Stichwort Zukunft

Frau Henke, sie sind seit 100 Tagen im Amt, haben Sie sich schon „eingelebt“?
Eingelebt schon, aber eingearbeitet? (lacht). Im Ernst, es ist viel Arbeit, interessante neue Themengebiete. Ich bin mit der Einarbeitung noch lange nicht durch. Und auch an die Aufmerksamkeit musste ich mich erst gewöhnen. Plötzlich steht bei uns im Unternehmen ein Journalist im Flur. Es ist herausfordernd, aber es ist auch ein sehr spannendes Amt.

In Ihrer Antrittsrede haben Sie die Digitale Wirtschaft zu einem Ihrer Schwerpunktthemen des Jahres erklärt. Woran denken Sie da besonders?
Industrie 4.0 ist ja so ein Monsterwort, das alles und nichts beinhaltet. Das geht los bei der Frage, wie, wo und vor allem wann wir zukünftig erreichbar sein wollen und endet noch lange nicht bei der EU-Datenschutz-Grundverordnung, die uns in diesem Jahr endgültig trifft. Da müssen wir als IHK ran, in dem wir Mehrwerte und Lösungen bieten, zum Beispiel mit der Veranstaltungsreihe „Wirtschaft digital.“ Ich bin der Meinung, dass wir uns als Unternehmer entscheiden müssen, wie wir zukünftig arbeiten wollen. Das bedeutet aber auch: Wir müssen Entscheidungen treffen – und investieren. In die Sicherheit unserer IT, in neue Technologien und in unserer Mitarbeiter.

Womit wir bei einem weiteren Schwerpunktthema wären – der Sicherung von Fachkräften. Was stellen Sie sich da vor?
In unserem IHK-Bezirk bilden 3.000 Betriebe ca. 11.000 Auszubildende aus. Viele Unternehmen bekommen ihre Ausbildungsplätze nicht besetzt, nicht zuletzt aufgrund des Runs auf die Universitäten. Ich mache mich stark für die Entwicklung eines Konzeptes zur Beratung von Studienzweiflern ähnlich dem erfolgreichen Konzept der Ausbildungsbotschafter. Wer für die Zukunft aufgestellt sein will muss vor allem eins: Beginnen.

Stichwort Zukunft. Eine Fusion mit der IHK Braunschweig hat die Vollversammlung im vergangenen Jahr abgelehnt und sich für eine vertiefte Kooperation ausgesprochen. Wie geht es jetzt weiter?
Das ist ein Auftrag. Deshalb geht es jetzt darum, sachlich und strukturiert zu erarbeiten, wo wir gemeinsam besser sind. Wo können wir Synergien schaffen? Wo gemeinsamer Ansprechpartner sein – für Azubis, Unternehmen aber auch Politiker. Wirklich politisches Gewicht zum Beispiel, funktioniert am besten gemeinsam. Auch gemeinsame Ausschüsse hat es im letzten Jahr schon gegeben. Den ersten Treffen werden jetzt weitere folgen. Dabei geht es immer darum, wie wir uns strategisch so aufstellen, dass wir zukünftig noch näher an unseren Mitgliedern sind. Auf unserer ersten Vollversammlung im März werden wir dann berichten.

Sie sprechen es an, ein spannendes Jahr liegt vor uns. MITMACHEN, unter diesem Motto steht 2018 nicht nur die GedankenGut-Veranstaltungsreihe…
… sondern unser gesamtes IHKLW-Jahr. Wir sind eine Flächen-IHK, die von Harburg und Lüchow-Dannenberg über Celle und Soltau bis Gifhorn und Wolfsburg reicht – Vielfalt können wir. Aber das klappt eben nur, weil wir rund 2.500 Ehrenamtliche haben, die mitmachen. Sie prüfen, schlichten und engagieren sich in der Vollversammlung. Und letztere wählen wir Ende des Jahres neu, das ist eine Chance für jeden, der sich für die regionale Wirtschaft interessiert, über den Tellerrand gucken und etwas erreichen will.

Kann sich jeder aufstellen lassen und wieviel Zeit muss ich da als Unternehmer so mitbringen?
Sich aufstellen lassen kann jeder, der volljährig ist, zur Ausübung des Wahlrechts berechtigt und entweder als Inhaber selbst IHK-Mitglied oder gesetzlich vertretungsberechtigt ist, zum Beispiel als Geschäftsführer oder Prokurist. Aber auch wer nicht ins Handelsregister eingetragen ist, aber trotzdem viel Verantwortung im Unternehmen trägt, kann mit besonderer Vollmacht bei der IHK-Wahl kandidieren. Die Vollversammlung tritt viermal im Jahr zusammen, um den Kurs der IHK mitzubestimmen. Darüber hinaus kann man sich in Ausschüssen engagieren. Mehr geht immer (lacht).

Unternehmerin, IHK-Präsidentin, Mutter. Sie sind viel unterwegs, auch in Mexiko, wo Ihr Unternehmen eine Niederlassung hat. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?
Ein streng geführter Kalender ist ein wesentlicher Bestandteil „meines Hutes“. Mein Mann hält mir den Rücken frei. Ohne seine Unterstützung würde das nicht funktionieren. Von Vorteil sind die unterschiedlichen Zeitzonen, da kann dann abends noch etwas mit Mexiko besprochen werden und morgens hat man dann alles auf dem Tisch und kann weiterarbeiten.

Auf was freuen Sie sich in diesem Jahr besonders?
Statt des klassischen Neujahrsempfang lädt unserer IHK seit zehn Jahren zu einem Sommerfest ein, bei hoffentlich gutem Wetter. Abgesehen davon freue ich mich auf viele interessante Begegnungen und eine Vollversammlungswahl, bei der sich gern auch mehr Frauen aufstellen lassen dürfen als bisher.

Verraten Sie uns noch einen ganz persönlichen Vorsatz?
Nein – ich möchte ihn für mich ganz allein umsetzen.

Interview: Annika Wilkening