Instagrammability als Erfolgsfaktor

blick von oben auf einen Smartphone-Bildschirm, der den Tisch darunter mit bunt angerichteten Tellern zeigt.
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Instagrammability hat in der Gastronomie längst Einzug erhalten: Kunden posten ihre Mahlzeiten millionenfach.

Perfekt inszeniert, aufmerksamkeitsgenerierend und inspirierend – so muss der Urlaub heute sein. Denn am Ende entscheidend sind die Bilder, die mit der eigenen Social-Media-Community geteilt werden. Das Hotel, die Landschaft oder das Essen werden Mittel der Selbstinszenierung. Beeindruckt werden sollen damit die Freunde, Arbeitskollegen, die eigene Familie, ja am besten gleich die ganze Welt. Ein Trend, der auch auf die Tourismusbranche abfärbt. Und wie!

Kunden wollen sich auf Social-Media-Kanälen in Szene setzen

Instagrammability heißt das Zauberwort. Der Begriff bedeutet nichts anderes, als ein Produkt oder eine Dienstleistung so zu entwickeln, dass sich der Kunde damit auf den sozialen Kanälen perfekt in Szene setzen kann. Laut einer Studie des englischen Reiseversicherers Schofields wählen mittlerweile 40 Prozent der Reisenden im Alter von 18 bis 33 Jahren ihr Urlaubsziel nach diesem Faktor aus. Die neue junge Kundengruppe kann mit den etablierten Qualitätskriterien von Hotel- und Michelin-Sternen offenbar wenig anfangen. Neue Formen der Differenzierung müssen her.

Die Restaurantkette „Frittenwerk – Die Pommesmanufaktur“, die seit Oktober 2018 in den Designer-Outlets Wolfsburg vertreten ist und Ende Mai 2019 auch nach Braunschweig kommt, hat sich diese Entwicklung zunutze gemacht – und setzt auf Pommes mit bunten Toppings, die zum beliebten Instagram-Motiv avanciert sind. Unter dem Hashtag #frittenwerk haben die Gäste bereits fast 16.000 Food-Fotos gepostet. Besonders beliebtes Motiv ist das kanadische Nationalgericht Poutine: Pommes mit schmelzenden Mozzarella-Stückchen, die mit heißer Bratensoße übergossen werden.

Influencer sorgen für Bekanntheit – manchmal auf über das gewünschte Maß hinaus

Auch im Bereich der Hotellerie gibt es Konzepte, die in diese Richtung gehen. Beispielsweise setzt die international tätige Hotelkette 25Hours-Hotels mit Standorten in Berlin, Paris oder Wien ebenfalls auf Instagrammability. So sind freistehende Badewannen mit Ausblick, Hängematten oder Vintage-Fahrräder, die von der Decke baumeln Teil der Zimmerausstattung. Alle Standorte der Hotelkette verfügen zudem über ein eigenes Gestaltungskonzept. Jeder Quadratzentimeter scheint die Grundlage für ein erfolgreiches Instagram-Foto zu bieten. Mittlerweile hat das Unternehmen auf den sozialen Kanälen über 80.000 Follower.

Bei der Verbreitung von neuen Destinationen spielen Influencer eine entscheidende Rolle. Je mehr Reichweite der jeweilige Influencer hat, desto mehr potenzielle Nachahmer wird es geben. So kann es passieren, dass frühere Geheimtipps schnell zu Instagram-Wallfahrtsorten werden. Dieser dann oft plötzlich einsetzende Ansturm, kann die regionale Infrastruktur schnell an ihre Grenzen bringen. So geschehen mit dem Pragser Wildsee (Italienisch: Lago di Braies), eine Oase inmitten der Südtiroler Alpen. Der zwischen Bergen versteckte See ist auf Instagram mittlerweile ein Quotenhit. Unter dem Hashtag #lagodibraies wurden bereits mehr als 190.000 Fotos veröffentlicht.

Ähnlich erging es dem schweizerischen Verzascatal. Als ein italienischer Blogger von dort einen Social-Media-Post absetzte, erlebte die Region eine kaum zu bewältigende Besucherwelle. Kilometerlange Staus und Müllberge waren die Folge. Eine nachhaltig gesteuerte Tourismusentwicklung ist dann oft nicht mehr möglich. Wenn aber Instagrammability gezielt in das Gesamtkonzept integriert wird, bietet der Trend vor allem für etwas unbekanntere Regionen große Vermarktungs-Chancen.  

Zur Person

Porträt von Eric Spruth - Halbtotale, er steht in einer Straße mit Kopfsteinplaster, links ist ein Fachwerkhaus zu erkennen.

Eric Spruth arbeitet bei der Braunschweiger Werbeagentur Gingco.Net als Social Media Manager und betreibt einen Social-Media- und Content-Marketing-Blog. Mit BS-Feed hat er ein Facebook-Stadtmagazin für Braunschweig etabliert. Seine Schwerpunktthemen sind Digitalisierung und Soziologie.