Alles ist möglich, wenn du nur willst

Er ist blind und war drogenabhängig. Heute berät Saliya Kahawatte zahlreiche deutsche Dax-Unternehmen zum Thema Mitarbeitermotivation. Am 27. September spricht er beim Lüneburger Gesundheitstag über seinen beeindruckenden Lebensweg.

Herr Kahawatte, Sie haben selbst viele Hindernisse in ihrem Leben überwunden. Erzählen Sie doch bitte davon.
Mit 15 Jahren hatte ich eine schwere Netzhautablösung. Seitdem bin ich nahezu blind und zu 100 Prozent schwerbehindert. Ich habe meine Behinderung jahrelang verschwiegen und überspielt, mein Abitur an einer Regelschule gemacht und danach eine Ausbildung in der Hotellerie. Ich bin bis zum Restaurantchef im Fünf-Sterne-Bereich aufgestiegen und habe anschließend einen Bachelor in Hotelbetriebswirtschaft gemacht. Ich habe das alles irgendwie hinbekommen, aber ich bin daran zerbrochen. Am Ende war ich drogen-, alkohol- und medikamentenabhängig, habe sechs Suizidversuche gemacht, kam in die geschlossene Psychiatrie.

Sie sagen: Alles ist möglich, wenn du nur willst. Ist das wirklich so? Gibt es nicht fremde Zwänge und Strukturen, denen wir alle unterworfen sind?
Ich selbst habe 2006 beschlossen, mit meiner Behinderung offen umzugehen. Ich habe 250 Bewerbungen geschrieben, nur Absagen bekommen und bin bei Hartz IV gelandet. Dann habe ich mich mit Null Euro selbstständig gemacht. Heute besitze ich drei Unternehmen und eine Stiftung, die Saliya Foundation, die sich für die Integration von Sehbehinderten und Blinden in den ersten Arbeitsmarkt einsetzt. Ich habe einen Bestseller geschrieben und ihn ins Kino gebracht. All das war möglich. Es liegt allein an der Haltung, die ein Mensch hat. Sie beeinflusst das Denken und Handeln.

Was sagen Sie Menschen, die lange krank waren oder die Lust an ihrer Arbeit verloren haben? Wie können sie zurück in die Motivation kommen?
Nach einer Krebserkrankung mit einem Jahr Krankenhausaufenthalt und natürlich meinen Suizidversuchen musste ich mich selbst zurück ins normale Leben kämpfen. Ich habe gelernt: Wenn das Umfeld sich nicht verändert, musst du dich selbst verändern. Der einzige Mist, auf dem nichts wächst, ist der Pessimist.
Viele wollen aber auch ihre Probleme behalten und nicht heraus aus ihrer Komfortzone. Dort ist es hübsch und warm, und Veränderungen sind anstrengend. Wenn Vater und Großvater schon bei einem Autobauer gearbeitet haben, ist es natürlich leichter, auch dort zu arbeiten. Aber auch diese Branche steht vor riesigen Veränderungen, das muss allen klar sein. Heute gibt es keine Sicherheit mehr, außer dass das einzige Beständige der Wandel ist. Man kann nicht an Bestehendem festhalten und festhalten wollen. Und wer unzufrieden ist, sollte den Job wechseln – oder an sich selbst arbeiten. Die Frage ist: Bin ich Teil des Problems oder möchte ich Teil der Lösung sein?

Was verursacht bei Berufstätigen Stress und wie lässt sich damit umgehen?
Es gibt positiven und negativen Stress. Negativer Stress entsteht in der Regel durch den Kontakt mit Idioten. Entschuldigung, aber so ist das. Wenn ich Vorgesetzte habe, die in Hierarchien denken und Universitätsabschlüssen anstatt die Leute mitdenken zu lassen, dann kann ich nur sagen: Das wird nicht mehr lange funktionieren.
Außerdem gibt es Stress, den man sich selbst macht. Wenn jemand also Stress hat, muss er sich als Erstes fragen: Woher kommt er? Dann muss ich mit den Menschen sprechen, die mir Stress machen. Wenn sich nichts verändert nach so einem Gespräch, muss ich konsequent sein und zum Beispiel kündigen. Ich habe das selbst so gemacht. Und am Ende alles gemacht, wovon andere immer gesagt haben, das könne ich als fast Blinder doch gar nicht.
Sieg oder Niederlage sagt nichts über die Qualität der Handlungen aus, wohl aber über die Bewertungsebene des Betrachters. Deutschland ist gelegentlich ein Land der Schwätzer und Bedenkenträger. Es geht hier viel zu häufig um Meinungen und Bewertungen anstatt sich auf die Potenziale von Menschen zu konzentrieren. Ich selbst habe im Prinzip aus einer Behinderung ein Geschäftskonzept entwickelt, sehe meine Behinderung als körperliche Herausforderung und verkaufe mich als „smarter blind guy“. Anstatt meine Schwächen zu schwächen, habe ich meine Stärken gestärkt.

Das klingt so leicht und ist es für viele aber nicht.
Das mag sein. Ich sehe es aber so. Ich habe selbst einige Berater konsultiert und bin oft mit mehr Problemen zurückgekommen als ich hingegangen bin. Ich habe noch niemanden getroffen, der mir sagen konnte, wo oben und unten ist. Das musste ich selbst herausfinden. Wer darauf hofft, dass jemand Dinge für einen regelt, muss damit leben, fremdbestimmt zu sein. Der soll dann aber auch nicht darüber jammern. Ich selbst habe mein Team einmal gefragt, was sie bereit sind, fürs Unternehmen zu tun und danach leider einige Leute austauschen müssen. Das klingt hart, ist aber reell. Ich sehe vielleicht nicht so viel, aber ich erkenne Wesentliches. Interview: Carolin George

Saliya Kahawatte spricht beim Lüneburger Gesundheitstag

Die Allianz für Fachkräfte Nordostniedersachsen veranstaltet am 27. September den Lüneburger Gesundheitstag ganz im Zeichen der Mitarbeitergesundheit. Auf dem Gelände des ADAC-Fahrsicherungszentrums Hansa in Embsen erwartet die Teilnehmer von 10 bis 17 Uhr ein Mix aus Fachforen, Hotspots und einer begleitenden Gesundheitsausstellung.
Hauptredner ist Saliya Kahawatte. In seiner Keynote Motivation im BGM: Alles ist möglich, wenn du nur willst“ wird er über seinen außergewöhnlichen Lebensweg berichten. Anmeldungen über die Internetseite der Allianz für Fachkräfte Nordostniedersachsen. Wer sich für einen Stand bei der Gesundheitsausstellung interessiert, kann sich an IHK-Beraterin Kirstin Borgwardt wenden.

Saliya Kahawatte
Ist auch für seine gesunde Küche bekannt: Saliya Kahawatte. Foto: Saliya Kahawatte