„Wir stehen am Anfang eines Prozesses“

Herr Kahle, wie kam es zu den Überlegungen, enger mit der IHK Braunschweig zusammen zu arbeiten?
Im Herbst 2016 haben der Präsident der IHK Braunschweig, Helmut Streiff, und ich angefangen zu überlegen, wie wir unsere Kammer für die Zukunft aufstellen wollen. Wir haben über die gemeinsamen Themen, die zu erwartende Veränderung in der Wirtschaft und die damit verbundenen Herausforderungen für die IHK’s gesprochen. Am Ende dieser Diskussion waren wir beide zur Überzeugung gekommen, dass auf die IHK-Welt gewaltige Herausforderungen zukommen und Helmut Streiff hat angeboten, dass die IHK Braunschweig und die IHK Lüneburg-Wolfsburg diese Themen gemeinsam bearbeiten. Wir beide haben in den ersten Vorüberlegungen so viele Gemeinsamkeiten erkannt, dass wir natürlich auch die Frage geprüft haben, ob eine Fusion am Ende einer solchen Diskussion denkbar sei. Und diese Frage haben wir mit „Ja“ beantwortet. So fing alles an und wenn man sich ganz nüchtern die Sachthemen anschaut, dann wird man auch zu der Überzeugung kommen, dass jetzt eine gute Zeit ist die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Was wurde auf der Vollversammlung am 9. März beschlossen?
Mit einer Drei-Viertel-Mehrheit hat die Vollversammlung beschlossen, dass eine Arbeitsgruppe sich den eben beschriebenen Themen widmen wird und dass man ohne Festlegung auf ein Ergebnis alle denkbaren Varianten prüft. Drei-Viertel der Vollversammlungsmitglieder sind also für einen zukunftsweisenden Diskussionsprozess. Das macht Mut und ist Aufforderung auf die Minderheit zu achten und deren Meinung nicht zu vernachlässigen. Doch dafür sorgt schon die Besetzung der Arbeitsgruppe. So dass auch die schärfsten Kritiker zu Wort kommen können. Wir stehen also am Anfang eines Prozesses.

Warum wurde „zurückgerudert“?
Weil die öffentliche Debatte ein verzerrtes Bild vermittelt hatte. Viele Vollversammlungsmitglieder hatten das Gefühl das alles entschieden sei. Dem war aber nicht so. Nur außenstehende Politiker, die sich noch nie um die IHK gekümmert haben, haben dieses Bild so dargestellt. Wir fangen die Prozess jetzt ganz von vorne an, mit der Vollversammlung zusammen. Das ist eine gute Basis für alle weiteren Entscheidungen.

Was steckt hinter der Idee einer „Arbeitsgruppe Kooperation?
Ich bin der festen Überzeugung, dass die gewaltigen Herausforderungen wie zB Industrie 4.0 uns dazu zwingt, viel enger zusammen zu arbeiten. Die Wirtschaft wird sich stärker vernetzen. Schon schließen sich Unternehmen zusammen, die gestern noch Konkurrenten waren. Diese Entwicklung wird an den IHKs nicht vorbeigehen. Wir werden besser, schneller und kostengünstiger arbeiten müssen. Diese Aufgabe kann unsere IHK nicht alleine bewältigen, wenn sie auch in Zukunft ein akzeptierter Partner der Wirtschaft bleiben will. Also müssen wir viel enger mit den Nachbarkammern arbeiten. Wie das gehen soll, wie diese Prozesse aussehen werden und wie wir dauerhaft unsere politische Wahrnehmung verbessern können, dass alles werden wir in der Arbeitsgruppe besprechen.

Wie geht es jetzt weiter?
Wir werden mit einem ersten Workshop beginnen. Ich gehe mal davon aus, dass jeder Teilnehmer erst einmal seine persönlichen Erwartungen an den Prozess artikulieren wird, und dann werden wir eine Arbeitsebene finden müssen. Ob wir uns dann in kleine Gruppen aufteilen, ob wir noch Experten hinzuziehen oder alles in der großen Gruppe besprechen, werden wir zeitnah entscheiden 

Wie ist der Zeitplan?
Bis zur Vollversammlung im September müssen wir Ergebnisse der Vorüberlegungen präsentieren. Danach entscheidet die Vollversammlung in welcher Richtung es weitergehen soll. Der Präsident der IHK Braunschweig hat mitgeteilt, dass er Verständnis für unseren Prozess hat und Braunschweig die Klärungsprozesse in unserer IHK abwarten werde.