Generationenwechsel geglückt

Gruppenaufnahme vor dem Firmengebäude: Uta Hartmann steht im Hintergrund, vor ihr ihre Söhne Werner, Martin und Christian, denen sie jetzt das Familienunternehmen übergeben hat.
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Werner, Martin und Christian Hartmann (v.l.) haben die Geschäftsführung von ihrer Mutter Uta Hartmann übernommen.

loszulassen? Wollen die Kinder das Lebenswerk der Eltern fortführen oder eine neue Richtung einschlagen? Wer übernimmt welche Bereiche? Das sind, mal abgesehen von den rechtlichen und steuerrechtlichen Aspekten sowie unternehmerischen Entscheidungsoptionen, elementare Fragen – die man zum Glück aber nicht von heute auf morgen klären muss. „Nachfolge ist ein Prozess, kein Stichtag“, sagt Nachfolgeexperte Dr. Alexander Koeberle-Schmid, Partner von  Koeberle-Schmid & Unger Family Business Advisors.

„Nachfolge ist ein
Prozess, kein Stichtag“

Der Diplomkaufmann, Mediator und Coach berät seit 2005 Familienunternehmen im Nachfolgeprozess und sagt: „Wichtig
ist eine offene Kommunikation. Die Beteiligten müssen sich klar sein über ihre eigenen Motive, Zielsetzungen und Kompetenzen und das auch deutlich artikulieren.“ Von dieser Basis ausgehend könnten im nächsten Schritt das passende Nachfolgemodell gefunden und die entsprechenden rechtlichen und steuerrechtlichen Regelungen getroffen werden. „Und auch der familiäre und persönliche Prozess des Generationenwechsels ist komplex“, sagt Koeberle-Schmid. All das brauche Zeit, je nach Komplexität bis zu zehn Jahre.

Rund 18 Monate dauerte der Prozess bei der Hartmann Valves GmbH. Seit Januar leiten die Brüder Werner, Christian und Martin Hartmann das Unternehmen mit den Standorten in Ehlershausen und Celle. Die Geschäftsführung haben sie von ihrer Mutter Ute Hartmann und dem technischen Geschäftsführer Carsten Braun übernommen, allerdings arbeiten alle Brüder bereits seit Jahren in dem Unternehmen mit und kennen es von Kindesbeinen an.

Bei der Übergabe ließ sich die Familie von einem Anwalt und von einem Mediator beraten. „Der neutrale Blick von außen hat uns Stolpersteine aufgezeigt – und die entsprechenden Lösungen. Vor allem brauchten wir die Kompetenz auf der rechtlichen Seite. Immerhin tragen wir nicht nur die Verantwortung für das Familienunternehmen, sondern auch für unsere 150 Mitarbeiter“, sagt Werner Hartmann, der die Bereiche Vertrieb & Marketing und Service & Qualitätssicherung verantwortet. Christian Hartmann leitet die Abteilungen Konstruktion, Forschung & Entwicklung sowie Einkauf und Verwaltung. Martin Hartmann koordiniert Produktion, Logistik, IT und Modernisierungsprojekte.

Hartmann Valves fertigt Kugelhähne und Bohrlochköpfe für den weltweiten Markt in den Bereichen Erdöl, Erdgas, Petrochemie, Kraftwerkstechnik, Geothermie und erneuerbare Energien und erzielt damit einen Jahresumsatz von rund 25 Millionen Euro. Alle drei Geschäftsführer sind gleichberechtigt, zusätzlich hat das Unternehmen bereits vor einigen Jahren einen Beirat eingerichtet, der viermal im Jahr zusammenkommt und in dem neben den drei Geschäftsführern und ihrer Mutter auch ihre beiden jüngeren Geschwister sowie zwei externe, neutrale Mitglieder vertreten sind.

Einen Beirat empfiehlt auch Experte Koeberle-Schmid bei einer Nachfolge nach dem sogenannten Geschwistermodell, vor allem, wenn die Geschwister gleichberechtigt entscheiden: „Ansonsten stellt sich bei Uneinigkeit schnell die Cheffrage und der Konflikt ist programmiert.“

Familie Hartmann legte auch deshalb großen Wert auf klare Verantwortlichkeiten und Vereinbarungen. „Jetzt ist alles geregelt, mit Verträgen und Verfügungen“, sagt Werner Hartmann, dessen Mutter vorerst Inhaberin bleibt und ihren Söhnen bei Bedarf beratend zur Seite steht. Die Hartmann-Brüder sind die dritte Generation an der Spitze des Familienunternehmens, das ihr Großvater 1946 gegründet hatte. Hartmann: „Und wir haben jetzt schon im Gesellschaftervertrag die nachfolgende Generation berücksichtigt.“