Ein rastloser Ideengeber

Er selbst habe sich damals eigentlich nicht für das Amt favorisiert, gibt IHK-Präsident Olaf Kahle zu: „Ich finde, es hätte eine Frau werden müssen.“ Immerhin feierte die IHK Lüneburg-Wolfsburg 2016 ihren 150. Geburtstag, da sei es höchste Zeit für eine Frau an der Spitze. Inzwischen kandidiert Aline Henke, Geschäftsführerin der Hankensbütteler Kunststoffverarbeitung GmbH & Co. Kommanditgesellschaft für das Präsidentenamt. Doch bei der IHK-Wahl 2012 fand sich keine Kandidatin. Und als das Präsidium sich Anfang 2013 einstimmig für seine Kandidatur aussprach, gab es kein Zurück mehr für Olaf Kahle.
Es sei schließlich eine tolle Chance gewesen mit der Möglichkeit, etwas zu bewegen, sagt er: „Und das ist es, was mich antreibt. Ich muss kein neues Indien entdecken oder als Erster in Amerika ankommen, aber in so `nem Mikrobereich etwas bewegen, das wär’ schon schön.“

Im Alter von 52 Jahren kann Kahle bereits heute auf ein bewegtes Leben zurück blicken: Der Mann, der als kleiner Junge Polizist werden wollte, studierte nach dem Abitur Jura in seiner Geburtsstadt Hannover und startete seine Karriere als Personalreferent der Preussag AG. 1999 wechselte er in den Bayer Konzern und wurde Personalleiter der Wolff-Gruppe in Walsrode, baute dort eine Personal – und Ausbildungsgesellschaft auf. 2008 übernahm er die Firma und gründete im selben Jahr die Okando Holding, zu der rund 100 Mitarbeiter und kürzlich noch fünf Unternehmen zählen. Eines davon hat Kahle vor knapp zwei Jahren verkauft – um sich auf die Aufgaben als Geschäftsführer der Technischen Akademie Heidekreis und der anderen drei Firmen zu konzentrieren. Hinzu kam das Ehrenamt als IHK-Präsident.

Für ihn bedeutete das jeden Tag neue Herausforderungen und neue Erlebnisse, sagt Kahle: „Das war anstrengend – aber auch Freude pur.“ Trotzdem, viel Zeit für Privatleben blieb ihm nicht. Wegen der vielen IHK-Termine verlegte er die Arbeit für sein Unternehmen oft in die Abend- und Nachtstunden. Es sei denn, es steht ein Abendessen, bei dem Politik auf Wirtschaft trifft, in seinem Kalender und er sich seinen Smoking anziehen musste. Bei solchen Terminen entwickelten sich oft faszinierende Gespräche, manchmal auch Wortgefechte, die ihn dazu brächten, seine Positionen zu überdenken: „Ich streite mich sehr gerne auf hohem Niveau.“ Ob er am Ende Recht behält, sei nicht so wichtig: „Dazu habe ich zu oft erlebt, dass ich zu 100 Prozent falsch entschieden hätte, wenn ich mich nur auf meine Meinung verlassen hätte.“ Trotzdem seien solche Abende alles andere als entspannend: „Arbeit eben“, sagt Kahle und fügt hinzu: „Hier geht es um das Amt und das muss ich würdigen. Aber ich bin dann auch sehr froh, wenn ich abends nach Hause komme und den Smoking wieder ausziehen darf.“

Als IHK-Präsident galt Kahle als rastloser Ideengeber, der immer in Bewegung ist: Er arbeitete sich ständig in neue Themen und Fachgebiete ein, sprach mit anderen Unternehmern, diskutierte mit Politikern, war auf Podien präsent, beantwortete Interviewanfragen und schob neue Projekte an. Seine spärliche Freizeit nutzte er gern für Spaziergänge – mit seinem Golden-Retriever Balou. So ganz kann Kahle aber auch dabei den Kopf nicht ausschalten. Er lächelt und sagt, er entwickle dann oft neue Ideen. Pause scheint ein Wort zu sein, das in Kahles Wortschatz eine eher untergeordnete Rolle spielt. „Es stimmt, ich schalte nie so richtig ab.“ Dann lächelt er wieder. „Mir fällt aber auch immer etwas ein.“

Olaf Kahle
Sein Hund Balou ist Olaf Kahles ständiger Begleiter und war auch oft in der IHK zu Gast. Foto: Andreas Tamme
Olaf Kahle
Olaf Kahle im Smoking. Oft hat er ihn für getragen, wenn er für unsere IHK Abendveranstaltungen besuchte. Foto: Andreas Tamme