Frauen, vernetzt euch!

Porträt Sonja Bausch.
Foto: ihk/tonwert21.de
Sonja Bausch ist IHK-Beraterin für Unternehmensnetzwerke und hat 2015 den roten Salon gegründet, das IHK-Netzwerk für Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen.

Frau Bausch, Sie sind IHK-Beraterin, engagieren sich privat im Wirtschaftsförderverein, beim Rotary-Club Seevetal und sitzen im Stadtrat von Winsen (Luhe). Sie haben also jede Menge Erfahrung – auch mit gemischten Netzwerken. Netzwerken Frauen anders als Männer?
Ich denke schon, ja. Ich erlebe reine Frauennetzwerke als wesentlich offener und ungezwungener, als das in gemischten Netzwerken der Fall ist. Die Teilnehmerinnen sind sofort im Gespräch, knüpfen blitzschnell Kontakte. Wobei ich deutlich sagen muss: Sich ausschließlich in Frauennetzwerken zu bewegen, halte ich für falsch. Denn die Entscheidungsträger sind leider immer noch überwiegend Männer. Es ist also wichtig, sich auch mit ihnen zu vernetzen. Letztlich geht es ja um Kontakte, die uns weiter bringen – beruflich und persönlich.

Was macht ein gutes Netzwerk aus?
Das hat die erste Referentin des Roten Salons, die Unternehmensberaterin Christine Wolff, hervorragend zusammengefasst: Erstens sollte man Menschen in sein Netzwerk aufnehmen, die einem sympathisch sind. Sich mit jemandem zu vernetzen, mit dem man keine Ebene findet, nur weil diese Person einem nützlich sein kann, ist berechnend und hat nichts mit Netzwerken zu tun. Sympathie ist also Voraussetzung. Außerdem sollte eine gute Mischung unterschiedlicher Professionen im beruflichen Netzwerk vertreten sein. Als Faustregel gilt: Etwa ein Drittel Kollegen aus der eigenen Firma, ein Drittel Menschen, die in derselben Branche arbeiten und ein Drittel dürfen gern Menschen sein, die man beim Sport oder bei Veranstaltungen kennen gelernt hat, die aber beruflich in anderen Feldern unterwegs sind als man selbst.

Unsere IHK bietet ja zahlreiche Netzwerkveranstaltungen an. Warum haben Sie 2015 den Roten Salon als Netzwerk für Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen initiiert?
Ich bin für unsere IHK als Beraterin ja vorrangig im Landkreis Harburg unterwegs und als ich 2015 angefangen habe, habe ich schnell festgestellt, dass es ein solches Frauen-Netzwerk im Norden unseres IHK-Bezirks noch nicht gab. Im Heidekreis gibt es ein sehr gutes Unternehmerinnennetzwerk und auch im Süden unseres IHK-Bezirks, aber speziell im Landkreis Harburg gab es eine Lücke, die es zu schließen galt. Denn die aktuell viel diskutierte Parität ist auch für unsere IHK ein wichtiges Thema – auch bei der Besetzung der Vollversammlung. Oft aber zeigten sich Frauen eher zögerlich, wenn ich sie darauf ansprach, ob sie sich eine Kandidatur bei der IHK-Wahl vorstellen können. Bei vielen galt die IHK als Männerladen. Mit dem Roten Salon wollte ich zeigen, dass das absolut nicht der Fall ist.

Und ist Ihnen das gelungen?
Ich denke schon (lacht). Neulich fragte sogar eine Unternehmerin an, die Mitglied unserer IHK werden wollte, damit sie zum Roten Salon kommen kann. Sie war uns aber auch so willkommen. Regelmäßig nutzen mehr als 80 Frauen in Führungspositionen den Roten Salon zum Austausch. Viele spiegeln mir zurück, dass sie bei den Treffen tolle Kontakte knüpfen und neue Impulse erhalten, die sie inspirieren. Daraus entstehen dann oft auch Ideen für weitere Vorträge des Roten Salons. So war unter anderem bereits Coach und Autorin Diana Dreeßen Referentin, wir waren zum Thema Neukundengewinnung beim Autohaus Kuhn und Witte in Buchholz Nordheide und haben eine Delegation von Frauen aus dem Iran empfangen. Mit jedem Roten Salon setzen wir also neue Akzente, nur eines bleibt gleich: Wir Frauen sind unter uns.