Für den Job ins EU-Ausland

Anja und Jörn Packmohr von der Packmohr GmbH in Wrestedt
Foto: Packmohr GmbH

Bevor die Energietechnik Packmohr GmbH einen Mitarbeiter ins Ausland schickt, haben Anja Packmohr und ihr Team eine lange To-do-Liste abzuarbeiten: Zulassung für das Gewerk beantragen, dem Mitarbeiter eine Unterkunft suchen, Nachweis über den Sozialversicherungsschutz in Deutschland bei der Krankenkasse beantragen und Meldeformulare bei der jeweiligen Gemeinde im Ausland ausfüllen sind nur einige Aufgaben.  „Vier bis sechs Wochen sind wir mit der Vorbereitung beschäftigt“, sagt Packmohr, Personalerin, Finanz- und Qualitätsmanagerin des Unternehmens.

Der europäische Binnenmarkt ist der wichtigste Absatzmarkt für deutsche Unternehmen. Damit der Warenverkehr läuft und Aufträge vor Ort abgewickelt werden können, setzten Unternehmen 2016 mehr als 260.000 Mitarbeiter im EU-Ausland ein. Nach Angaben der Europäischen Kommission belegt Deutschland damit nach Polen europaweit Platz zwei bei Entsendungen – den bürokratischen Hürden zum Trotz.

Lohnendes Auslandsgeschäft

„Der Aufwand lohnt sich“, sagt Packmohr-Geschäftsführer Jörn Packmohr. Als vor zehn Jahren das Handwerk in Deutschland mitten in einer Auftragsflaute steckte, sicherte sich die Packmohr GmbH mit dem Auslandsgeschäft die Zukunft. Inzwischen gehen bis zu 60 Prozent des Unternehmensumsatzes auf das Auslandsgeschäft zurück. Die internationale Aufstellung hat dem Familienunternehmen aus der kleinen Gemeinde Wrestedt im Landkreis Uelzen den Niedersächsischen Außenwirtschaftspreis 2018 beschert. „Wir sind vor allem in Dänemark und Norwegen aktiv, aber auch in Österreich und in der Schweiz“, sagt  Jörn Packmohr. „Licht, Wasser, Wärme, Energie – wir installieren die gesamte technische Gebäudeausstattung in Ladengeschäften und Privathaushalten.“  Vier der 25 Mitarbeiter sind dafür aktuell im Ausland unterwegs.

260.000 Mitarbeiter

setzten Unternehmen 2016 im EU-Ausland ein

In Dänemark hat das Unternehmen erst kürzlich eine Aps – das ist das dänische Pendant für eine GmbH – gegründet. „Das macht vieles einfacher“, sagt Jörn Packmohr. Unter anderem die Reform der EU-Entsenderichtlinie im Oktober vergangenen Jahres, erlaubt nämlich jedem Land eigene Regelungen. Mit individuellen Auflagen haben viele Staaten innerhalb der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) seither besonders im Arbeits- und Sozialrecht Barrieren errichtet, um – durchaus legitim – Dumpinglöhne oder die Nichtbeachtung sozialer Standards zu verhindern.

Unterschiedliche Löhne und Meldefristen

Wenn Jörn und Anja Packmohr an die Debatte um den Mindestlohn in Deutschland denken, schütteln sie beide synchron die Köpfe. „Nicht nachvollziehbar“, sagt Jörn Packmohr. Arbeit sei in Deutschland so günstig wie in kaum einem anderen europäischen Land. „In Dänemark zahlen wir unseren Mitarbeitern 26 Euro pro Stunde, in der Schweiz 29 Euro zuzüglich Verpflegungspauschale. “ Vor Ort kontrollieren die Gewerkschaften und Baubehörden Löhne und Arbeitszeiten sehr genau.

In einigen Ländern müssen sich Mitarbeiter aus Deutschland vom ersten Tag an bei der zuständigen Behörde anmelden, in anderen Ländern gilt eine längere Meldefrist. Ebenso unterschiedlich sind die zuständigen Behörden und oftmals gelten besondere Auflagen für spezielle Tätigkeiten oder Branchen. Der deutsche Meisterbrief ist in vielen skandinavischen Ländern beispielsweise unbekannt. Deutsche Dienstleister müssen neben einem Handelsregistereintrag, einer Betriebshaftpflicht und der Zugehörigkeit zu einer Berufsgenossenschaft daher die jeweils landestypische Zulassung für das angebotene Gewerk nachweisen. Im Falle von Packmohr etwa Elektrotechnik, Sanitär und Heizung. „Wir haben uns deshalb für eine ISO-9001-Zertifizierung entschieden. Dieses Qualitätsmanagement ist für Kunden, Partner und Lieferanten ein weltweit anerkannter Beleg für unsere Kompetenz und Leistungsfähigkeit“, sagt Qualitätsmanagerin Anja Packmohr.

Übrigens: Änderungen bei den Meldepflichten der jeweils zuständigen Behörde gab es zuletzt beispielsweise in Belgien, der Schweiz, Österreich oder den Niederlanden. Wer gegen die teils neuen Vorgaben verstößt, riskiert hohe Strafen, die – wie in der Schweiz – sogar bis zum Wettbewerbsverbot führen können. In vielen Ländern drohen empfindliche Bußgelder. Frankreich, das zuletzt mit dem „Macron“-Gesetz („Loi Macron“) die Entsenderegelungen verschärft hat, straft Unternehmen bei Nicht-Einhaltung mit bis zu einer halben Million Euro ab. Nur ein Grund, warum Jörn Packmohr einen Auftrag in Frankreich abgelehnt hat. „Alles sollte in Landessprache eingereicht werden und wir hätten einen französischen Bürgen benennen müssen – das hätte sich alles nicht mehr gerechnet für uns.“