Weichen für Innovation und Wachstum stellen

Digitalisierung, Bildung und die Integration von Flüchtlingen: Die neue Bundesregierung muss nach der Wahl im Herbst die richtigen Schwerpunkte setzen – für einen zukunftssicheren Standort Deutschland. Von Dr. Eric Schweitzer

Vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Verunsicherung sind nach der Bundestagswahl 2017 gute wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen von besonderer Bedeutung. Insbesondere geht es darum, den Standort Deutschland mit öffentlichen und privaten Investitionen zu stärken und krisensicherer zu machen.

Die nächste Bundesregierung sollte mit einem Koalitionsvertrag als Investitionsvertrag Prioritäten setzen, um den Herausforderungen der Zukunft – Digitalisierung, Bildung und Integration von Flüchtlingen – begegnen zu können. Ein solcher Vertrag ist auch eine Botschaft an den Bürger, dass sich die Regierung für die Interessen der nachfolgenden Generationen einsetzt.

Um Deutschland als Standort auch in Zukunft attraktiv und wettbewerbsfähig zu halten, brauchen wir Investitionen in Individuen, in Innovationen und in Infrastruktur. So sehen wir uns in den Unternehmen oft in unserem Innovationspotenzial in Deutschland zu sehr von Bürokratie, Schwächen in der Infrastruktur sowie durch den Fachkräftemangel eingeschränkt.

Auf digitale Infrastruktur setzen
Die Digitalisierung bietet für unsere langfristige Wettbewerbsfähigkeit große Chancen. Dem Staat kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Investitionen in Verkehrs- und Glasfaserinfrastruktur fördern die Unternehmensaktivität: Auf staatliche Investitionen folgen private In-vestitionen und Arbeitsplätze in den Betrieben. Damit schaffen wir die Basis für den zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg und den Wohlstand unseres Landes.

Die Digitalisierung bietet auch großes Potenzial für den Bürokratieabbau. Wenn Gründer alle Formalitäten online und an einem Ort erledigen könnten, dann hätten sie mehr Zeit, sich um Kunden und neue Ideen zu kümmern. Auch einfache Vorschriften für die elektronische Archivierung oder elektronische Schnittstellen für den Datentransfer zwischen Unternehmen und Verwaltung wären entlastend. Die 100 meistgenutzten Verwaltungsleistungen von Unter-nehmen sollten deshalb überall in Deutschland flächendeckend online angeboten werden.

In Bildung und Vereinbarkeit investieren
Politik und Wirtschaft müssen gemeinsam das große Potenzial fördern, das in der Aus- und Weiterbildung liegt. Die betriebliche Ausbildung ist ein Erfolgsmodell und sorgt für niedrige Jugendarbeitslosigkeit. Sie trägt entscheidend zur Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft bei. Unser Erfolgsmodell muss attraktiv und leistungsstark bleiben, um den Anforderungen von Unternehmen und Jugendlichen gerecht zu werden. Für eine zukunftsfeste duale Ausbildung sollte der Bund die digitale Modernisierung der Berufsschulen unterstützen.

Um den Fachkräftebedarf zu sichern, brauchen wir nicht nur attraktive Ausbildungs- und Arbeitsplätze, sondern auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf – vor allem eine bessere Betreuung von der Krippe bis zur Schule. Die IHKs unterstützen Unternehmen vor Ort durch Beratungen, Publikationen und Veranstaltungen. Dafür gibt es in jeder IHK einen Ansprechpartner, der den Unternehmen mit Rat und Tat zur Seite steht. Betriebe gehen zu-dem mit gutem Beispiel voran, beteiligen sich unter anderem am Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“. Dieses Engagement ebnet sowohl Pflegenden als auch Eltern den Weg in die Berufstätigkeit und sichert langfristig Fachkräfte.

Integration begleiten
Bildung, Sprache und Kompetenzvermittlung spielen auch bei der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten eine Schlüsselrolle. Inzwischen ist es Konsens, dass dies eine langfristige Aufgabe ist, die viel Geduld und Anstrengung braucht. Unternehmen vor Ort und IHKs engagieren sich bereits in großem Ausmaß. Die IHKs organisieren u.a. Projekte zur Berufsorientierung und bringen Unternehmen und Flüchtlinge zusammen. Um die Betriebe bei ihrem Engagement für die Integration nachhaltig zu unterstützen, sind Rechts- und Planungssicherheit hinsichtlich der Bleibeperspektive der Flüchtlinge sowie ein möglichst unbürokratischer und bundesweit einheitlicher Verwaltungsvollzug nötig.

Europäische Zusammenarbeit gestalten
Für Unternehmen ist auch ein verlässliches internationales Handelsumfeld wichtig. Deshalb ist es notwendig, dass sich die Regierung für offene Märkte einsetzt und die internationale Zusammenarbeit ausbaut. Eine zentrale Aufgabe für die kommende Legislaturperiode besteht zudem in der aktiven Gestaltung der europäischen Zusammenarbeit. Mit fast 60 Prozent ist die EU der wichtigste Exportkunde deutscher Unternehmen. Ein stabiles Europa mit offenen Grenzen und eine EU als starke Gemeinschaft bieten eine gute Basis in Zeiten internationaler Herausforderungen.

Eric Schweitzer
Dr. Eric Schweitzer ist Präsident des DIHK. Foto: Thomas Kierok