Von der Zeitung zum Medienhaus

Die Verleger der Landeszeitung (v.l.): Christian von Stern, Jens Wiesemann und Wolf Bergmann.
Foto: tonwert21.de
Die Verleger der Landeszeitung (v.l.): Christian von Stern, Jens Wiesemann und Wolf Bergmann.

Lange galt man mit einem Lebensalter von 75 Jahren als betagt und im Herbst des Lebens. 1946 war man wohl froh, wenn man dieses Alter überhaupt erreichen konnte. Gleich in den ersten Tagen des Jahres Eins nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erschien die erste Ausgabe der Landeszeitung für die Lüneburger Heide (LZ). Am 15. Januar wird sie 75 – und sie ist lebendiger denn je.

Hinter den Fassaden des schmucken Stadthauses an einem der schönste Plätze Norddeutschlands vollzieht sich bei den 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gerade ein Kulturwandel. Dass hier längst mehr als nur eine Zeitung produziert wird, deutet schon der neue Name an: Seit einem Jahr firmiert hier das Medienhaus Lüneburg. Der Wandel ist rasant. Die mehr als 23.000 Abonnenten beziehen seit diesem Sommer nicht nur die gedruckte Ausgabe, im Preis enthalten ist auch das ePaper.

Wer Online-Artikel lesen will, muss dafür zahlen

Eine Auffrischung bekam in diesem Jahr die Internetseite landeszeitung.de, deren Corona-Liveticker seit Mitte März vergangenen Jahres täglich der am meisten gelesene Beitrag ist. Waren bislang alle Artikel kostenlos, steht in 2021 der Einstieg in bezahlte Inhalte an. „Gut recherchierter Journalismus hat seinen Preis auf allen Kanälen“, sagen die drei Verleger Wolf Bergmann, Christian von Stern und Jens Wiesemann selbstbewusst.

Vier Redakteur*innen im Gespräch Diskussion in der LZ-Redaktion (v.l.): Werner Kolbe, Anna Paarmann, Laura Treffenfeld und Alexander Hempelmann.

Foto: tonwert21.de

Die mehr als 20-köpfige Lokalredaktion stellt sich gerade neu auf: Digital first lautet jetzt ihr Prinzip. Fixpunkt ihrer Arbeit ist längst nicht mehr der Redaktionsschluss für die Printausgabe. „Heutzutage geht es um die Frage, in welcher Form und auf welchem Kanal unsere lokalen Beiträge jeweils am besten verbreitet werden können“, erläutert Chefredakteur Marc Rath. Neben der gedruckten Ausgabe und dem Internet-Auftritt ist die LZ mit inzwischen beachtlichen Reichweiten auf Facebook, Instagram und Twitter am Start. Und weitere dürften nicht erst in 75 Jahren folgen.

Die gedruckte Zeitung hat bei jüngeren Menschen zwar an Stellenwert verloren, doch im Medienhaus ist man überzeugt, dass lokale Nachrichten aus Stadt und Landkreis Lüneburg auch ihr junges Publikum finden, wenn sie für diese relevant sind und auf dem richtigen Weg ausgespielt werden. Chefredakteur Rath ist daher um die nächsten 75 Jahre auch nicht bange: „Eine Zeitung musste früher für 18- bis 88-Jährige gleichermaßen interessant sein. Das war sie streng genommen aber gar nicht, weil die Interessen und Lebenswelten viel zu verschieden sind. Im digitalen Zeitalter können wir jetzt unsere Artikel zielgruppengerecht über die verschiedensten Kanäle verbreiten.“

Lokaljournalismus auf Augenhöhe

In der Redaktion entwickelt sich auch ein neues Selbstverständnis. Mit dem Mitmach-Projekt „Wem gehört Lüneburg?“ hat sie im vorigen Jahr die Leserschaft in ihre Recherchen rund um den Lüneburger Wohnungsmarkt eingebunden. Eine Vielzahl von Veranstaltungen und Aktionen sorgen für einen Lokaljournalismus auf Augenhöhe. Dieses Prinzip gilt auch für das Jubiläumsjahr.

Im Medienhaus gibt es neue Titel, die neben der Landeszeitung und ihrer Schwester, der zwei Mal wöchentlich erscheinenden Anzeigenzeitung Lünepost, herausgegeben werden. So erscheint seit vorigem Jahr monatlich das regionale Lifestyle-Magazin Prise. Das Team um den Leiter Märkte, Thomas Grupe, feilt an weiteren Magazinen wie Azubi now, BauArt oder dem Seniorenmagazin Pep. Und mit dem „Shop Lüneburg“ bietet das Medienhaus eine Plattform fürs lokale Online-Shopping mit der Möglichkeit der Auslieferung noch am selben Tag für örtliche Käufer. Dieser innovative Ansatz steht für eine gelebte Partnerschaft mit dem örtlichen Handel und seinen Kundinnen und Kunden.

Aktion Blätterwald: LZ-Team pflanzt 750 Bäume 

Diese Verbundenheit mit der Region macht den Erfolg eines lokalen Medienhauses aus, lautet die Philosophie der Lüneburger. An große Feiern im Jubiläumsjahr ist indes wegen Corona zunächst nicht zu denken. Doch am Wochenende des Geburtstags will der Verlag ein Zeichen setzen: Im Rahmen der vor mehr als zehn Jahren gestarteten Aktion „Blätterwald“ pflanzt das LZ-Team 750 Setzlinge. In den nächsten 75 Jahren wird daraus ein stattlicher Wald.