Gute Fahrt Richtung Zukunft

Familie Egler
Foto: tonwert21.de
Karsten Egler, Ehefrau Ingrid und Sohn Marvin freuen sich über das 50-jährige Firmenjubiläum ihres Autohauses.

Als 2015 in unmittelbarer Nähe zu seinem Autohaus eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet wurde, da hat Karsten Egler nicht lange überlegt. „Wir müssen die beschäftigen“, sei sein erster Gedanke gewesen. Also hat der Kfz-Meister und Fußballtrainer beim FC Rosengarten spontan ein Fußballtraining organisiert. „Am ersten Abend standen da 25 junge Männer aus vielen Ländern und haben barfuß gekickt“, erinnert sich Egler lachend. Er besorgte Schuhe, stellte eine Mannschaft zusammen und setzte sich für die Integration der jungen Spieler in den Verein ein. Dafür wurde er mit dem Ehrenamtspreis des Deutschen Fußballbundes ausgezeichnet. Und: Er öffnete auch seinen Betrieb, beschäftigte Flüchtlinge als Praktikanten zu einem Zeitpunkt, als das noch kaum ein Arbeitgeber im Umkreis tat.

Autohaus integriert Geflüchtete

Dass die Bürokratie ihn viele Nerven kostete und einmal sogar der Zoll in der Werkstatt auftauchte, weil die Arbeitserlaubnis seines syrischen Auszubildenden falsch datiert war, darüber kann Egler heute hinwegsehen: „Es war ja für alle alles neu.“ Sein zweiter Azubi stammt aus Somalia und ist bis heute erfolgreich dabei, der erste war an der Zwischenprüfung gescheitert. „Er war technisch und handwerklich super drauf“, sagt der 55-Jährige, „aber die Sprache ist nun mal das größte Hindernis.“ Warum er sich so einsetzt? Egler ist kein Typ, der darüber viele Worte verlieren mag, außer: „Ich komme ja auch aus einer Flüchtlingsfamilie.“

Von der Tankstelle zum Autohaus

Erwin Egler war am Kriegsende aus Ostpreußen geflohen und hatte 1969 in Rosengarten seinen eigenen Betrieb eröffnet – eine Shell-Tankstelle mit Reparaturwerkstatt. In den Achtziger Jahren kamen Serviceverträge mit verschiedenen Auto-Herstellern hinzu, erst mit Lada, dann mit Isuzu, seit 1993 mit dem Ford-Konzern, mit dem auch der Neuwagenverkauf startete. Der Autohandel sei heute der schwierigere Part, sagt der Chef von neun Angestellten. Als kleiner Betrieb ohne Ausstellungsraum könne er gegen die Groß-Konkurrenz nicht mithalten. Aber Egler hat viele Stammkunden. „Mit denen fahre ich auch mal zum Haupthändler und suche das neue Fahrzeug aus.“ Nicht nur Ford-Kunden, sondern Autofahrer aller Fabrikate schätzen zudem die familiäre Atmosphäre im Betrieb, in dem Ehefrau Ingrid Egler die Buchhaltung verantwortet und Sohn Marvin Egler mittlerweile als Mechatroniker in der Werkstatt arbeitet.

Kundenservice ist Vertrauenssache

„Kunden binden kann man nur durch guten Service. Da geht es auch um Vertrauen“, sagt Egler. Daran arbeitet das Team mit neuer Technik wie dem Videocheck: Kunden geben ihr Auto morgens ab. Von auffälligen Stellen wird ein Video gemacht und versendet. „Dazu erhält der Kunde per SMS auch gleich einen Kostenvoranschlag. Das spart viel Zeit.“

Angesichts des anstehenden Wandels im Automobilsektor seien Investitionen schwierig, räumt Egler ein. Er schickt seine Angestellten zu Fortbildungen zum Thema Elektromobilität, zugleich sieht er Chancen in der Spezialisierung: „Oldtimer werden immer eine Werkstatt brauchen, in der man noch weiß, wie ein Vergaser eingestellt wird.“ Die nächste Generation zeichnet eine besondere Leidenschaft aus: Marvin Egler rüstet Serienfahrzeuge zu sportlichen Edelkarossen um. Sein Vater blickt jedenfalls gespannt in die Zukunft: „Wir wissen heute nicht genau, wie der Markt funktionieren wird. Aber wir versuchen alles, um den Spagat hinzubekommen.“

www.autohaus-egler.eu