Herausforderung Azubi-Suche

Foto: Agentur für Arbeit Celle, Benjamin Bauch

„Reichlich Leerstellen, aber nicht genügend passende Bewerber.“ Das ist die Kurzeinschätzung des Ausbildungsmarkts 2018/2019 von Sven Rodewald, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Celle.

Von Oktober 2018 bis September 2019 nahm die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen im Vergleich zum Vorjahr um 45 Ausbildungsstelle zu und lag bei 2.142. Dem gegenüber hat sich die Zahl der Ausbildungsbewerber verringert. 2.204 Bewerber zählte die Agentur für Arbeit Celle – 255 Bewerber (-10,4 Prozent) weniger als im Vorjahreszeitraum. Ende September waren noch 142 Bewerber auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz und 157 Ausbildungsstellen unbesetzt.

„Die Herausforderung besteht darin, dass Betriebe und potenzielle Azubis zusammenfinden. Das ist leichter gesagt als getan, denn oft fällt es den Bewerbern schwer, einen Beruf zu finden, der zu ihren Interessen und Stärken passt, weil sie falsche oder keine Vorstellungen von den mehr als 300 Berufen haben, die IHK- und Handwerksbetriebe hier in der Region bieten“, sagt Sönke Feldhusen, stellv. Hauptgeschäftsführer unserer IHK. „Umso wichtiger ist es, Schülerinnen und Schüler bei der Berufsorientierung zu unterstützen.“ Unsere IHK widmet sich dieser Aufgabe bereits – zum Beispiel mit den Ausbildungsbotschaftern: Als IHK-Ausbildungsbotschafter geben aktuell rund 200 Azubis aus über 100 Unternehmen des IHK-Bezirks an Schulen der Region Einblicke in ihren Berufsalltag, berichten über persönliche Erfahrungen und beantworten die Fragen von Schülern auf Augenhöhe.

In der Regel gibt es noch ein sogenanntes „fünftes Quartal“ von Oktober bis Dezember, in dem sich noch einiges auf dem Ausbildungsmarkt tut: „Unsere Erfahrungen zeigen, dass viele derzeit noch freie Stellen in den letzten Monaten des Jahres besetzt werden können und im Gegenzug bislang unversorgte Bewerber einen Ausbildungsplatz oder eine Alternative finden“, sagt Sven Rodewald. Für Bewegung auf dem Ausbildungsmarkt sorgen zum Beispiel junge Frauen und Männer, die keinen Studienplatz erhalten oder eine weiterführende Schule abgebrochen haben und doch noch eine duale Berufsausbildung anstreben. Deshalb ist auch Günter Neumann, Leiter Berufliche Bildung bei der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, optimistisch: „Wir gehen derzeit davon aus, dass die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Handwerk zum Jahresende hin in etwa konstant bleiben wird.“

Sven Rodewald von der Agentur für Arbeit Celle appelliert: „Wer vermeintlich leistungsschwächeren Bewerbern eine Chance gibt, erhöht die Auswahl und erhält verschiedene Angebote der Arbeitsagentur. Wie bieten unterschiedliche Lösungen für mögliche Herausforderungen an, wie zum Beispiel die Einstiegsqualifizierung oder die ausbildungsbegleitenden Hilfen.“