Durchstarten

Hannes Gürlich hat seinen Notizblock vor sich, einen Bleistift in der Hand, Getränke und Kekse in Reichweite. Der 15-jährige Gymnasiast sitzt an einem grauen Tisch, rückt seine Brille gerade und lässt sich tief in seinen Stuhl sinken. Der Beginn eines Schultages, der ganz anders abläuft als üblich. Denn Hannes Gürlich sitzt nicht in einem Klassenraum, sondern in einem Tagungsraum des Lüneburger IT-Unternehmens Werum IT Solutions. Er ist Teil einer zehnköpfigen Gruppe, die für einen Tag Tafel gegen Flipchart und Schulbank gegen Besprechungstisch tauscht. Möglich macht es das Projekt startup@school. „Wir vernetzen Schülerfirmen mit Unternehmen aus der Region“, sagt IHK-Beraterin Kerstin Kruschinsky. „Viele Betriebe haben Probleme, qualifizierte Auszubildende zu finden. Und Schüler wissen oft nicht, welche Berufschancen sie haben. Diese Lücke wollen wir schließen.“

Starup@school läuft seit vier Jahren Jahren unter der Regie der Human Circle Consulting GmbH und unserer IHK. Kerstin Kruschinsky bringt Unternehmen und Schulen zusammen – und hält die Partnerschaften am Leben. Die Beteiligten besuchen sich gegenseitig und lernen sich ganz unkompliziert kennen. Eingebettet sind die Praxistage in einen Lehrplan, der durch das Projekt vorgegeben wird. Insgesamt zehn Module warten auf die Schüler. Schritt für Schritt beschäftigen sie sich mit den Grundlagen wirtschaftlichen Denkens und Handelns: von der Geschäftsidee bis zum Businessplan, von Nachhaltigkeit und Personalfragen bis hin zu Kommunikation und Marketing. „Wir stellen den Schülern Handbücher zur Verfügung“, sagt Kerstin Kruschinsky: „Und wir testen ihr Wissen am Ende jedes Moduls mit einem schriftlichen und einem mündlichen Test.“ Zur Belohnung gibt es ein IHK-Zertifikat – und die Aussicht auf bessere Berufschancen.

Hannes Gürlich hat bereits einige IHK-Zertifikate in der Tasche. Der Zehntklässler engagiert sich seit zwei Jahren in der Schülerfirma „Bernieware“ des Bernhard-Riemann-Gymnasiums in Scharnebeck, bewirbt und verkauft Apfelsaft. Seine Kollegen kümmern sich um andere Geschäftszweige: Sie verkaufen zum Beispiel T-Shirts oder pflegen und entwickeln ein Online-Schüler-Feedback-Tool. Immer mit dabei: startup@school. In Form der Handbücher, die die Schüler nach und nach bearbeiten. In Form der IHK-Prüfungen. Und vor allem in Form der Besuche bei Werum IT Solutions im Lüneburger Stadtteil Moorfeld. „Ich finde es total spannend, hier zu sein“, sagt Hannes Gürlich: „Die Atmosphäre ist toll. Alle sind entspannt und nett.“ Für diesen positiven Eindruck sorgt vor allem Werum-Mitarbeiter Michael Menges, der die Schüler einen ganzen Tag lang rundum betreut – von der ersten Begrüßung bis zur Betriebsbesichtigung. „Meine Kollegen und ich geben den Schülern gern Einblick in unser Unternehmen und unsere Arbeitsabläufe – unabhängig davon, ob sie später bei uns arbeiten wollen“, sagt Menges: „Wenn wir den einen oder anderen für eine IT-Ausbildung bei Werum IT Solutions begeistern können, wäre das natürlich ein positiver Nebeneffekt.“ Denn wer sich einen Namen unter Jugendlichen macht, kann später auf viele Bewerbungen und auf dringend benötigte Fachkräfte hoffen.

Talente im IT-Bereich sind umworben. Werum IT Solutions muss sich dem Wettbewerb um geeignete Köpfe stellen. „Wir konkurrieren ganz klar mit Hamburg und anderen Großstädten“, sagt Menges: „.“ Werum IT Solutions hat die Zeichen der Zeit erkannt und präsentiert sich mehr denn je als attraktiver Arbeitgeber – zum Beispiel als Patenunternehmen für den Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ und als Teilnehmer im startup@school-Projekt. „Vor allem aber bieten wir nette Kollegen, sichere Arbeitsplätze, tolle Arbeitsbedingungen und gute Aufstiegschancen“, sagt Menges, der die Schüler bei einem Rundgang über den grünen Campus mit lichtdurchfluteten, modernen Büros und einer neu erbauten Kantine mit Außenterasse beeindruckt. Schüler-Fragen zu einer möglichen Ausbildung lassen dabei nicht lang auf sich warten. „Bei Bewerbungen zählt das Gesamtbild. In ausgewählten Fächern wie Mathematik, Physik und Englisch setzen wir gute Noten voraus. Aber entscheidend ist vor allem auch die Motivation und das Engagement.“ Und soziale Kompetenz. Diese Themen hat auch startup@school auf dem Schirm: Das aktuellste Handbuch der startup@school-Handbücher beschäftigt sich mit den Grundlagen sozialer Kompetenz. Das Heft beinhaltet Beschreibungen und Aufgaben rund um Umgangsformen, Ehrlichkeit, Körpersprache und Toleranz. „Pädagogen und Unternehmer haben das Handbuch entwickelt und umgesetzt. Es gab dazu Workshops und unzählige Abstimmungsrunden“, sagt Kerstin Kruschinsky. Mit dabei: Michael Menges von Werum IT Solutions, der dieses Thema mit den Schülern bei ihrem Besuch vor Ort ganz ungezwungen auf den Tisch bringt. Zum Beispiel im Gespräch mit Vertretern des Betriebsrats, die aus erster Hand über das gekonnte Kommunizieren, Streiten und Argumentieren berichten. „Ein toller Tag“, sagt Hannes Gürlich am Ende der Veranstaltung: „Der Blick hinter die Kulissen war echt interessant. Mal sehen, was noch so kommt.“

Weitere Informationen: www.ihk-lueneburg.de/startupatschool

Rundgang bei Werum in Lüneburg
Michael Menges gibt Schülern Einblick in das Unternehmen Werum
Startup@school bei Werum in Lüneburg