EU-Pauschalreiserecht: viel Aufwand, wenig Nutzen

Blich auf einen Tisch von oben. Ein aufgeschlagenes Notizbuch, ein Handy und ein Globus sind zu sehen.
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Die Bundesregierung hat bei der Reform des EU-Pauschalreiserechts versäumt, die Belange der Tourismusbranche ausreichend zu berücksichtigen.

Illustration von Ralf-Holger Gerlach Ralf-Holger Gerlach ist Geschäftsführer der deutschen DERPART-Reisebüros im Eigenvertrieb und Mitglied der IHK-Vollversammlung.

Illustration: L. Brixen

Ohne Zweifel ist die Tourismusbranche für mich persönlich das schönste Arbeitsfeld. Umso mehr freue ich mich, die Tourismuswirtschaft in der IHK-Vollversammlung vertreten zu können – was mich zu einem Thema bringt, von dem unsere schöne Branche leider nur allzu oft betroffen ist: bürokratische Hürden.

Das beste Beispiel dafür ist das neue EU-Pauschalreiserecht. Denn knapp ein Jahr nach Inkrafttreten im Juli 2018 zeigt die Praxis: Der Verbraucher ist nur minimal besser geschützt – die Ereignisse um die jüngsten Insolvenzen von Air Berlin oder Germania machen das deutlich – für die Reisebüros aber stellt die neue Regelung einen zeitaufwendigen und kostenintensiven Verwaltungsakt dar.

Weil vor allem ältere Kunden die notwendigen Formulare in digitaler Form nicht akzeptieren, fallen bis zu zwölf Seiten Papierflut pro Buchung an, vom Druckersmog ganz zu schweigen. Das ist auch ökologisch fragwürdig. Zudem werden Onlineportale dem Reisebüro gegenüber bessergestellt: Der Kunde muss im Internet lediglich ein Häkchen setzen, während die Reiseexperten vor Ort die Bedingungen pflichtgemäß erläutern und dann um eine Unterschrift bitten müssen. Ob der Kunde vorher gelesen hat, was er damit akzeptiert? In der Regel wohl nicht.  

Insgesamt also bringt das neue Reiserecht viel Aufwand, hohen ökologischen Schaden (847.000 Seiten Papier allein in unseren Reisebüros) und wenig echten Nutzen gegenüber der alten Regelung. Klar ist, dass es richtig war, die Pauschalreiserichtlinie an das digitale Zeitalter anzupassen und den Verbraucherschutz auszubauen. Die Bundesregierung hat aber leider versäumt, die Belange der Tourismusbranche ausreichend zu berücksichtigen. Hier sollte schnellstens nachgebessert werden.

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Mehr über das neue Reiserecht und weitere Brancheninformationen finden Sie auf der Website unserer IHK Lüneburg-Wolfsburg.