Mehr Anbieter, weniger Nachfrager

Die gute Nachricht ist: Immer mehr mittelständische Unternehmer stellen sich der Herausforderung Unternehmensnachfolge. Sie besuchen Informationsveranstaltungen, Seminare oder lassen sich individuell beraten. Im Jahr 2016 – so gibt es der jüngste DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge wider – suchten bundesweit mehr als 6.600 Senior-Unternehmer das Gespräch mit einem IHK-Berater – zwölf Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Das ist insofern positiv, als es ihre Bereitschaft zeigt, sich mit einer komplexen – und nicht immer angenehmen – Materie zu befassen. Und so rechtzeitig die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft ihres Unternehmens stellen.

Die schlechte Nachricht gibt es aber auch: Fast die Hälfte aller ratsuchenden Alt-Inhaber (knapp 3.000) deutschlandweit haben 2016 keinen passenden Nachfolger gefunden. Das sind so viele wie nie zuvor. Dazu passt, dass bereits seit 2014 die Zahl derjenigen sinkt, die sich grundsätzlich für die Übernahme eines Unternehmens interessieren.

Dieses Ungleichgewicht ist auf mehrere Ursachen zurückzuführen: Die demografische Entwicklung bedingt, dass immer mehr Unternehmer das Ruhestandsalter erreichen, während die Jahrgänge der 25- bis 45-Jährigen ausdünnen. Der branchenübergreifende Fachkräftemangel bietet Fach- und Führungskräften Alternativen in der Unselbstständigkeit. Außerdem verunsichern potenzielle Übernehmer die Auswirkungen der Erbschaftssteuerreform. Viele befürchten eine höhere steuerliche Belastung bei der familieninternen Übertragung eines Unternehmens.

In unserer Region folgt die Lage dem bundesweiten Trend: Lag die Zahl der Erstberatungen des IHK-Nachfolgemoderators Uwe-Peter Becker in den IHK-Bezirken Stade und Lüneburg-Wolfsburg im Jahr 2012 noch bei 88, belaufen sie sich seit 2016 auf fast doppelt so viele jährlich. Allein im vergangenen Jahr führte Becker 127 Erstgespräche mit Senior-Unternehmern – allerdings nur 31 mit Übernahme-Interessenten.

Text: Christina Betz

IHK-Sprechtag Unternehmensnachfolge Recht und Steuern
Unsere IHK bietet diese kostenlose Veranstaltung gemeinsam mit der Steuerberaterkammer Niedersachsen und örtlichen Fachanwälten an. In einem einstündigen, individuellen Gespräch können Sie sich zu grundlegenden Fragen der Unternehmensnachfolge beraten lassen. Nächste Termine des IHK-Sprechtags Unternehmensnachfolge Recht und Steuern sind der 13. Juni von 15 bis 20 Uhr in der IHK-Hauptgeschäftsstelle Lüneburg, der 5. September von 14 bis 17 Uhr in der IHK-Geschäftsstelle Wolfsburg und der 6. November von 9 bis 17 Uhr in der IHK-Geschäftsstelle Celle.

Nachfolgebörse nexxt-change
Die Industrie- und Handelskammern bringen Betriebsinhaber auf der Suche nach einem Nachfolger und Existenzgründer zusammen. Auf der bundesweiten Plattform www.nexxt-change.org können Angebote und Nachfragen ganz einfach und kostenlos veröffentlicht werden. Jedes Jahr werden etwa 1.000 Unternehmer über nexxt-change erfolgreich vermittelt. Fragen dazu beantwortet Stefanie Niederreiner: Tel. 04131/742-146, niederreiner@lueneburg.ihk.de

Ihre IHK-Ansprechpartner zur Unternehmensnachfolge
Für Senior-Unternehmer: Uwe-Peter Becker, Tel. 0160/7439638, becker@lueneburg.ihk.de
Für Gründer: Sabine Schlüter, Tel. 04131/742-193, schlueter@lueneburg.ihk.de

Countdown zur Unternehmensnachfolge
Diese Schritte empfiehlt IHK-Nachfolgemoderator Uwe-Peter Becker

  • Was will ich? Beginnen Sie etwa drei bis zehn Jahre vor der geplanten Übergabe – spätestens ab einem Alter von 55 Jahren – sich dem Thema Unternehmensnachfolge zu nähern. In dieser frühen Phase geht es nicht um das Unternehmen, die Mitarbeiter oder die Familie, sondern in erster Linie um die eigene Person. Das ist für viele Inhaber sicher neu.
  • Welche Nachfolgemöglichkeiten gibt es? Lassen Sie sich (zum Beispiel vom IHK-Nachfolgemoderator) beraten, wie Sie Ihre Handlungsoptionen in der Nachfolgersuche erweitern können. Je nach Art der Nachfolgeplanung empfehlen sich verschiedene Vorkehrungen.
  • Passt der potenzielle Übernehmer zu mir? Nehmen Sie sich Zeit für erste Gespräche mit einem oder mehreren Kandidaten, die als Ihr Nachfolger in Frage kommen. Wägen Sie Ihre Interessen mit denen des Interessenten ab. Wie ändert sich Ihre Rolle? Wenn Sie einen positiven Gesamteindruck gewinnen, haben Sie den Mut abzugeben.
  • Was sagen die Berater? Ziehen Sie Steuerberater, IHK-Experten, Bankenvertreter oder Familienmitglieder hinzu, wenn Sie fachliche Fragen klären und Unsicherheiten ausräumen möchten. Stimmen Sie sich dabei mit dem Nachfolgekandidaten ab. Sie beide sollten sich in jeder Hinsicht sicher mit Ihrer Entscheidung fühlen.
  • Wie organisieren wir die Übergabe? Haben Sie und Ihr Wunsch-Nachfolger sich füreinander entschieden, sollten Sie sich gemeinsam informieren, wie Sie eine juristisch tragfähige Regelung erreichen.
  • Was mache ich jetzt? Scheiden tut weh, davon können viele Senior-Unternehmer ein Lied singen. Aber loslassen kann auch befreiend sein. Überlegen Sie schon heute, was Sie in der kommenden Zeit erleben möchten. Beleben Sie Ihre früheren Hobbys, gehen Sie neue Herausforderungen an. Intensivieren Sie private Aktivitäten, für die Sie wahrscheinlich lange nicht genug Zeit hatten. Freuen Sie sich auf den kommenden Lebensabschnitt!