Die regionale Wirtschaft voranbringen

Fachkräftesicherung, Trumps Abschottungspolitik und der Breitbandausbau – es war ein Ritt durch die großen Wirtschaftsthemen als Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) Mitte Juli den Heidekreis besuchte. Bundestagsmitglied Lars Klingbeil und Landtagskandidat Sebastian Zinke hatten zu dem Austausch eingeladen. Sie und die Bundeswirtschaftsministerin wollten wissen: Was ist nötig, um die wirtschaftliche Entwicklung in der Region weiter voran zu bringen?

„Was den Breitbandausbau angeht, gibt es in unserem IHK-Bezirk Lüneburg-Wolfsburg noch einige weiße Flecken“, sagte IHK-Präsident Olaf Kahle. Zwar hätten die Kommunen den Handlungsbedarf erkannt und trieben den Ausbau nahezu flächendeckend mit Unterstützung des Landes Niedersachsen voran, aber: „Deutschland hat spät reagiert. Hoffen wir nicht zu spät. Unser Land gehört laut OECD beim schnellen Internet im internationalen Vergleich leider zu den Schlusslichtern. Wir müssen uns also beeilen, um nicht vollends den Anschluss zu verlieren.“ Das sieht auch Brigitte Zypries so. Die Bundeswirtschaftsministerin betonte, dass der aktuell angestrebte flächendeckende Ausbau von Netzen mit einer Leistung von 50 Mbit/Sekunde kaum ausreichen werde, um in Sachen Innovation und künftige Wettbewerbsfähigkeit erfolgreich zu sein. Das Wirtschaftsministerium fordere daher seit langem, die deutsche Breitbandpolitik in Richtung Gigabitnetze fortzuentwickeln, so Zypries: „Als zentrales Instrument sehen wir einen Zukunftsinvestitionsfonds für den Gigabitnetzausbau im ländlichen Raum mit Fördermitteln von rund 10 Milliarden Euro. Es muss endlich die Erkenntnis wachsen, dass wir als Standort hier keine Zeit zu verlieren haben.“

Brigitte Zypries und Olaf Kahle

Ein weiteres Zukunftsthema: Die Fachkräftesicherung. Gerade im ländlichen Raum erhalten Unternehmer nicht genug Bewerbungen für freie Stellen. Im IHK-Bezirk Lüneburg-Wolfsburg werden einer Studie des Beratungsunternehmens Prognos zufolge bis 2030 rund 50.000 Fachkräfte fehlen. Bundeswirtschaftsministerin Zypries appellierte an die Unternehmer, selbst für gute Bedingungen zu sorgen, um Fachkräfte zu gewinnen: „Gute Bezahlung ist dabei nur ein Argument. Unternehmen müssen sich frühzeitig um Nachwuchs kümmern: Das fängt bereits in den Schulen an.“ Kahle verwies auf das IHK-Schülerfirmenprojekt startup@school und die IHK-Ausbildungsbotschafter, ein Projekt, bei dem Azubis Schülern ihre Berufe erklären. „Dieser Austausch auf Augenhöhe sorgt für eine bessere Berufsorientierung der Schüler und bietet Betrieben die Möglichkeit, unmittelbar mit dem Nachwuchs ins Gespräch zu kommen“, so Kahle. Zypries betonte, dass die duale Ausbildung wieder mehr in die Schulen getragen werden müsse: „Denn eine betriebliche Ausbildung ist eine echte Alternative zum Studium.“

Das belegt auch eine aktuelle IHK-Umfrage unter Auszubildenden, wonach 40 Prozent der Azubis Abitur oder eine fachgebundene Hochschulreife haben, weitere sechs Prozent starten eine berufliche Karriere, nachdem sie ihr Studium abgebrochen haben. „Junge Menschen brauchen außerdem attraktive Aufstiegsmöglichkeiten und Ausbildungsbedingungen. Vielleicht kann ein Hotelier auch ein Zimmer für den Auszubildenden zur Verfügung stellen, der Bauunternehmer ein paar Euro bei der Vergütung drauflegen oder der Dachdecker den Führerschein spendieren“, schlug Zypries vor, bevor Kahle auf die Abschottungspolitik der USA zu sprechen kam.

Die USA sind für die deutsche Wirtschaft der wichtigste Handelspartner und stellen auch für niedersächsische Unternehmen mit einem Handelsvolumen von sechs Milliarden Euro einen bedeutenden Absatzmarkt dar. „Aus unserer Region liefert jedes vierte exportierende Unternehmen in die USA. Aber die aktuellen politischen Entwicklungen sorgen für Unsicherheit“, sagte Kahle. Ein Abschluss des transatlantischen Freihandelsabkommens scheint mit Trump in weite Ferne gerückt. Aber jetzt aufzugeben wäre das falsche Signal, ist der IHK-Präsident sicher: „Wirtschaft und Politik auf beiden Seiten des Atlantiks sollten in einem engen Dialog darüber bleiben. Ich selbst habe Anfang des Jahres eine Delegationsreise dazu genutzt und natürlich ist für unsere regional aufgestellte IHK Lüneburg-Wolfsburg auch der Austausch mit Politikern vor Ort wie auch der Bundespolitik dabei elementar. Wichtig ist: Unsere auslandaktiven Unternehmen brauchen offene Märkte. Freihandelsabkommen schaffen dafür die Voraussetzung.“ Dass die Abschottungspolitik eine Einbahnstraße ist, sieht auch Zypries so: „Wir haben uns auf dem G20-Gipfel – auch mit den USA – gegen Abschottung, gegen unfaire Handelspraktiken und für freien Handel ausgesprochen. Das bleibt unsere Richtschnur, gerade auch in den künftigen Gesprächen mit unseren amerikanischen Partnern.“