Heldenhafte Hilfsfonds

Illustrationen des Alten Krans in Lüneburg, eines Wolfs mit Superman-Umhang, eines Klemmbretts mit einem Antrag und einer Hand mit Geld.
Illustration: finelittlepaper, Sandra Becker-Borrée
Auch in Wolfsburg, Lüneburg und Winsen (Luhe) lautet das Motto: #GemeinsamWirtschaftStärken.

Es ist ein Appell an den Zusammenhalt: „Stadt voll Helden – statt vollisoliert“ titelt die Kampagne der Wolfsburg Wirtschaft und Marketing GmbH (WMG). Mit Plakaten und in den sozialen Medien über den #stadtvollhelden ruft die WMG die Menschen in Wolfsburg dazu auf, ihre persönlichen Alltagshelden sichtbar zu machen und somit zu unterstützen.

Hilfsfonds und Kampagne #stadtvollhelden in Wolfsburg

„In dieser für alle herausfordernden Zeit kann jeder zum Helden werden – schon mit einfacher Rücksichtnahme, aber auch durch Hilfsangebote, wie es sie erfreulicherweise schon zahlreich gibt. Wir wollen nun noch mehr Menschen auf diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe aufmerksam machen“, sagt WMG-Geschäftsführer Dennis Weilmann, der auch erster Stadtrat in Wolfsburg ist.

Als die Kampagne Anfang April startet, bestimmt die Corona-Pandemie bereits das öffentliche Leben in Deutschland. Geschäfte müssen schließen, Unternehmer bangen um ihre Existenz – und die Helden-Botschaft spricht vielen aus dem Herzen: Zusammenhalten, sich gegenseitig und die lokale Wirtschaft unterstützen. Online trendet der Hashtag #supportyourlocalbusiness, zahlreiche Initiativen und Institutionen greifen die Idee auf, schaffen Online-Plattformen mit Gutscheinsystemen, die die coronabedingten Umsatzeinbußen in Handel, Gastronomie und im Dienstleistungsgewerbe abfedern sollen.

Gutscheine helfen Händlern in Winsen (Luhe)

Gutscheine helfen Winsen“ titelt die Aktion in Winsen (Luhe), die laut der städtischen Wirtschaftsförderung gut angenommen wird: 65 Unternehmen haben sich seit dem Start der Kampagne am 24. März registriert. In den vier Wochen danach wurden 231 Gutscheine verkauft und damit ein Gesamt-Umsatz von rund 12.000 Euro generiert. Darüber hinaus stellt die Stadt im Landkreis Harburg den Unternehmen seit Mitte April zusätzlich zu den Programmen von Bund und Land 125.000 Euro Soforthilfe zur Verfügung. Anträge sind möglich, solange das Geld reicht, Mitte Mai wurden bereits 78.000 Euro an 33 Unternehmen ausgezahlt.

Auch die WMG unterstützt die Unternehmen mit einem eigenen Hilfsfonds. Eine Million Euro hat Wolfsburg mit der „Soforthilfe Wirtschaft“ bereitgestellt, bis Ende April konnten ortsansässige Unternehmen bis zu 5.000 Euro beantragen. 275 Anträge konnten bewilligt werden, für 92 Anträge haben die Mittel nicht mehr gereicht. Stadtverwaltung und Politik suchen nach Lösungen. Ins Visier nehmen sie Mittel aus einem anderen Fonds, den die Stadt für Vereine aufgelegt hatte, der aber nicht so stark nachgefragt wurde. Bei Redaktionsschluss stand die Entscheidung des Verwaltungsausschusses noch aus, aber Erster Stadtrat Dennis Weilmann äußert sich optimistisch: „Ich bin zuversichtlich, dass wir somit alle unterstützen können, die fristgerecht einen Antrag gestellt haben und das Geld somit bei denen ankommt, die aktuell dringend Unterstützung benötigen.“

Anträge für Lüneburger Hilfsfonds noch bis zum 8. Juni

In Lüneburg können noch bis zum 8. Juni Anträge für den örtlichen Hilfsfonds „Wir für Lüneburg“ beantragt werden. Gefördert werden Betriebe mit Sitz in Lüneburg, die existenzbedrohende Einbußen infolge der Corona-Pandemie nachweisen können, mit einem einmaligen Zuschuss von bis zu 2.500 Euro. Insgesamt sind für den Fonds zunächst zwei Millionen Euro vorgesehen, Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge betont aber: „Eine konkrete Deckelung soll es nicht geben, sondern wir wollen jedem Betrieb, der nach den Förderrichtlinien für einen Zuschuss infrage kommt, diesen auch zukommen lassen.“

Voraussetzung für die Förderung ist, dass zuvor alle zur Verfügung stehenden Hilfen aus Landes- und Bundesmitteln ausgeschöpft wurden – Hilfen, die die Unternehmen dankbar angenommen haben. Die niedersächsische Förderbank NBank meldet am 14. Mai, dass mehr als 112.000 Anträge bewilligt und rund 737 Millionen Euro Soforthilfe ausgezahlt wurden. Das klingt viel, dennoch bedeutet das Geld nur einen kleinen Ausgleich, vor allem für die Betriebe, die durch Schließungen und Auflagen besonders schwer betroffen sind: Gastronomen und Einzelhändler. Und eben die dürfen nicht verloren gehen, sagt Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge: „Unser Ziel ist es, die Attraktivität der Hansestadt Lüneburg als lebenswertes urbanes Zentrum zu sichern und unsere Händler und Gastronomen dabei zu unterstützen, ihr Geschäft wieder aufnehmen zu können.“

Das Ziel: Attraktivität der Lüneburger Innenstadt zu sichern

Maßgebend für eine Förderzusage ist deshalb die Bewertung nach einem Punktesystem, in das unter anderem die Bedeutung des jeweiligen Betriebes für das Stadtleben sowie die Anzahl der Beschäftigten einfließen. Über die Vergabe der Zuschüsse entscheidet der Verwaltungsausschuss der Stadt Lüneburg auf Empfehlung eines Beirates. Bis Mitte Mai hat der Beirat über 49 von 140 eingegangenen Anträgen beraten, 40 davon wurden bewilligt und somit 100.000 Euro zur Auszahlung angewiesen. Der „Wir für Lüneburg“-Fonds ist also längst nicht erschöpft, oder, wie es von der Stadt heißt: weitere Anträge sind willkommen.