Hier gelingt Digitalisierung

Digitale Orte in Niedersachsen
Foto: shutterstock.com

Wer Digitalisierung vorantreiben will, nimmt Mühen in Kauf. Egal, an welchem Ort. Um auf dieses Engagement aufmerksam zu machen, hat das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung die Auszeichnung „Digitale Orte“ ins Leben gerufen. Denn an diesen Orten gelingt Digitalisierung.

Das Ministerium zeichnet Initiativen, Projekte und Einrichtungen aus, die den digitalen Wandel aktiv mitgestalten. Das können Schulen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen sein, Start-ups, kleine und mittelständische Unternehmen ebenso wie Industriebetriebe, Handwerksbetriebe, karitative Einrichtungen und andere Institutionen.

Bei der Auswahl der Auszeichnungen geht es nicht nur darum, dass die Ausgewählten sich im Kontext der Digitalisierung besonders verdient gemacht haben und außergewöhnliches Engagement zeigen. Sondern auch, dass sie bereit dazu sind, andere Menschen und Institutionen über ihren Weg der Digitalisierung zu informieren.

Die Jury besteht aus Vertreterinnen und Vertretern des Innovationszentrums Niedersachsen, der Digitalagentur Niedersachsen und der Stabsstelle Digitalisierung. Den Vorsitz hat Staatssekretär Stefan Muhle.

Mehr als 80 Bewerbungen waren bis Redaktionsschluss Ende August eingegangen, vier der insgesamt 39 ausgezeichneten digitalen Orte liegen in unserem IHKLW-Bezirk. Es können mehr werden! Der nächste Stichtag für die Einreichung von Bewerbungen ist der 15. November 2020.

digitalagentur-niedersachsen.de/digitale-orte

 

Auf dem Weg zur Pharma­fabrik der Zukunft: 
Werum IT Solutions GmbH (Körber Pharma Software)

Rund 20 Prozent der Chargenabweichungen in einer Pharmafabrik sind auf menschliche Versäumnisse zurückzuführen. Denn papierbasierte Fertigungsabläufe sind nicht nur langsam und kostenintensiv, sondern eben auch fehleranfällig. Die Werum IT Solutions GmbH aus Lüneburg, jetzt Körber Pharma Software, will das ändern. Die Entwickler sorgen dafür, dass in der Pharmafabrik der Zukunft sämtliche Prozesse in der Produktion digital erfolgen, statt auf Papier.

Das Unternehmen hat dafür ein ganzes Paket aus Software entwickelt und über die Jahre optimiert: PAS-X ist ein funktional vollständiges Manufacturing Execution System und wird durch umfangreiche Tools für Beratung, Training und Support ergänzt. PAS-X führt Bediener sicher durch den Produktionsprozess und dokumentiert dabei jeden Schritt – es hilft also, Mängel zu vermeiden und Chargenabweichungen zu minimieren.

In der aktuellen Corona-Situation werde „einmal mehr deutlich, wie wichtig elektronische, softwarebasierte Produktionsmanagementsysteme als Kernstück einer digitalen Pharma-Fabrik 4.0 sind“, sagt Geschäftsführer Jens Woehlbier.

Gegründet vor 50 Jahren als Zwei-Mann-Büro in einem Einfamilienhaus, ist die Firma mit PAS-X heute Weltmarktführer in ihrem Bereich. Doch natürlich geben sich die Entwickler damit nicht zufrieden. Sie arbeiten kontinuierlich weiter an Innovationen, um alle Ebenen der Fertigung zu digitalisieren. Außerdem teilt das Unternehmen seine digitale Kompetenz mit Forschungseinrichtungen und Hochschulen.

www.werum.com

 

Selbstorganisiert beruflich lernen:
Carl-Hahn-Schule Wolfsburg

Ein offener Lernort namens „LeO“ und eine Digital-Work-Station: Damit will die Carl-Hahn-Schule in Wolfsburg ihre Schülerinnen und Schüler auf die veränderten Anforderungen der Arbeitswelt vorbereiten. Die kaufmännisch berufsbildende Schule passt ihre Bildungskonzepte fortlaufend den Veränderungen der Berufsbilder an.

„Schülerinnen und Schüler der Carl-Hahn-Schule sollen ihre Lebens- und Arbeitswelt bewusst mitgestalten können“, sagt Schulleiterin Sabine Fredersdorf-Crome. „Dazu gehört heute zwingend auch das Verständnis um digitale Tools. Maschinen sind nicht intelligent, wir Menschen programmieren und gestalten.“

Im offenen Lernzentrum können Schülerinnen und Schüler auch außerhalb des Unterrichts arbeiten und lernen, zum Beispiel mit Tutorials von der schulinternen Plattform. In der Digital- Work-Station arbeiten sie mit verschiedenen mobilen Endgeräten und digitalen Tools.

Im Hintergrund steht das Konzept des selbstorganisierten Lernens: Denn auch die Unternehmen, in denen die jungen Leute später arbeiten werden, erwarten von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine hohe Motivation zur selbstständigen und berufsübergreifenden Weiterbildung.

So geht es der Schule nicht nur um die Vermittlung der digitalen Technik und den Umgang mit fachspezifischer Software. Es geht insbesondere auch um die Stärkung der nötigen Softskills: Kooperationsfähigkeit, analytisches und innovatives Denken sowie die Fähigkeit zum lebenslangen Lernen. Denn auch die braucht es auf dem Weg zur Digitalisierung.

www.chs-wolfsburg.de

 

Von der Theorie in die Praxis:
Online Marketing Konferenz von web-netz

Die Theorie aus der universitären Lehre mit der Praxis in der deutschen Wirtschaft zu verbinden: Das ist das Ziel der Online Marketing Konferenz (OMK), die seit 2012 in Lüneburg stattfindet. Es geht um Themen wie Social Media, Big Data, Amazon-Marketing, Künstliche Intelligenz, Suchmaschinenoptimierung, Voice Search, Influencer Marketing, Start-ups und Sportmarketing. Die Konferenz hat keinen kommerziellen Charakter, sondern will ausschließlich dem Wissensaustausch dienen. Zielgruppe sind Marketingverantwortliche genauso wie Gründer und Studierende.

Ins Leben gerufen hat die Konferenz die web-netz GmbH: gegründet 2009 als Zwei-Mann-Betrieb im Keller des Gründungs- und Innovationszentrums e.novum in Lüneburg und heute Agentur mit 120 Mitarbeiterinnen und Mit­arbeitern.

„Wir möchten die digitale Zukunft formen“, sagt web-netz Geschäftsführer Patrick Pietruck. „Neben dem Austausch über die Digitalisierung in Kommunikation und Marketing, bildet vor allem die Wissensvermittlung in Vorträgen und Masterclasses den Schwerpunkt der Online Marketing Konferenz. Wir freuen uns, dass unser Bestreben mit der Auszeichnung als ‚Digitaler Ort‘ vom Land Niedersachsen gewürdigt worden ist.“

Kooperationspartner von web-netz ist die Leuphana Universität, unsere IHK Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) unterstützt als Sponsor. 2019 verzeichnete die Konferenz den Besucherrekord von mehr als 1.500 Gästen aus zehn Bundesländern.
Apropos digital: 2020 fand die OMK corona-bedingt erstmals ausschließlich online statt.
www.web-netz.de       www.omk.live

 

Flächendeckend schnelles Internet:
Glasfaser-Initiative Schwarmstedt

Es war einmal eine DSL-Initiative. Die wurde vor mehr als zehn Jahren gegründet und hatte einen flächendeckenden Breitbandausbau mit DSL in der Samtgemeinde Schwarmstedt, Landkreis Heidekreis, zum Ziel. Dieses Ziel ist längst erreicht. Doch das ist für die Bürgerinitiative kein Grund, mit ihrem Engagement aufzuhören. Denn jetzt steht der Ausbau mit Glasfaser auf der Tagesordnung.

Als Björn Gehrs die DSL-Initiative 2009 gründete, war er Bürgermeister der Gemeinde Buchholz (Aller). Seit 2011 ist Gehrs Samtgemeindebürgermeister und noch immer ehrenamtlich engagiert, jetzt für die folgerichtig umbenannte Glasfaser-Initiative. „Ich rechne damit, dass wir in zwei bis drei Jahren alle Orte ans Glasfasernetz angeschlossen haben werden“, sagt Gehrs. „Und das weitgehend ohne öffentliche Mittel, sondern privatwirtschaftlich. Durch gesellschaftliches Engagement und gemeinsames Vorgehen. In Schwarmstedt ist es gelungen, Digitalisierung als Bürgerbewegung aufzustellen. Das gibt es andernorts so nicht. Dass wir dafür diese Auszeichnung erhalten, macht uns stolz.“ Die jüngste Ausbauzusage stehe für Bothmer, als nächstes werde Schwarmstedt selbst an der Reihe sein.

Zeitweilig fanden sich so viele Menschen und Vereine in der Initiative wieder, dass sie zur größten Bürgerbewegung der Samtgemeinde wurde. Besonders bemerkenswert: Ausreichend Haushalte für einen Glasfaser-Ausbau gibt es auch in Gemeinden, in denen es bereits VDSL mit Bandbreiten bis 100 MBits gab. Doch sie wollten eben noch schneller ins Internet.

www.glasfaser-initiative-schwarmstedt.de