Knolles neuer Liebling

Käse kannte er bis vor kurzem zwar gar nicht, eine Lieblingssorte hat er aber schon: „Der Cremig-würzige“ heißt die Marke. „Der Käse heißt wirklich so, und er schmeckt genauso wie er heißt“, sagt der junge Mann mit der roten Schürze und schmunzelt. Er heißt Ali Gangool, stammt aus dem Sudan und hat bei „Knolles Markt“ in Ramelsloh gerade seine Ausbildung begonnen. Vorher hatte der 25-Jährige ein sechsmonatiges Betriebspraktikum in dem Supermarkt der Edeka-Kette absolviert: eine von der Arbeitsagentur geförderte Einstiegsqualifizierung.

Wer sich von Ali Gangool den großen, in den vergangenen Monaten aufwendig umgebauten Markt zeigen lässt, spürt sofort, wie selbstverständlich der junge Sudanese schon zum Team gehört. Und wie beliebt er ist: „Ali wird ein Guter“, sagt eine Frau in rot karierter Bluse unvermittelt, als sie kurz bei ihm stehen bleibt. Käse-Fachfrau Britta Bende lacht über das ganze Gesicht und drückt den schmalen Mann kräftig von der Seite. Er blickt erst kurz zur Seite, lächelt ein wenig schüchtern und sagt dann sichtlich froh: „Danke.“

Die Szene ist kurz und sagt doch viel darüber aus, wie sie tickt, die 60 Köpfe starke Mannschaft von „Knolle“. Ein Familienbetrieb in vierter Generation, in dem nicht nur die Eltern Hartig, sondern auch Sohn und Tochter sowie Nichte mitarbeiten.

Tochter Hilke ist es, die für die sechs Auszubildenden zuständig ist. In diesem Jahr hat sie erstmals das Instrument der Einstiegsqualifizierung in Anspruch genommen: bei einer jungen Polin mit Sprachschwierigkeiten und bei dem Flüchtling Ali Gangool. Beide haben sich so gut gemacht in den sechs Monaten im Markt, dass sie jetzt zur Gruppe der Auszubildenden gehören. Sie teilen sich sogar das Dach über dem Kopf: Direkt über dem Geschäft bietet Familie Hartig den Lehrlingen eine Wohngemeinschaft an. Praktischer geht es nicht.

„Wir sind permanent auf der Suche nach Personal, und wenn wir dann noch jemandem helfen können, hier Fuß zu fassen, ist das doch ideal. Daher haben wir uns beim Jobcenter erkundigt, welche Möglichkeiten es gibt, Geflüchtete zu beschäftigten“, sagt Hilke Hartig (28). „Viele unserer Mitarbeiter sind aktiv in der Flüchtlingshilfe, Berührungsängste mit anderen Nationalitäten hat hier keiner. Alle sind offen und freundlich.“

Perfekte Bedingungen also für den Sudanesen, viele neue Vokabeln zu pauken: Woher schließlich sollte er Spargel und Lauchzwiebeln kennen oder seinen mittlerweile geliebten „Cremig-Würzigen“? In einem Lebensmittelgeschäft hatte er schon nach dem Schulabschluss in seiner Heimat gearbeitet, insofern liegt ihm die Tätigkeit in „Knolles Markt“ sehr, sagt er. „Der Kontakt mit den Kollegen und Kunden macht mir am meisten Spaß.“

Während des sechsmonatigen Praktikums habe sich der junge Mann stark entwickelt, erzählt Hilke Hartig. „Anfangs war er ruhig und schüchtern. Mittlerweile ist er unheimlich offen geworden, er kommt bei den Kunden sehr gut an. Das halbe Jahr hat wirklich viel gebracht. Eine solch positive Entwicklung zu beobachten, ist toll.“

Erste Station aller Azubis im Markt ist die Abteilung für Käse, Salate und Antipasti. „Die Theken sind unser Aushängeschild. Sich dort gut auszukennen und Sicherheit im Umgang mit den Kunden zu bekommen, dauert eine Weile“, sagt Hilke Hartig. „Und Ali macht das richtig super.“

Carolin George

Ali Gangool an der Käsetheke in Knolles Markt
Ali Gangool mit-Kollegin in Knolles Markt

Antje Possler ist IHK-Willkommenslotsin
Wer Interesse hat, junge Geflüchtete als Einstiegsqualifizierung (EQ) zu beschäftigen, kann sich an die Willkommenslotsin unserer IHK wenden: Antje Possler. Sie knüpft Kontakte zwischen Unternehmen und Flüchtlingen sowie der Arbeitsagentur und berät Betriebe in Sachen Förderung und Richtlinien und Inhalte der EQ. Antje Possler ist zu erreichen unter Telefon 04131/742-199 oder E-Mail possler@lueneburg.ihk.de.

So funktioniert die Einstiegsqualifizierung
Die Einstiegsqualifizierung (EQ) ist ein betriebliches Langzeitpraktikum, das als Brücke in die Berufsausbildung dient. Sie dauert mindestens sechs Monate und ist inhaltlich auf die jeweiligen Ausbildungsberufe abgestimmt. Die EQ ist ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis. Flüchtlinge benötigen für die EQ eine Arbeitserlaubnis, aber nicht zwingend die Anerkennung laut Asylgesetz. Der Herbst ist eine gute Zeit für den Beginn einer EQ: Ziel ist der Ausbildungsbeginn im Sommer 2018. Mehr Informationen: www.ihk-lueneburg.de/eq

Bundesagentur fördert das Modell
Seit 2007 ist die Einstiegsqualifizierung (EQ) fester Bestandteil der Sozialgesetzbücher und wird von der Bundesagentur für Arbeit finanziert. Förderberechtigt sind sowohl private als auch öffentliche Arbeitgeber. Die Agentur für Arbeit erstattet dem Betrieb bis zu 231 Euro im Monat für die Vergütung der EQ. Zusätzlich erhält das Unternehmen einen pauschalierten Anteil am Gesamtsozialversicherungsbeitrag.