Wenn der Chef zum Gespräch bittet

Ein Arbeitgeber will ein Personalgespräch über die Inhalte des Arbeitsverhältnisses mit einem seiner Angestellten führen. Der  betroffene Mitarbeiter stimmt dem zu – unter einer Bedingung: Er will zu diesem Treffen eine Person seines Vertrauens hinzuziehen. Getreu dem Motto: Vertrauen ist gut, aber vier Ohren hören mehr als zwei. Aber darf ein Arbeitnehmer überhaupt eine dritte Person – einen Kollegen, ein Betriebsratsmitglied oder gar seinen Anwalt – zu diesem Personalgespräch mitbringen? Der Arbeitnehmer hat keinen Anspruch darauf, dass der Arbeitgeber bei bevorstehenden Personalgesprächen die Anwesenheit eines Rechtsanwalts zulässt. Der Arbeitgeber könne erwarten, dass sich der Arbeitnehmer dem Personalgespräch persönlich stelle und hierbei mitwirke. Das gilt für Gespräche, in denen es um die technische Abwicklung bestimmter Vorgänge geht, und auch für Termine, bei denen grundsätzliche Fragen des Inhaltes des Arbeitsverhältnisses besprochen werden.

Der Arbeitgeber kann nicht erwarten, dass der Arbeitnehmer  wichtige  Entscheidungen in dieser Gesprächsrunde sofort trifft. Der Arbeitnehmer darf sich in diesem Fall die Konsultierung seines Anwalts vorbehalten. Ein Nachteil darf ihm daraus nicht entstehen.

Was gilt für den Fall, wenn der Arbeitgeber selbst zu Personalgesprächen betriebsfremde Personen hinzuzieht? Dann sei es denkbar, dass der Arbeitnehmer  ebenfalls Anspruch darauf hat, eine betriebsfremde Person zu diesem Gespräch  einzuladen, um so die „Waffen- und Chancengleichheit“  zu wahren.

Dass der Arbeitnehmer persönlich die Leistungen zu erbringen hat, die im Arbeitsvertrag geregelt sind, verstehe sich von selbst. Das bedeutet aber auch, dass nur er selbst als Vertragspartner am Personalgespräch teilnehmen kann,  und nicht etwa ein Kollege. Man kann ein Personalgespräch nicht umgehen. Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, sich der persönlichen Aussprache zu stellen. Er hat keine eigene Entscheidungsbefugnis darüber, ob dieses Personalgespräch notwendig ist. Eine Verpflichtung  zur Teilnahme an einem Personalgespräch besteht allerdings nicht, wenn der Arbeitnehmer arbeitsunfähig erkrankt ist.