Ende der Globalisierung?

Der deutsche Außenhandel hat sich in diesem Frühjahr als wesentlicher Motor der deutschen Konjunktur gegen alle Bedenken bestätigt. Aber wird das so bleiben? Selten war die Unsicherheit für die Exportwirtschaft größer als heute: In den USA gilt seit der überraschend ausgegangenen Wahl im Herbst 2016 die Devise „America first“. Das NAFTA-Abkommen wird neu ausgehandelt, Strafzölle ernstzunehmend diskutiert. Gleichzeitig verhandelt Großbritannien mit der EU über seinen Austritt und wählt am 8. Juni ein neues Parlament, das dann voraussichtlich die Premierministerin in diesem Prozess unterstützen wird. Kurz darauf wählen die Franzosen eine neue Nationalversammlung und entscheiden damit auch über die Möglichkeiten des neuen Präsidenten, eine Reformagenda für sein eigenes Land auf den Weg zu bringen.

Insgesamt sind in den westlichen Gesellschaften zunehmende Tendenzen zu einer Renationalisierung der Politik und zu mehr Protektionismus zu beobachten. Sind das Zeichen der Verunsicherung in einer Zeit, in der die Welt durch die Digitalisierung und einen zunehmend rasanten technischen Fortschritt quasi neu vermessen wird? Angesichts einer bisher nie gesehenen Veränderungsgeschwindigkeit sind die Sorgen nachvollziehbar, nicht aber die Reaktionen. Auch durch Strafzölle entstehen im amerikanischen „Rust-Belt“ keine neuen Arbeitsplätze. Ohne die EU-Mitgliedschaft wird es Großbritannien wohl eher schlechter als besser gehen –  eine Einsicht, die in den nächsten Monaten auch bei den Briten reifen dürfte.

Franz Kafka sagte einmal: „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“. So ist es auch heute. Digitalisierung und technischer Fortschritt kommen, auch wenn wir versuchen, neue Grenzmauern zu ziehen. Das Netz kennt keine Grenzen, ist per se global. Wenn wir die Zukunft und die Digitalisierung gestalten wollen, müssen wir also mehr, nicht weniger, kooperieren – so mühselig es auch ist. Politiker dürfen deshalb nicht spalten, sondern müssen zusammenführen. Sie müssen die Richtung zeigen, aber auch überzeugen und Ängste nehmen. Und wenn Ihnen dies gelingt, müssen wir sie dafür hoch achten.

Illustration: Sönke Feldhusen, IHK-Geschäftsbereichsleiter