Niedersachsen zu unterstützen. Dabei gibt es keinen Branchenfokus, die bewilligten Projekte sind total bunt gemischt –  vom Online-Handel über ein innovatives Wassertestgerät für Schwimmbäder hin zu Drohnen für Behörden und Windkraftanlagenhersteller. Ein ganz regionales Beispiel ist die Lüneburger Firma Rittec, die PET-Flaschen oder Sportkleidung in seine einzelnen Polymere auflöst. Die geförderten Unternehmen sind alle sehr innovativ, bieten ein schlüssiges Geschäftskonzept und weisen ein hohes Wachstumspotenzial auf.

Was macht Beteiligungen so attraktiv für Unternehmen?
Besonders interessant für die Unternehmen ist, dass sie selbst keine Sicherheiten vorweisen müssen. Das heißt der Unternehmer ist, wenn er scheitern sollte, nicht persönlich gebunden. Außerdem ist es für viele wichtig, dass das Land sich beteiligt. Das nutzen viele als Marketinginstrument. Ein weiteres Plus ist, das unsere Beteiligungsmanager den jungen Unternehmen als Sparringpartner zur Verfügung stehen. Und wir bieten ein tolles Netzwerk zu anderen geförderten Unternehmen, das merken wir immer bei unserem jährlichen Family-Day, bei dem sich Unternehmen präsentieren und untereinander vernetzen, um voneinander zu lernen oder gemeinsam zu arbeiten.

Durch das Programm Weiterbildung in Niedersachsen erhalten Unternehmen einen Zuschuss von 50 Prozent.

Protektionistische Tendenzen, der Brexit – aktuell hat die Wirtschaft mit vielen Unsicherheiten zu kämpfen. Inwiefern kann die NBank Unternehmen in wirtschaftliche schwierigen Zeiten noch unterstützen?
Wir bieten ein sogenanntes EEN-Netzwerk. Das ist das European Enterprise Network, ein EU-gefördertes Projekt mit Beratungsstellen in jedem EU-Land. Über dieses Netzwerk bringen unsere NBank-Berater in Hannover niedersächsische Betriebe mit anderen europäischen Unternehmen zusammen und schätzen den Markt vor Ort ein. Wenn ein Unternehmen zum Beispiel eine neue Kundengruppe erschließen möchte oder andere Lieferanten sucht, kann es sich dadurch breiter aufstellen, um sein Risiko zu streuen. Für die Unternehmen ist das kostenlos. Deutlich werben möchte ich auch für die Weiterbildungsförderung in Niedersachsen, kurz WiN. Gefördert werden neben den reinen Weiterbildungskosten auch Freistellungskosten. Das ist wirklich sehr, sehr interessant für die Unternehmen, die einen Zuschuss von 50 Prozent Zuschuss erhalten. Ein Kriterium ist, dass der Zuschuss mindestens 1.000 Euro betragen muss, nach oben gibt es keine Begrenzung.

Einen Überblick über die Förderangebote der NBank und Informationen zu Ansprechpartnern finden Sie unter www.nbank.de.