„Herausforderungen gemeinsam angehen“

Porträt Julius von Ingelheim, Leiter Regionalstrategie und Standortenwicklung der Volkswagen AG und Vizepräsident unserer IHK.
Foto: ihk/tonwert21.de
Julius von Ingelheim ist Leiter Regionalstrategie und Standortenwicklung der Volkswagen AG und Vizepräsident unserer IHK.

Herr von Ingelheim, wie bewerten Sie die Arbeit des EPdU? Was war Ihr persönliches Highlight?
Die Veranstaltung ist eine sehr gute Möglichkeit,  direkt und vor Ort mit EU-Verantwortlichen zu sprechen und ihnen zu erläutern, was Unternehmer, Betriebe und Wirtschaft umtreibt. Unsere deutsche Delegation aus Vertretern von Industrie- und Handels- sowie Handwerkskammern hatte vorab ein Treffen mit EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger. Die Diskussion mit ihm widerlegte eindrucksvoll so manches Vorurteil, das gegen Brüssel und „die EU“ zu hören ist. Sein Appell, gerade an Deutschland, die EU ernster zu nehmen und nicht einfach in den nationalistischen Chor populistischer EU-Kritiker einzustimmen, hat bei uns allen nachgewirkt.

Kernthemen des Treffens waren die Handelspolitik, berufliche Kompetenzen und die Zukunft Europas. Welche Bedeutung haben diese Themen denn für die Unternehmen unserer Region?
Für mich hat sich bestätigt, dass diese Themenkomplexe entscheidend sind für die Zukunftsfähigkeit unserer Volkswirtschaft, unserer Unternehmen, vor allem aber für die Menschen, für uns Europäer. Protektionismus und Handelshemmnisse produzieren nur Verlierer. Gleiches gilt für Überregulierung. Zu oft richten sich pauschale Vorwürfe an Brüssel – bei genauerem Hinsehen kommen die missliebigen Vorschläge aber von den nationalen Regierungen. Wenn wir im globalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe bestehen und in Fragen der Digitalisierung und bei Zukunftstechnologien nicht abgehängt werden wollen, dann brauchen wir einen verlässlichen Rahmen – aber auch Gestaltungsfreiräume. Klar ist: Wir dürfen uns nicht auf den Errungenschaften und Erfolgen der Vergangenheit ausruhen. Die Zukunft gewinnen wir nur aktiv.

Was nehmen Sie aus Brüssel mit nach Wolfsburg?
Rückenwind und Zuversicht! Wir sind in Deutschland, in Niedersachsen und im Kammerbezirk Lüneburg-Wolfsburg gut aufgestellt. Nach wie vor hat unser duales Ausbildungssystem Vorbildcharakter, genießt insbesondere unsere mittelständische Wirtschaft europaweit enormes Ansehen. Die Bereitschaft ist groß, Herausforderungen gemeinschaftlich und engagiert anzugehen. Dies bestärkt mich in der Auffassung, dass wir gemeinsam stärker sind und wir zusammen mehr erreichen. Europa ist unser Garant für Stabilität und Frieden sowie unsere Chance für Wohlstand und Wirtschaftskraft. Schon deshalb sind wir alle aufgerufen, unser Wahlrecht wahrzunehmen und die EU bei den Europawahlen 2019 gezielt zu stärken!