Immer in Bewegung

Jens Kruse, Geschäftsführer und in Anzug, auf seinem Parkplatz mit drei weißen LKWs im Hintergrund.
Bd KL JK, privat
Geschäftsführer Jens Kruse leitet die Kruse Spedition GmbH & Co. KG in vierter Generation.

Er ist kein Mann der Umwege: Wer bei der Spedition Kruse die Nummer der Geschäftsführung wählt, landet nicht im Vorzimmer, sondern hat den Chef sofort am Telefon. Jens Kruse möchte immer ansprechbar sein – für Kunden und Mitarbeiter gleichermaßen. Dabei leitet der 60-Jährige in vierter Generation ein Unternehmen mit 150 Angestellten. Da gibt es natürlich Ansprechpartner für jeden Bereich. Doch Kruse hält viel vom direkten Draht: „Im persönlichen Gespräch lassen sich Dinge immer noch am besten klären.“

Ein Fokus liegt im Bereich der Lebensmitteltransporte

Die Abhängigkeit von einem Großkunden sollte verringert werden, also mussten neue Geschäftsfelder her: Kruse baute den Bereich der Lebensmitteltransporte kräftig aus. Heute zählt das Unternehmen die Branchen-Riesen Edeka, Netto, Penny, Rewe und etliche Lebensmittelproduzenten zu seinem Kundenstamm. Aus den Zentrallagern wird die Ware an die Supermärkte im norddeutschen Raum ausgeliefert und umgekehrt von den Produzenten zu den Zentrallagern verbracht. Das familiäre Klima ist wesentlicher Teil einer Unternehmenskultur, die sich durch stolze 125 Jahre zieht. Früher ganz automatisch: Als Heinrich Friedrich Kruse 1895 in Walsrode an den Start geht, da packt er selbst und später seine Söhne so ziemlich alles auf das Gespann mit einem PS, was sich von A nach B transportieren ließ – Hausrat genauso wie Stückgut.

Familäres Klima als Teil der Unternehmenskultur

Das Geschäft läuft, Kruse wird zum „Bahnamtlichen Rollfuhr-Unternehmer“ der Königlichen Eisenbahn geadelt und ist in Spitzenzeiten mit bis zu 30 Lastenpferden unterwegs. Später werden sie ersetzt durch Motorkraft, womit sich Kruse zur zugkräftigen Spedition und zum renommierten Umzugsunternehmen entwickelt. Der Krieg stoppt die Flotte jedoch jäh: Die sechs Lkw werden beschlagnahmt, nur notdürftig kann Gründersohn Ernst Kruse das Geschäft fortführen. Dessen Sohn Heinrich Friedrich gelingt es dank des Wirtschaftsbooms in den Fünfzigerjahren, die Spedition wieder ganz neu aufzubauen.

Als Jens Kruse nach Studium und Tätigkeit bei einer großen Spedition 1991 in den väterlichen Betrieb zurückkehrt, sind die Herausforderungen groß: „Das Unternehmen stand bescheiden da und verdiente kaum noch Geld. Ich habe lange überlegt, ob ich das überhaupt mache.“ Doch die Familienbande siegen schließlich – Kruse hängt seine Zukunft in einer Großspedition an den Nagel. Der bodenständige Machertyp mit besten Branchenkenntnissen krempelt fast alles um. „Wir wollten die Richtung selbst bestimmen und dafür mussten wir uns ändern.“

Jedes Jahr bildet die Spedition fünf Azubis aus

Neben Haushaltsumzügen setzte Kruse dazu den Fokus auf den Transport von Laden-, Hotel- und Klinikeinrichtungen für gewerbliche Kunden. Parallel wurden die Lagerflächen auf 6.500 Quadratmeter erweitert und die Speditionssparte europaweit ausgebaut. So aufgestellt kann Kruse heute mit 65 Lkw maßgeschneiderte Logistikdienstleistungen anbieten. Was drückt ist nicht die Auftragslage, sondern der Fachkräftemangel – Berufskraftfahrer gilt  nicht gerade als Traumjob. Kruse steuert nach Kräften dagegen, sucht persönliche Kontakte bei Berufsfindungsmessen und investiert in die Umschulung ausländischer Fahrer. „Uns gelingt es, jedes Jahr etwa fünf Auszubildende zu finden. Mehr gibt der Markt leider nicht her.“ 

Der Nachwuchs an der Spitze ist unterdessen schon an Bord: Jannes Kruse (28) ist gerade nach Studium und ersten Berufsschritten bei einer Spedition in das Unternehmen eingetreten. Klar, dass Vater und Sohn auch für den Übergang eine Strategie entwickelt haben, bei der sie sich von einem externen Berater begleiten lassen. Ein Zukunftsprojekt, nämlich die Erweiterung der Lagerflächen, liegt bereits in den Händen der nächsten Generation. Die hat ebenso klare Ziele wie der Vater: „Wir haben eine sehr gute Ausgangslage und wir wollen weiterwachsen“, sagt Jannes Kruse. „Was mich aber genauso reizt, ist dabei den Mehrwert zu sehen und Menschen einen erfüllenden Arbeitsplatz zu sichern.“