Das bringt das Handelsabkommen mit Japan

Rund vier Jahre haben die Europäische Union (EU) und Japan über das Freihandelsabkommen Jefta verhandelt. 2019 soll es in Kraft treten. Profitieren werden auch Unternehmen aus dem IHK-Bezirk Lüneburg-Wolfsburg. Von Leonardo Csuraji

Ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung vereinen EU und Japan. Zwei starke Partner also, die sich mit dem Freihandelsabkommen Jefta jetzt darauf verständigt haben, schrittweise fast alle Zölle zwischen beiden Seiten abzuschaffen. Für die EU-Unternehmen bedeutet das eine Ersparnis von einer Milliarde Euro im Jahr. Profitieren werden davon auch Unternehmen aus dem IHK-Bezirk Lüneburg-Wolfsburg. Und zwar nicht nur die etwa 100 Unternehmen der Region, die bereits Handel mit Japan treiben – sondern vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die als Zulieferbetriebe für die Exportwirtschaft tätig sind.

Die deutsche Expertise ist in Japan gefragt, besonders in den Bereichen Energie und erneuerbaren Energieformen, bei der Infrastruktur und Gebäudeeffizienz, bei Gesundheits- und Medizintechnik, bei der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie im Bereich Umweltschutz. Neue Geschäftsmöglichkeiten in Japan werden sich auch für die Pharmabranche, für Finanzdienstleistungen, Telekommunikation und Verkehr öffnen. Darüber hinaus können europäische Unternehmen durch das Abkommen gleichberechtigt mit japanischen Unternehmen an Ausschreibungen in 48 Großstädten Japans teilnehmen.

Vorteile für Automobilzulieferer
Ebenso bringt Jefta für die Automobilzulieferer der Region Vorteile: Mit dem Abkommen wird sichergesellt, dass sowohl Japan und die EU ihre Bestimmungen für Kraftfahrzeuge an dieselben internationalen Standards für Produktsicherheit und Umweltschutz angleichen. Für Ausfuhren nach Japan sind dann keine erneuten Tests und Zertifizierungen mehr erforderlich. So dürfen beispielsweise in der EU genehmigte wasserstoffbetriebene Autos ohne weitere Änderungen nach Japan ausgeführt werden. Darüber hinaus sieht das Abkommen eigens für den Bereich Kraftfahrzeuge ein beschleunigtes Verfahren zur Beilegung von Streitigkeiten vor.

Zölle fallen, Ausfuhren steigen
Bei Inkrafttreten des EU-Japan-Abkommens werden die Zölle in Japan für mehr als 90 Prozent der EU-Ausfuhren wegfallen (siehe Grafik). Bei vollständiger Umsetzung des Abkommens wird Japan die Zölle für 97 Prozent der EU-Waren nach Zolltariflinien abgeschafft haben. Bei den übrigen Zolltariflinien ist eine teilweise Liberalisierung in Form von Zollkontingenten oder Zollsenkungen vorgesehen. Im Gegenzug sollen die europäischen Zölle für japanische Autos fallen.

Die EU-Kommission erwartet durch Jefta eine Steigerung der EU-Ausfuhren um 16 bis 24 Prozent. So soll der japanische Markt für Lebensmittel aus der EU wie Käse geöffnet werden, die bislang mit hohen Zöllen belegt waren. Die Ausfuhren für verarbeitende Lebensmittelerzeugnisse werden somit voraussichtlich um 170 bis 180 Prozent steigen – zusätzliche 10 Milliarden Euro Umsatz. Für Chemikalien rechnet die EU mit zusätzlichen drei Milliarden Euro, das Plus für elektrische Maschinen werde 650 Millionen Euro betragen.

Schutz geistigen Eigentums
Das Abkommen enthält Bestimmungen zum Schutz von Betriebsgeheimnissen, Marken, Urheberrecht und Patenten sowie gemeinsame Mindestvorschriften für den Schutz von Daten zu vorgeschriebenen Prüfungen für Arzneimittel und Bestimmungen über die zivilrechtliche Durchsetzung.

Darüber hinaus wird durch Jefta den mehr als 200 landwirtschaftlichen EU-Erzeugnissen mit besonderer geografischer Herkunft, wie beispielsweise Heide-Kartoffeln, besonderer Schutz auf dem japanischen Markt eingeräumt.

Bis zum Jahresende wollen die EU und Japan die Verhandlungen abschließen. Dann soll die endgültige Fassung des Abkommens vorliegen. Anschließend wird das Abkommen rechtlich geprüft und in alle Amtssprachen der EU übersetzt. Nach Zustimmung der EU-Mitgliedstaaten sowie des Europäischen Parlaments soll Jefta Anfang 2019 in Kraft treten.

Leonardo Csuraji

Ihr Ansprechpartner für Außenwirtschaft

Sie haben Fragen zum Handel oder Geschäftseinstieg mit Japan? Leonardo Csuraji, IHK-Berater für Außenwirtschaftsförderung, steht Ihnen gern zur Verfügung. Selbstverständlich kann er Ihnen auch Auskünfte zu anderen Ländern geben. Zu erreichen ist Leonardo Csuraji unter Tel. 04131 742-127 oder csuraji@lueneburg.ihk.de.

Grafik: Europäische Kommission
Grafik: Europäische Kommission