Vorbereitung auf den Tag X

Mit rund 85 Milliarden Euro im Jahr 2017 ist Großbritannien einer der größten Abnehmer deutscher Waren – noch.  Denn zum 30. März 2019 wird der Brexit Realität. Zunächst wird es zwar bis zum 31. Dezember 2020 eine Übergangsphase geben. Aber ob und wie dann ein Abkommen die Handelbeziehungen regelt steht noch nicht fest. Unabhängig von konkreten Szenarien sollten sich Unternehmen bereits jetzt einige grundsätzliche Fragen stellen und mit relevanten Themen vertraut machen. Fünf Schritte, die Sie jetzt checken sollten, um später schnell handeln zu können.

  1. Exportwissen aufbauen: Unternehmen, die bislang nur Kunden innerhalb des EU-Binnenmarkts beliefert haben, sollten rechtzeitig entsprechendes Exportwissen aufbauen, um Zollanmeldungen für ihr UK-Geschäft abgeben zu können und keine Nachteile im zu erleiden.
  2. Preise anpassen: Wenn Ausfuhren nach Großbritannien künftig einen höheren Aufwand erfordern, ist es wichtig, dies in der Preiskalkulation zu berücksichtigen. Auch machen Freihandelsabkommen nicht alle Waren per se zollfrei, so dass ein möglicher Zoll auf die Produkte in die Berechnung einzubeziehen und zu prüfen ist, ob die Waren dann noch wettbewerbsfähig auf dem britischen Markt sind.
  3. Verträge prüfen: Bestehende Verträge mit Partnern in Großbritannien sollten überprüft und zu einem geeigneten Zeitpunkt angepasst werden. Dazu zählen unter anderem Klauseln zur Wahl des geltenden Rechts und Gerichtsstands, die Definition des „Gebiets der EU“ (bei Lizenz- oder Vertriebsverträgen), mögliche Ergänzungen zum Ausgleich von Zöllen und nicht zuletzt zur Währungsabsicherung. Schließlich verursacht der Brexit starke Wechselkurseffekte, die sich aller Voraussicht nach fortsetzen werden. Bei Dienstleistungs-, Arbeits- oder Handelsvertreterverträgen sind Neuregelungen bei der Arbeitnehmerfreizügigkeit oder der Dienstleistungserbringung zu beachten.
  4. Liefer- und Produktionsketten checken: Länderüberschreitende, mehrteilige Produktionsprozesse können unwirtschaftlich werden, sobald Waren oder Vorprodukte im Zoll zwischen der EU und Großbritannien hängen bleiben. Gegebenenfalls sollte über alternative Bezugsquellen aus anderen EU-Ländern nachgedacht werden, zumal Drittstaaten bereits ab dem formalen EU-Austritt Großbritanniens Ende März 2019 britische Wertschöpfungsanteile bei der Präferenzkalkulation als nicht mehr ursprungsbestimmend für EU-Ursprungsware akzeptieren müssen. Das kann sich negativ auf Lieferungen in das Zielland auswirken, wenn diese dadurch zu höheren Drittlandzollsätzen anstelle der bisherigen Präferenzzollsätzen erfolgen müssen. Unternehmen sollten bereits heute den Anteil der britischen Vorerzeugnisse in ihrer Produktionskette genau betrachten und den Wert ermitteln.
  5. Bleiben Zertifikate gültig? Wenn das Vereinigte Königreich die EU verlässt, wird dies auch Auswirkungen auf die CE-Kennzeichnung und die Chemikalienverordnung REACH haben. Abhängig vom tatsächlichen Abkommen, könnten Institute, Registrierungen oder benannte Stellen in Großbritannien ihre Gültigkeit verlieren, so dass entsprechende Zertifikate in der verbleibenden EU-27 nicht mehr verwendbar sind. Die Europäische Kommission empfiehlt betroffenen Unternehmen sicherzustellen, dass sie auch zukünftig über ein gültiges Zertifikat für ihr Produkt verfügen und gegebenenfalls auf Stellen in der verbleibenden EU auszuweichen.

Lars Heidemann