Ideen aus der Wirtschaft – Ideen, die bewegen

Ist die Selbstverwaltung der Wirtschaft auch heute noch zeitgemäß? Auf jeden Fall, findet der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies. Ein Pladoyer für unternehmerisches Engagement und die Pflichtmitgliedschaft.

hierjetztmorgen, IHK-Zukunftsinitiative
Die IHK-Vollversammlung hat die Zukunftsinitiative "hierjetztmorgen" gestartet, in der mehr als 200 Partner 20 Projekte zur Fachkräftesicherung in unserer region entwickelt haben. Illustration: Lotta Brixen
Breitbandausbau
In Sachen Breitbandausbau bündelt unsere IHK die Sorgen der Unternehmer und leitet sie an die zuständigen Stellen weiter. Illustration: Lotta Brixen
IHK-Vollversammlung.
Aktuell bestimmen rund 70 kritische Unternehmerinnen und Unternehmer in der Vollversammlung den Kurs unserer IHK. Illustration: Lotta Bixen

Selbstverwaltung der Wirtschaft – was auf den ersten Blick abstrakt klingen mag, offenbart sich auf den zweiten Blick als ein lebendiges Prinzip, Verwaltung zu gestalten, als Forum ehrenamtlichen Engagements und schließlich auch als Ausdruck demokratischer Willensbildung. Nicht ohne Grund wird die Vollversammlung, das Zentrum einer jeden Industrie- und Handelskammer, auch als das „Parlament der Wirtschaft“ bezeichnet.

Diese Bezeichnung bringt deutlich zum Ausdruck: Hier besteht Raum für Rede und Gegenrede. Hier geht um das Gesamtinteresse der Gewerbetreibenden des Kammerbezirks, um einen Beitrag zu Wohlstand und Arbeitsplätzen. Aus der Wirtschaft werden Ideen geboren und bewegt, die vor allem auch an Verwaltung und Politik adressiert sind. Und: Sie werden gehört.

Ich möchte die Frage, warum die Selbstverwaltung auch heute noch zeitgemäß ist, deshalb eigentlich mit der Gegenfrage beantworten: Kann dieses Prinzip denn überhaupt unzeitgemäß sein? Eine Abschaffung der Selbstverwaltung, die ich nun wahrlich nicht wünsche, hätte, davon bin ich überzeugt, einschneidende Folgen: Wir würden eine starke Stimme verlieren. Und einen wichtigen Ansprechpartner.

Die IHKN sind ein ganz wichtiger Partner der Landesregierung bei den unterschiedlichsten Themenfeldern: Ich bin sehr dankbar für die gute Zusammenarbeit der Landesregierung mit den Industrie- und Handelskammern und will an dieser Stelle nur einige Beispiele nennen: Etwa das gemeinsame Engagement bei der Erstellung des Bundesverkehrswegeplans 2030. So konnte zum Beispiel die Einstufung des Ersatzneubaus der Schleuse Lüneburg-Scharnebeck in den Vordringlichen Bedarf erreicht werden; oder das Zusammenwirken im Bereich der Fachkräftesicherung, das sich auch in den Regionalen Fachkräftebündnissen widerspiegelt. Ein weiteres Feld ist die Außenwirtschaftsförderung. So wirken die Kammern als Mitglied im Niedersächsischen Außenwirtschaftsrat aktiv an der Schwerpunktsetzung unserer Außenwirtschaftsförderung mit, geben Empfehlungen für die Ziele von Delegationsreisen und unterstützen wesentlich deren Organisation.

Besonders froh bin ich auch über die Entwicklung bei der IHK Niedersachsen (IHKN), der Landesarbeitsgemeinschaft der sieben niedersächsischen Industrie- und Handelskammern. Die IHKN stärkt die Position der niedersächsischen Wirtschaft und gibt ihr im politischen Raum ein noch größeres Gewicht.

Damit das Prinzip der Selbstverwaltung der Wirtschaft sich voll entfaltet und die Kammern für ihre Bezirke sprechen können, halte ich die kontrovers diskutierte Pflichtmitgliedschaft für unabdingbar. Nur wenn alle Gewerbetreibenden der Region einbezogen sind, können die Kammer und ihr „Parlament der Wirtschaft“ auch für das Gesamtinteresse einstehen.

Ebenso wertvoll wie unverzichtbar ist aus meiner Sicht auch das ehrenamtliche Engagement der Unternehmerinnen und Unternehmer in der Industrie- und Handelskammer, die dadurch zu „ihrer IHK“ wird. Existenzgründung, Exportvorschriften, Bildungswesen – das sind nur wenige Beispiele für Themen, die für die Wirtschaft von zentraler Bedeutung sind. Die Unternehmerinnen und Unternehmer sind hierfür das Sprachrohr ihrer Region. Diese Impulse und Botschaften aus der Wirtschaft brauchen wir!

Hierfür ist zunächst ein Wort des Dankes an all diejenigen angebracht, die sich auf diese Weise einbringen oder dies in der Vergangenheit getan haben. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass sich weiter viele Unternehmerinnen und Unternehmer entschließen, „ihre IHK“ aktiv mitzugestalten!