Celler Projekt bringt Firmen und Geflüchtete zusammen

Celler Projekt will Flüchtlinge und Firmen verknüpfen: Eine Software hilft dabei, die richtigen Mitarbeiter für freie Stellen zu finden. Von Carolin George

Wael Jabr lebt seit fast drei Jahren in Deutschland, arbeitet in Celle als Sprachlehrer für Englisch und Arabisch bei der Volkshochschule sowie bei der Diakonie in der Sozialberatung für geflüchtete Menschen und als Kulturmittler. Seit drei Monaten fungiert der Syrer (39) außerdem als Vermittler zwischen Flüchtlingen und Firmen: Stadt und Region punkten gerade mit einem Projekt, das deutschlandweit seinesgleichen sucht. Mit Hilfe einer professionellen Software können Unternehmen die für sie passenden Fachkräfte unter den Migranten finden.

Wie das funktioniert, erklärt Peer Schladebusch. Der Pastor arbeitet für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt und hat das Projekt initiiert, weil er weiß: „Ein großes Problem bei der Integration von Geflüchteten ist nach wie vor, die Menschen schnell und vor allem in eine passende Arbeit zu vermitteln oder sie entsprechend ihrem Wissensstand weiter zu qualifizieren. Ist jemand unter- oder überqualifiziert, hilft das niemandem, dem Menschen nicht und der Firma auch nicht.“

Die große Herausforderung dabei sei, die Kompetenzen der Migranten auf eine Weise zu erfassen, dass sie den Unternehmen übersichtlich und doch umfassend zur Verfügung stehen. Die Lösung ist ein Computerprogramm: das System „Pro Human Ressources“, kurz PHR. Die Ersterfassung übernimmt Wael Jabr gemeinsam mit den Migranten, anschließend ermutigen Jabr und Schladebusch die Teilnehmer, ihre Profile in Eigenregie weiter zu pflegen. Wer zum Beispiel ein Praktikum, eine Ausbildung oder einen Sprachtest absolviert hat, kann dies in sein virtuelles Porträt selbst einfügen.

Auf der anderen Seite können Unternehmen, Institutionen und öffentliche Arbeitgeber Kompetenzprofile erstellen und angeben, welche Anforderungen und Bedürfnisse sie an potenzielle neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben. Diese werden abgeglichen zur Auswahl der passenden Migranten.

„Auf diese Weise ist sehr schnell und objektiv feststellbar, wer zu wem passt und welche messbaren Vorteile sich daraus ergeben, insbesondere auch bei Wechseln innerhalb des Unternehmens“, sagt Peer Schladebusch. „Wer Mitarbeiter sucht, bekommt qualifizierte Informationen, kann Einstellungen simulieren, um Fehlentscheidungen zu vermeiden, und reduziert dadurch Aufwand und Kosten für die Integration.“

Unter den ersten 28 Profilen sind Elektriker, Chemieingenieure, IT-Ingenieure, medizinische Fachkräfte, Schweißer, Buchhalter oder Schneider. Manche suchen auch eine Ausbildung als Autoelektriker, Tischler oder Zahntechniker. Erste Vermittlungsgespräche mit Betrieben im Raum Celle laufen bereits.

Unterstützung erhält das Projekt vom Diakonischen Werk, in Kontakt steht Pastor Schladebusch regelmäßig mit der Celler Integrationsinitiative, den Bildungsmanagern der Stadt, dem Jobcenter und der Agentur für Arbeit. Jetzt sucht das Team Schladebusch/Jabr weitere Unternehmen in der Region Celle, die das Projekt unterstützen und es nutzen wollen. „Wer sich dafür interessiert, kann sich unverbindlich melden. Eine möglichst enge Verzahnung, das ist unser Ziel.“

Peer Schladebusch arbeitet für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der Ev-Luth. Landeskirche Hannovers und ist zu erreichen im Haus kirchlicher Dienste in Celle unter Telefon 05141-9807401, mobil unter 0173-8616802 oder per E-Mail unter schladebusch@kirchliche-dienste.de.