Der vernetzte Herzblut-Gastronom

Wer Sasan Khojandi fragt, was ihn als Gründer dorthin gebracht hat, wo er heute steht, muss nicht lange auf eine Antwort warten: „Zwei Prozent unternehmerische Strategie und 98 Prozent Glück.“ Der 29-jährige lehnt sich locker an den Tresen seiner 0,75 Winebar & Eatery und lächelt verschmitzt. Neben ihm sitzt Stefan Wabnitz, Inhaber des Weinfass Wabnitz. Die beiden teilen sich nicht nur den Platz an der Bar – sondern auch rund 300 Quadratmeter Ladenfläche. Als Shop-in Shop-System hat die 0,75 Winebar & Eatery vor gut zwei Monaten neben dem Weinfass Wabnitz in der Lüneburger Rackerstraße eröffnet.

Bar und Restaurant auf der einen Seite, exklusive Weine und Spirituosen auf der anderen: „Zusammen vereinen wir Genuss und Einkaufen – auch zu Zeiten, wenn andere längst geschlossen haben. Das ist es, was viele Kunden sich wünschen“, sagt Stefan Wabnitz. Bei Öffnungszeiten bis 22 Uhr müsse sich niemand mehr stressen, der nach der Arbeit noch in Ruhe einen Wein kaufen möchte. Rund 500 verschiedene Weine zählt die „begehbare Weinkarte der 0,75 Winebar“, wie Wabnitz sein Geschäft mit einem Augenzwinkern nennt.

Der Clou: Selbst wenn das Weinfass Wabnitz längst geschlossen hat, können die Gäste der 0,75 Winebar & Eatery einen Wein aus dem umfangreichen Wabnitz-Sortiment gegen ein Korkgeld von 15 Euro am Tisch genießen. Dazu zaubern Sasan Khojandi und seine Eltern, die in dem Familienunternehmen mitarbeiten, Kleinigkeiten aus der arabischen Küche und internationale Menüs. Die familiäre Atmosphäre gehört für Sasan Khojandi ebenso zum Konzept wie eine ausgeprägte Service-Orientierung. „Bei uns steht der Gast im Mittelpunkt“, sagt der Jungunternehmer. Und so werden alle Gerichte in Handarbeit und oft nach individuellen Wünschen frisch zubereitet und mit einem freundlichen Lächeln serviert.

Trends beobachten, Veränderungen im Umfeld wahrnehmen, die Strategie rechtzeitig anpassen und sich vernetzen – die Erfolgsfaktoren bei der Weiterentwicklung ihrer Geschäfte haben Wabnitz und Khojandi bestens berücksichtigt. In punkto Lage, die bei gastronomischen Betrieben eine besondere Rolle spielt, spielte den beiden Unternehmern in die Hände, dass die Lüneburger Rackerstraße sich in den vergangenen Jahren zu einer attraktiven Kneipen- und Geschäftsmeile entwickelt hat. Viele Inhaber geführte, individuelle Geschäfte haben sich angesiedelt, darunter das Restaurant Esszimmer das Sasan Khojandi bereits 2016 übernahm.

Von dort muss er nur einmal über die Lüneburger Rackerstraße gehen und schon steht er im Weinfass Wabnitz – ein Umstand, der auch dazu führte, dass er und Stefan Wabnitz sich kennenlernten. Aus Nachbarn wurden Freunde, aus Freunden Geschäftspartner. Und als der Vermieter des etablierten Weinfass Wabnitz die Immobilie aufwendig erneuerte und sich mit dem Umbau die Möglichkeit für das Shop-in-Shop-System ergab, sei für beide schnell klar gewesen: Das machen wir zusammen.

Der Vermieter übernahm den Umbau der Toiletten und der Küche, Stefan Wabnitz beteiligte sich an der Inneneinrichtung. So blieben für Sasan Khojandi noch rund 30.000 Euro, die er über einen Bankkredit finanziert. Er selbst ist überzeugt, dass „eine glückliche Fügung des Schicksals“ ihn und Wabnitz zusammengebracht hat. Die Idee des gemeinsamen Ladenkonzepts bei unternehmerischer Unabhängigkeit habe ihn sofort überzeugt, sagt Khojandi. Und so handelte er nach seinem unternehmerischen Leitprinzip: „Mut haben und mit Leidenschaft und Herzblut machen.“

Sandra Bengsch

Sasan Khojandi vereint in seiner "0,75 Winebar & Eatery" familiäre Atmosphäre mit persisch-italienischer Küche.
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