Smartes Lernen im Heidekreis

Eine junge Frau mit weißem Bauhelm steht in einer Fertigungshalle mit vielen Bildschirmen und hält ein Tablet in Richtung Betrchter, auf dem Tabellen und Grafiken zu sehen sind.
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Das Projekt "Heidekreis digital" läuft noch bis zum 30. Juni, danach führt die Volkshochschule Heidekreis die Zusatzqualifikation „Digitale Kompetenzen“ im Bereich berufliche Bildung fort.

Der Auftrag: Betriebe bei den Anforderungen der Wirtschaft 4.0 unterstützen. Das Ziel: die duale Ausbildung an Digitalisierung und Automatisierung ausrichten. Das Team: Berufsbildende Schulen und Betriebe, Volkshochschule und Landkreis. Der Name: „Heidekreis-digital“. Seit drei Jahren läuft das Projekt, gefördert wird es aus Berlin und Brüssel. Denn was wir unter Wirtschaft 4.0 verstehen, ist ein dynamischer Prozess, der auch die berufliche Aus- und Weiterbildung betrifft.

Neue Methoden sind gefragt

Genau an diesem Punkt setzt „Heidekreis-digital“ an. „Wirtschaft und berufliche Bildung müssen sich der Entwicklung stellen, sie aktiv gestalten“, sagt Projektleiter Thomas Lembke. Die Halbwertszeit beruflich relevanten Wissens sei auf weniger als zwölf Monate gesunken, berufliches Wissen müsse ständig aktualisiert werden. Dasselbe gelte daher auch für die Bildungsangebote, also Settings, Methodik und Didaktik.

„Die Fabrik der Zukunft ist intelligent“, sagt Lembke. „Werkstück und Maschine kommunizieren eigenständig miteinander und steuern komplett vernetzt selbstständig die Produktion.“ Wie in der „Smart Factory“ an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Walsrode: Dort ist eine Fertigungsstraße entstanden, die den gesamten Prozess vom Auftrag bis zur Fertigstellung des Produkts nachstellt. Vor allem für angehende Elektroniker für Automatisierungstechnik sowie für Betriebstechnik ist das digitale Klassenzimmer interessant. Denn die Abläufe funktionieren nur, wenn die Schülerinnen und Schüler sie vorher korrekt programmiert haben. Die Anlage ist im Februar fertig geworden, kurz bevor die Schulen aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen wurden.

Lehrkräfte als Talent-Scouts

Weitere Säulen des Projekts: Lehrerinnen und Lehrer der Berufsbildenden Schulen (BBS) Walsrode und Soltau akquirieren als Talent-Scouts im Digitalen begabte Jugendliche für Betriebe, haben fast 1000 Gespräche geführt und mindestens 50-mal junge Leute mit Firmen gematcht. Außerdem sollen Auszubildende sich Zusatzqualifikationen unter dem Titel „Digitale Kompetenzen“ aneignen können. „Vieles läuft dabei online oder ist zum Selbstlernen“, erklärt Lembke. „Gerade jetzt während der Corona-Zeit lief vieles über Webinare.“ Besonders interessant sei das Modell für Betriebe der Elektro- und Metallbranche. Die Firma Röders Tec aus Soltau zum Beispiel habe einige Azubis in das Programm entsandt.  

„Heidekreis-digital“ wurde gefördert als Jobstarter plus-Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und Europäischem Sozialfonds. Es läuft noch bis zum 30. Juni dieses Jahres. Danach führt die Volkshochschule Heidekreis die Zusatzqualifikation „Digitale Kompetenzen“ im Bereich berufliche Bildung fort. Und die „Smart Factory“ wird, wenn die Schule wieder normal läuft, endlich Waren produzieren – auf intelligente Art.