Briten-Abzug gibt Heide Schwung

Zwar stehen noch Wohnblocks und Geschäfte leer, das befürchtete Schreckensszenario für die Lüneburger Heide nach Abzug der britischen Streitkräfte aber hat sich nicht bewahrheitet. Eineinhalb Jahre nach dem letzten Appell der Rheinarmee in Bad Fallingbostel und Bergen blicken beide Städte optimistisch in die Zukunft, der Verlust von Kaufkraft, Arbeitsplätzen und Einwohnern trat nicht wie befürchtet ein. Im Gegenteil: Bergen verzeichnet ein Bevölkerungswachstum und in Bad Fallingbostel ist aus der Kaserne ein dauerhaftes Ankunftszentrum für Flüchtlinge mit Erstaufnahmestelle geworden – mit vielen neuen Arbeitsplätzen.

„Der prognostizierte demografische Wandel findet im Augenblick nicht statt, wir haben Zuwanderung und Zuzug“, sagt Bergens Bürgermeister Rainer Prokop (CDU). Dies hänge nicht nur mit den vergleichsweise preiswerten Immobilien zusammen, die nun nach Wegzug der Briten verfügbar seien. Viele Interessenten erkundigten sich auch nach der Infrastruktur in der Kleinstadt – Schulen, Kindergärten und Einkaufsmöglichkeiten seien vorhanden, stellten viele dann fest. „Die kommen aus ganz Deutschland und wollen sich Eigentum anschaffen, in den Ballungsräumen können sie sich das nicht leisten, hier ist es bezahlbar.“

Auf einem der Neubürgerempfänge sei er auch mit einem von Hannover zugezogenen Familienvater ins Gespräch gekommen. Dieser pendele nun zur Arbeit, damit seine Kinder statt in der Großstadt in ländlicher Umgebung aufwachsen, sagte Prokop. Während die Einfamilienhäuser der Briten leicht zu verkaufen waren, sollen ältere Mehrfamilienblocks teils abgerissen – aber wohl auch in größerem Umfang als geplant modernisiert werden. Bei der mit Fördermitteln unterstützten Modernisierung arbeitet Bergen erfolgreich mit einem Berliner Hauptinvestor zusammen. „Es geht gut voran“, bilanziert Prokop.

Viel Kopfzerbrechen bereitete beiden Städten zunächst die Nutzung der Kasernengelände. In Bad Fallingbostel hat der Flüchtlingszuzug zu einer unverhofften Lösung geführt, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, die Landesaufnahmebehörde und die Arbeitsagentur haben sich dauerhaft in den Gebäuden angesiedelt. „Das ist für uns schön, dass dadurch Menschen wieder in Lohn und Brot sind und die Fachkräfte zum Teil auch zu uns in den Ort gezogen sind“, sagte Bürgermeisterin Karin Thorey (parteilos).

Die Kaserne in Bergen wird unterdessen wieder von Soldaten genutzt. Ein Panzerbataillon der Bundeswehr, zu dem auch holländische Truppenteile gehören, ist dort inzwischen eingerückt. Zumindest einige der Niederländer wohnen auch in Bergen.

In Bad Fallingbostel sind 900 Wohnungen in heruntergekommen Blocks zum Abriss vorgesehen, auf den Flächen soll hochwertiger Wohnraum sowie ein Gewerbegebiet entstehen. „Das läuft erfreulich gut, besser als wir gedacht haben», meint Thorey. Auch die Haupteinkaufstraße soll mit staatlichen Fördermitteln modernisiert werden, damit sie für den Einzelhandel attraktiver wird. „Wir haben ein Programm aufgelegt, um Gründer zu unterstützen“, sagte die Bürgermeisterin. „Beide Kommunen befinden sich wirklich auf einem sehr guten Weg“, sagte auch der zuständige Konversionsmanager Thomas Rekowski. Die gute Zusammenarbeit mit den Ministerien in Hannover, die den Wandel unterstützen, sei dabei eine wichtige Hilfe. Und für die Arbeitsagentur in Celle ist der Britenabzug mit seinen Auswirkungen auf die Zivilbeschäftigten inzwischen neue Arbeit gefunden, sagte ein Sprecher.

Michael Evers